100 USD in Sicht? Hormus-Eskalation treibt Öl und Gold

Straße von Hormus im Fokus

Brent +10% und Gold gefragt: Eine Eskalation um die Straße von Hormus könnte Öl Richtung 100 USD treiben.

Die globalen Finanzmärkte befinden sich nach den jüngsten US-amerikanischen und israelischen Luftschlägen gegen Iran erneut im geopolitischen Krisenmodus. Violeta Todorova, Senior Research Analyst bei Leverage Shares & IncomeShares, sieht insbesondere die Energie-Logistik als zentralen Übertragungskanal auf die Märkte.

Öl im Fokus – Brent mit Kurssprung

Im Zentrum der Marktreaktion stehe die Straße von Hormus. Durch die Meerenge werde rund ein Fünftel des weltweiten Ölverbrauchs sowie ein erheblicher Anteil globaler LNG-Lieferungen transportiert. Die Sorte Brent sei um mehr als 10% gestiegen, da Marktteilnehmer das Risiko von Angebotsunterbrechungen neu bewerteten.

Selbst ohne formelle Blockade könne ein effektiver Angebotsschock entstehen, wenn Versicherer Kriegsrisikodeckungen zurückzögen und Reedereien zögerten. Sollte die Eskalation anhalten, erscheine ein Ölpreis oberhalb von 100 USD zunehmend realistisch. Freie Förderkapazitäten der OPEC+ könnten zwar kurzfristig stabilisieren, logistische Engpässe ließen sich jedoch nicht allein durch höhere Produktionsmengen kompensieren.

Erdgas und Europas Verwundbarkeit

Neben Öl entwickle sich Erdgas zu einem weiteren Stressfaktor, insbesondere für Europa. Niedrige Speicherstände zu Beginn der Wiederauffüllsaison erhöhten die Sensitivität gegenüber möglichen Lieferstörungen, etwa aus Katar. Steigende Energiepreise könnten damit in der zweiten Jahreshälfte erneut zu einem Inflationsfaktor werden.

Gold als Absicherung

Gold habe deutlich zugelegt – klassisch als Reaktion auf „Risk-off“-Phasen. Steigende Ölpreise infolge geopolitischer Risiken – und nicht wegen boomender Nachfrage – wirkten doppelt unterstützend: über Safe-Haven-Zuflüsse und über die Funktion als Inflationsschutz. Ein weiterer Anstieg erscheine aus Sicht der Analystin durchaus möglich.

Aktien: Rotation statt Panik

An den Aktienmärkten zeige sich bislang eher eine Sektorrotation als ein breiter Ausverkauf. Energieproduzenten profitierten von höheren Preisen und verbesserten Cashflow-Perspektiven, ebenso könnten Verteidigungswerte verstärkt in den Fokus rücken. Belastet seien hingegen Fluggesellschaften, Tourismuswerte und energieimportabhängige Schwellenländer.

Die Risikoprämien im Kreditmarkt hätten sich ausgeweitet, die Marktreaktion bleibe gemessen an der geopolitischen Tragweite bislang jedoch geordnet. Entscheidend sei weniger der initiale Schock als vielmehr Dauer und Ausmaß möglicher Lieferunterbrechungen.

Zinspolitik im Dilemma

Makroökonomisch stelle sich die Frage, ob dauerhaft erhöhte Ölpreise eine zweite Inflationswelle auslösen könnten. Für die Federal Reserve und andere Notenbanken entstehe ein Spannungsfeld zwischen Wachstumsrisiken und erneutem Preisdruck. Zinssenkungen dürften sich in einem solchen Szenario eher verzögern als beschleunigen; entsprechend sei an den Anleihemärkten mit erhöhter Volatilität zu rechnen.

Violeta Todorova, Leverage Shares & Income Shares

Aktuell habe die Geopolitik die Makrodaten als dominierenden Treiber abgelöst. Öl bleibe die entscheidende Variable, Gold die bevorzugte Absicherung – und die Aktienmärkte dürften angesichts des erhöhten Risikos anfällig bleiben.

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