Hohe Realzinsen in Brasilien eröffnen Anleihechancen

William Blair IM sieht Chancen in Brasilien: Hohe Realzinsen, ein schwächerer Kreditzyklus und mögliche Zinssenkungen könnten die Märkte stützen.

Brasilien bietet Anleiheinvestoren aus Sicht von William Blair Investment Management attraktive Perspektiven, die über den Ausgang der Präsidentschaftswahl hinausgehen. Lewis Jones, Portfoliomanager im Emerging Markets Debt Team, verweist auf außergewöhnlich hohe Realzinsen, zunehmende Schwächesignale im Kreditzyklus und die Aussicht auf eine spätere geldpolitische Lockerung. Die Stichwahl am 25. Oktober könnte zusätzliche Impulse liefern.

In der ersten Wahlrunde am 4. Oktober erzielte Senator Flávio Bolsonaro mit 47% der Stimmen ein besseres Ergebnis als erwartet und lag vor Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva mit 45%. Ein Wahlsieg Bolsonaros könnte die Erwartungen an eine stärkere Haushaltsdisziplin und einen marktfreundlicheren Kurs verbessern. Ein Teil dieses Szenarios sei jedoch bereits in den Kursen enthalten, betont Jones.

Brasilien vor der Stichwahl: Bolsonaro Jr. gegen Lula da Silva

Brasilien vor der Stichwahl: Bolsonaro Jr. gegen Lula da Silva

Hohe Realzinsen als zentraler Treiber

Brasiliens Leitzins liegt bei rund 14%. Die restriktive Geldpolitik belastet zunehmend die Binnenwirtschaft und den Kreditzyklus; zugleich nehmen notleidende Kredite bei Unternehmen zu. Jones sieht darin kein systemisches Bankenproblem, sondern ein Zeichen dafür, dass die hohen Zinsen ihre Wirkung entfalten. Eine spätere Lockerung könnte insbesondere lokale Zinsanlagen unterstützen.

Auch vor der Wahl waren brasilianische Kredittitel aus Sicht von William Blair zu günstig bewertet. Politische Unsicherheit und technische Faktoren hatten die Spreads auf US-Dollar lautender Unternehmensanleihen ausgeweitet. Nach dem überraschend starken Abschneiden Bolsonaros setzte eine deutliche Neubewertung ein. Die geringe Positionierung heimischer Anleger verstärkte die Marktbewegung.

Fiskalpolitik bleibt entscheidend

Brasiliens Staatsfinanzen reagieren besonders empfindlich auf das Zinsniveau. Ein großer Teil der Ausgaben ist gesetzlich vorgeschrieben, während die Finanzierung stark vom heimischen Kapitalmarkt abhängt. Steigende Zinsen erhöhen daher zugleich die staatlichen Finanzierungskosten und erschweren die Haushaltskonsolidierung. Eine nachhaltige Vertrauensverbesserung könnte umgekehrt Spielraum für Zinssenkungen schaffen und so die Fiskal- und Wirtschaftslage stützen.

Für Anleger unterscheiden sich die Chancen je nach Marktsegment: US-Dollar-Anleihen profitieren unter anderem von den hohen Währungsreserven und den vergleichsweise geringen Fremdwährungsschulden des Landes. Das größere Potenzial sieht Jones jedoch bei lokalen Zinsanlagen, die unmittelbarer auf geldpolitische Veränderungen reagieren.

Lewis Jones

Ein Wahlsieg Bolsonaros könnte die positive Entwicklung verstärken. Die Bewertungen seien nach der ersten Wahlrunde allerdings nicht mehr so günstig. Entscheidend werde deshalb, ob das Vertrauen anhält, die Inflation Zinssenkungen zulässt und die nächste Regierung ihre politischen Ankündigungen in tragfähige Reformen umsetzt.

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