
Hohe Gaspreise und fehlender Windstrom treiben den deutschen Strompreis auf den höchsten Stand seit 2022. aream fordert mehr Windkraft und Batteriespeicher.
Der deutsche Börsenstrompreis hat im Oktober 2026 mit durchschnittlich rund 168 EUR je MWh den höchsten Monatswert seit vier Jahren erreicht. Zuletzt war Strom im November und Dezember 2022 ähnlich teuer. Damals lagen die Monatsdurchschnitte bei 174 bzw. 252 EUR je MWh. Haupttreiber ist laut aream Group der starke Anstieg der Gaspreise.
„Wir erleben hier eine massive Gaspreiskrise“, moniert Patrick Lemcke-Braselmann, CEO der aream Group. Seit Januar 2023 hatte der Strompreis in keinem Monat mehr das aktuelle Niveau erreicht. Auch der europäische Gaspreis zog kräftig an: Mitte Oktober kostete Gas am Handelspunkt TTF fast 90 EUR je MWh und damit nahezu dreimal so viel wie ein Jahr zuvor.

Wind und PV sollen Strom liefern, doch abends wird kostbares Erdgas verfeuert – das treibt den deutschen Strompreis
Da Gaskraftwerke häufig in den Abend- und Nachtstunden den Strompreis bestimmen, schlägt der Gaspreisanstieg unmittelbar auf den Strommarkt durch. Hinzu kommen Risiken bei der Versorgung: Durch die Straße von Hormus gelangt weiterhin deutlich weniger Flüssiggas als vor dem Krieg nach Europa. Die deutschen Gasspeicher waren Anfang Oktober lediglich zu 58% gefüllt, verglichen mit einem Fünfjahresmittel von 86%.
Besonders teuer sind die Stunden ohne Solarstrom. Im Herbst sinkt die Solareinspeisung innerhalb von rund vier Stunden teilweise von 40 auf nahezu null Gigawatt, während der Verbrauch bei 50 bis 58 Gigawatt liegt. Bei schwachem Wind müssen Gaskraftwerke die Lücke schließen. Im September kam es dadurch zu Preisspitzen von mehr als 700 EUR je MWh. Auch die Nachbarländer können in diesen Stunden kaum zusätzliche Strommengen liefern.
In den Mittagsstunden sonnenreicher Monate wirkt Solarstrom dagegen preisdämpfend. Von März bis August 2026 lag der Strompreis dann im Schnitt unter 50 EUR je MWh. Für aream zeigt sich daraus ein klarer Bedarf an zusätzlichen Windkraftanlagen und Batteriespeichern. Windstrom könne insbesondere im Winterhalbjahr zur Versorgung beitragen; Speicher an Solarparks könnten Strom in die Abendstunden verschieben und zugleich das Netz entlasten.
Beim Windkraftausbau an Land liegt Deutschland allerdings hinter den gesetzlichen Zielen. Bis Ende 2026 sind 84 GW vorgesehen, bis 2030 sollen es 115 GW sein. Ende Juni waren erst knapp 70 GW installiert; im ersten Halbjahr kamen netto 1,93 GW hinzu. Auch bei der Offshore-Windkraft geht es langsamer voran: Ende Juni waren 10,8 GW am Netz, das 2030-Ziel von 30 GW erwartet die Branche inzwischen erst für 2032.
Lemcke-Braselmann fordert deshalb schnellere Genehmigungen und einen zügigeren Netzanschluss neuer Anlagen. Zudem sollten Batteriespeicher direkt an Solarparks beim Netzanschluss bevorzugt werden. Sie könnten helfen, die hohen Abendpreise zu senken und den Bedarf an Gaskraftwerken zu verringern.
———-
BondGuide nutzt KI zum Orthografie-Check sowie bei Bildern, Kollagen oder Grafiken.
! NEU ! Die erste BondGuide Jahresausgabe 2026 ist erschienen (12.Mai): ‚Green & Transition Finance 2026‘ kann wie gewohnt kostenlos als e-Magazin oder pdf heruntergeladen werden.
Bitte nutzen Sie für Fragen und Meinungen Twitter – damit die gesamte Community davon profitiert. Verfolgen Sie alle Diskussionen & News zeitnaher auf Twitter@bondguide !
