Am Hochzinsmarkt entscheidet Qualität über Rendite

Robus Capital warnt vor einer aufgehenden Schere zwischen Marktpreisen und fundamentalen Risiken sowie Rendite und sieht selektives Agieren am Sekundärmarkt klar im Vorteil. Von Mark Hoffmann und Benjamin Noisser*

Die Emissionstätigkeit blieb seit dem 2ten Quartal hoch, viele Neuemissionen waren überzeichnet. Der Markt ist teuer, die Risikoaufschläge sind sehr niedrig und Investoren lassen sich die Hochzinsrisiken ungewöhnlich günstig bezahlen. Wir gehen davon aus, dass 2026 ein Jahr wird, in dem Qualität wieder den Ton angibt. Wer im Primärmarkt wahllos zeichnet, kauft Risiken ein, die erst später sichtbar werden.

Insbesondere die langfristigen geopolitischen Risikothemen, angefangen von den Konflikten in der Ukraine und im Nahen Osten, den US-Handelszöllen bis hin zur europäischen Schuldenlage, hätten bereits in den vergangenen Monaten rapide Spread-Bewegungen verursacht. Wir erwarten zwar unmittelbar kein systemisches Kreditereignis, aber die Lage ist und bleibt angespannt. Nicht jede Anleihe verdient aktuell solche Bewertungen, und wir gehen davon aus, dass wir bald deutlichere Differenzierungen der Risikoaufschläge sehen werden.

Ausfälle kosten Rendite und können teuer kommen

Ausfälle kosten Rendite und können teuer kommen

Der Robus Value Bond Fund (RVBF) setzt auf einen strikt wertorientierten Ansatz und bevorzugt hochwertige, besicherte oder strukturell vorrangige Anleihen, überwiegend mit erstrangiger Besicherung und hohem Eigenkapital- bzw. Risikopuffer.

Der Fonds investiert größtenteils unter Par, umfasst 40–50 Kernpositionen aus verschiedenen hochverzinslichen Anleihesegmenten und erzielt momentan einem gewichteten Kupon von rund 9,4%. Im Vergleich zum Euro-High-Yield-Index weist der Fonds mit einer Laufzeitrendite von 11% einen fast doppelt so hohen Wert wie der Euro-High-Yield -Index bei einer geringeren Volatilität von 5,1% aus.

Das Zusammenspiel aus geopolitischer Unsicherheit, normalisierten Zinsen und einer sich stabilisierenden europäischen Konjunktur schafft Chancen für substanzorientierte Investoren. Besonders das Mid-Market-Segment bleibt ineffizient und damit ein fruchtbarer Boden für umfassende Fundamentalanalysen.

Robus Value Bond Fund (RVBF) und Rendite

Robus Value Bond Fund (RVBF)

Ausfälle (Defaults) einzelner Emittenten bleiben das zentrale Risiko. Robus unterscheidet dabei klar zwischen dem Default (z.B. Covenant-Bruch oder Nicht-Zahlung) und tatsächlichem Verlust nach Verwertung der Sicherheiten oder Restrukturierung (Loss-Given-Default, LGD). Durch unseren Asset-Cover-Ansatz investieren wir nur dort, wo werthaltige Sicherheiten bestehen oder ein großer Eigenkapitalpuffer hinter unserem Kreditinvestment sitzt.

Entscheidend ist nicht der Default selbst, sondern der realisierte Verlust nach erfolgter Restrukturierung oder Verwertung, und den halten wir durch sorgfältige Analyse und aktive Involvierung möglichst niedrig. In manchen Situationen gelingt es auch, den anfänglichen Buchverlust in einen realisierten Gewinn zu wandeln.

Mark Hoffmann

Nach Jahren sinkender Risikoprämien zeigen sich erste Belastungszeichen: Während große Emittenten sich weiter günstig refinanzieren, geraten kleinere Unternehmen unter Druck. Der iTraxx XOVER notiert bei rund 270 Basispunkten unter dem Niveau von 300-400 Basispunkten, das wir langfristig als gesund bewerten. Dieses Spread-Niveau spiegelt das tatsächliche Risiko nicht wirklich wider. Unsere Strategie bleibt in diesem Umfeld klar: selektiv, werthaltig und frei von Modethemen. Für Anleger, die nach Substanz im Portfolio suchen, bleiben ausgewählte Titel aus dem europäischen Hochzinsmarkt auch 2026 sehr attraktiv.

Benjamin Noisser

*) Mark Hoffmann ist Chief Investment Officer bei Robus Capital in London und Benjamin Noisser Geschäftsführer und Portfoliomanager des Robus Value Bond Fund.

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