Midterms bremsen Trumps Schaum

Die US-Zwischenwahlen (Midterms) verändern die Machtverhältnisse in Washington. Für Anleger rücken Defizit, Zinsen und Exekutivpolitik in den Fokus.

Die US-Wähler haben die politischen Kräfteverhältnisse in Washington verschoben: Die Republikaner haben ihre Mehrheit in beiden Kongresskammern verloren. Damit übernehmen die Demokraten die Kontrolle über den Kongress und schränken den innenpolitischen Handlungsspielraum der Regierung für den Rest der Amtszeit deutlich ein.

Das Wahlergebnis dürfte eine weitere fiskalische Expansion erschweren. Ausgaben, Besteuerung und wichtige Regulierungsinitiativen werden künftig einer strengeren parlamentarischen Prüfung unterliegen. Zugleich steigt die Wahrscheinlichkeit einer intensiveren Kontrolle der Regierung und einer erneuten Debatte über die Steuerpolitik.

Politische Unsicherheit verschwindet damit allerdings nicht, warnt Andrew Jackson, Head of Investments bei Vontobel. Mit eingeschränkten Mehrheiten im Kongress könnte das Weiße Haus verstärkt auf Exekutivbefugnisse zurückgreifen – insbesondere bei Zöllen, Sanktionen, Einwanderung und Außenpolitik. Eine härtere US-Reaktion gegenüber dem Iran nach den Zwischenwahlen sieht Vontobel als erhebliches Risiko. Sie könnte die Ölpreise und damit auch die Inflation nach oben treiben.

So sieht GPT das Thema Midterms und Trumps Reaktion

So sieht GPT das Thema Midterms und Trumps Reaktion

Für US-Aktien könnte der Wahlausgang zunächst eine Quelle politischer Unsicherheit beseitigen. Weniger Spielraum für zusätzliche Staatsausgaben könnte allerdings das Wachstum dämpfen. Eine erneute Debatte über Unternehmenssteuern und die Besteuerung hoher Einkommen dürfte zudem unterschiedliche Auswirkungen auf einzelne Branchen haben.

Historisch entwickelten sich US-Aktien nach Zwischenwahlen häufig positiv, weil mehr Klarheit über die politischen Rahmenbedingungen entstand. Hohe Bewertungen und Anleiherenditen könnten einen solchen Aufschwung diesmal jedoch begrenzen. Umso wichtiger bleibt das Gewinnwachstum der Unternehmen.

Anleihen: Defizite bleiben das Problem

Eine geteilte Regierung könnte US-Staatsanleihen grundsätzlich stützen, wenn sie zusätzliche fiskalische Expansion begrenzt. Allerdings ist die Verhinderung neuer Ausgaben nicht gleichbedeutend mit einem Abbau des bestehenden Defizits. Anhaltend hohe Fehlbeträge und umfangreiche Emissionen von Staatsanleihen könnten den Rückgang langfristiger Renditen daher begrenzen.

Für den Rentenmarkt dürften Inflation und Geldpolitik der Federal Reserve letztlich wichtiger bleiben als das Wahlergebnis. Ein erneuter Energiepreisanstieg würde die Perspektiven zusätzlich erschweren.

Dollar: Keine automatische Richtungsänderung

Beim US-Dollar dürfte die unmittelbare Reaktion vor allem von der Positionierung der Anleger und einer gewissen Erleichterung über die geklärten Machtverhältnisse geprägt sein. Langfristig bleiben relatives Wirtschaftswachstum und die Geldpolitik der Fed die entscheidenden Faktoren. Eine verstärkte Nutzung exekutiver Befugnisse bei Zöllen und Sanktionen könnte allerdings unterschiedliche Folgen für Branchen, Währungen und Regionen haben.

Andrew Jackson

Entscheidend werden nun die politischen Auseinandersetzungen um Ausgaben und Schuldenobergrenze. Vontobel beobachtet zudem die Auswirkungen einer möglichen geringeren fiskalischen Expansion auf die Renditen von US-Staatsanleihen sowie die weitere Entwicklung bei Zöllen und Sanktionen. Auch die Unternehmensgewinne und die finanziellen Rahmenbedingungen bleiben zentrale Gradmesser.

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