
Die US-Notenbank änderte am 16. September ihren Kurs und hob ihren Zielkorridor bei ihrer ersten Zinserhöhung seit 2023 um einen Viertelpunkt an. Das Wichtigste sind jedoch nicht die 25 Basispunkte. Vielmehr ist der Lockerungszyklus vorbei, und die Beweislast hat sich umgekehrt. Die Frage ist nun, wie weit die Fed letztendlich gehen muss. Der aktuelle Marktkommentar von Tim Murray, Kapitalmarktstratege, Multi-Asset-Abteilung bei T. Rowe Price:
Märkte erwarten einen moderaten Zinserhöhungszyklus
Derzeit rechnen Anleger mit einem relativ moderaten Anstieg der Zinsen. Die Terminmärkte preisen bis zum Jahresende fast zwei weitere Erhöhungen um jeweils ein Viertelpunkt ein, sowie insgesamt etwas mehr als vier Erhöhungen bis Ende 2027. Mit anderen Worten: Die Märkte scheinen eher eine Anpassung in der Mitte des Zyklus zu erwarten als einen vollwertigen Zinserhöhungszyklus. Das könnte sich durchaus als richtig erweisen.
Die Fed ist nur ein Teil des Gesamtbildes
Noch wichtiger ist, dass die Geldpolitik der Fed als Treiber für die Renditen längerfristiger US-Staatsanleihen an Bedeutung verloren hat. In den zwei Jahren bis zum 23. September 2026 stieg die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen von rund 3,73 auf 5,10% – ein Anstieg um etwa 137 Basispunkte.
Nur etwa 72 Basispunkte dieser Entwicklung lassen sich auf höhere Erwartungen hinsichtlich der künftigen Geldpolitik der Fed zurückführen. Der Rest spiegelt einen Anstieg der Laufzeitprämie wider – die zusätzliche Vergütung, die Anleger für das Halten längerfristiger Anleihen verlangen. Diese Prämie ist aus verschiedenen Gründen gestiegen, darunter größere geopolitische Unsicherheit, anhaltende Inflationssorgen, umfangreiche Emissionen von US-Staatsanleihen und Erwartungen hinsichtlich weltweit steigender Investitionsausgaben.
Es ist unwahrscheinlich, dass diese Belastungen einfach deshalb verschwinden, weil die Fed letztendlich einen relativ moderaten Zinserhöhungszyklus durchführt. Selbst wenn die Märkte mit ihrer Einschätzung des geldpolitischen Kurses der Fed richtig liegen, könnten die längerfristigen Renditen daher weiter langsam ansteigen.
Begrenzte Rendite für das Eingehen von Durationsrisiken
Gleichzeitig erhalten Anleger derzeit eine relativ geringe Vergütung für das Eingehen zusätzlicher Durationsrisiken. Am 23. September lag die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen bei 4,85%, verglichen mit 5,10% für 10-jährige und 5,40% für 30-jährige Anleihen. Das bedeutet, dass Anleger für eine Verlängerung der Laufzeit von zwei auf zehn Jahre nur 25 zusätzliche Basispunkte – und für eine Verlängerung auf 30 Jahre etwa 56 Basispunkte – erhalten würden. Diese Renditeaufschläge erscheinen angesichts der deutlich höheren Sensitivität von Anleihen mit längerer Laufzeit gegenüber Zinsänderungen relativ bescheiden.
Fazit
Die Fed könnte letztendlich den relativ moderaten Zinserhöhungszyklus umsetzen, der derzeit in den Terminmärkten eingepreist ist. Die Geschichte zeigt jedoch, dass dieses Ergebnis nicht als selbstverständlich angesehen werden sollte. Noch wichtiger ist, dass der Anstieg der längerfristigen Renditen zunehmend Kräfte widerspiegelt, die über die Politik der Fed hinausgehen – insbesondere die höhere Laufzeitprämie. Da diese strukturellen Belastungen weiterhin bestehen und relativ wenig zusätzliche Rendite für das Eingehen von Durationsrisiken zur Verfügung steht, hält unser Asset-Allocation-Ausschuss weiterhin an einer Strategie mit kurzer Duration im Anleihebereich fest.
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