
Viele 2025er Geschäftszahlen aus der weltweiten Automobilindustrie sind inzwischen da – aktuell werden Weichen gestellt, die über die eine oder eben andere Zukunft entscheiden.
Es trennt sich gerade die Spreu vom Weizen. Die horrenden Verluste von Stellantis (internationales Konglomerat ganz verschiedener Marken[1]) und einem der ältesten Autobauer, Ford, sind ganz aktuell und brennen wie Ameisensäure.
Beide sind nach Umsatz Platz 4 und 5 weltweit. Stellantis kündigte einen Jahresverlust von ca. 20 Mrd. EUR an, bei einem Umsatz von 80 Mrd. EUR – Marge: -25%. Der Umsatz ging 2026 um rund 9-11% zurück. Das Unternehmen hat sich entschieden, seine e-Mobilitätspläne drastisch einzudampfen. Stattdessen werde der Fokus wieder stärker auf Verbrenner- und Hybridfahrzeuge gelegt. Das ist nicht weniger als eine Kapitulationserklärung vor dem beschlossenen Umstieg der Antriebsarten – dem wohl bedeutendsten Ereignis in der über 100jährigen Geschichte der Automobilindustrie.
Mit dem Abgesang verliert der Multi nicht nur sehr viel Kapital (wie auch seine Aktionäre), auch scheint die Hoffnung zu überwiegen, dass Verbrenner doch noch einige gute Jahrzehnte vor sich haben könnten Ein Familienunternehmen würde m.E. niemals so denken und planen.
Ford ist weltweit die Nummer 5. Umsatzrückgang 2025 ca. 15%. Das ist sehr heftig, egal für welches Unternehmen. Und die Margen bei den Massenherstellern der Automobilindustrie liegen ohnehin nur knapp über Spareinlagen. Ford hat die Produktionsziele für e-Autos nach unten korrigiert, die weiteren Pläne oder Konsequenzen ins Unbestimmte reformuliert.
General Motors (GM) ist weltweit die Nummer 3. Auch GM beklagt einen Umsatzrückgang von 10%. Der Konzern stellt die Einführung neuer Elektrofahrzeuge zurück und wolle sich wieder auf rentable bestehende Modelle konzentrieren – in den USA also Monster-SUVs für Behörden etc., wie man sie aus dem Fernsehen kennt.
Stellantis, GM und Ford haben ihre Weichen also Richtung Kurzfrist gestellt und biegen jetzt ab. Es wird eine Reise ohne offensichtliche Rückkehroption, denn die e-Marktanteile verteilen sich nunmehr auf weniger Anbieter, die trotz aller Hürden am Ball bleiben wollen. Daran haben sie keinen Zweifel gelassen. Schauen wir doch mal, wie sich die Nummer 1 und 2 geäußert haben, ferner 6, 7 und 8:
Volkswagen und Toyota sind beide im Wechsel Nummer 1 und 2 weltweit: Mal ist der Eine vorne, dann wieder der Andere. VW hat ebenfalls -8% Umsatz zu verkraften und passte seine e-Ziele an – und will sich auf die Verbesserung seiner Verbrenner-Modelle konzentrieren. Das klingt tendenziell nach GM. Anders Toyota: Umsatz minus 6%, Marktführung im Bereich der Hybridtechnologien und e-Pläne bekräftigt.
Hyundai/KIA, Platz 6 weltweit, verzeichnete nur 2% Erlösrückgang und beklagte höhere Rohstoffkosten, was ja wohl v.a. auf die Marge abzielt. Das Unternehmen plane nach eigenem Bekunden ‚eine aggressive Expansion seiner Elektrofahrzeuge‘. Das nenne ich mal ein Statement.
Und was ist mit der Nummer 7? – Tesla. Verzeichnete gegen den Trend der Top10 ein Plus von 12%, allerdings mit Rückenwind von Vorzieheffekten unter Trump 2.0. Trump hält nichts von e-Autos. Ohne Förderung wird es Tesla in den USA ab 2026 erst einmal schwer haben. Dazu kommen höhere Rohstoffkosten und Engpässe in der Produktion. Man muss aber anerkennen, dass die Marke wohl immer ihre Fan-Basis haben wird. Für Umsatzzuwächse und profitables Wachstum wird das künftig womöglich aber auch nicht mehr reichen.
Fazit

Stellantis mit seinen vielen Massenmarken ist Vorbote für viele ähnliche Anbieter innerhalb der Automobilindustrie
Die Weichen haben die Konzerne jetzt selbst gestellt. Einige haben ihre langfristige Zukunft für die nächsten wenigen Jahre vorverkauft, wie eine Option. Andere haben, wenn man das richtig liest, bereits de facto kapituliert. Es sieht nicht sonderlich gut aus für Konzerne, die seit über 100 Jahren die Automobilindustrie dominiert oder zumindest mit geprägt haben. Und China haben wir in dieser kleinen Zusammenfassung nur in diesem einen Satz erwähnt. In zehn Jahren von heute an, womöglich schon in fünf, werden wir eine gänzlich andere Statistik bei den Marktanteilen sehen. Einige Namen werden gar verschwunden sein, da irgendwo einfusioniert – da lege ich mich fest.
Falko Bozicevic
[1] Stellantis ist ein Zusammenschluss von u.a. Fiat Chrysler mit ihren diversen Automarken und PSA, in dem u.a. Peugeot, Citroen und Opel gebündelt sind. In den USA gehören auch u.a. Jeep, Dodge und RAM dazu.
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