Zinswende: Was steigende Zinsen mit den Märkten machen

Die Zinswende setzt Märkte unter Druck: Edelmetalle, KI-Aktien und ganze Branchen reagieren, während Diversifikation wichtiger wird. Von Robert Steininger*

Rund um den Globus sind sich die Notenhüter aktuell einig – die Inflation ist zu hoch und muss aktiv bekämpft werden. Kein Wunder, treiben doch vor allem die Öl- und Energiepreise die Inflation seit Monaten vor sich her. Auch wenn viele Experten zu Beginn des Krieges im Iran noch gehofft haben, dass Zweitrundeneffekte ausbleiben würden, kündigen sich diese allmählich doch an. Bleibt die Frage, was an den Märkten passiert, wenn die Inflation nicht nachlässt und die Zinsen noch weiter steigen sollten.

Zinssteigerung allein ist kein Allheilmittel gegen Inflation

Egal ob Bank of Japan, FED oder EZB – sie alle haben in ihren letzten Sitzungen die jeweiligen Einlagenzinssätze angehoben. Die EZB sogar bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr. Ziel ist es, die Inflationsrate möglichst tief zu halten.

Steigende Leitzinsen können auch einen Einfluss auf die Verzinsung von Sparprodukten haben und diese wieder attraktiver machen. Anbieter wie beispielsweise die Distingo Bank bieten Neukunden aktuell ansprechende Aktionskonditionen. Dabei können sich Zinssätze und Konditionen je nach Anbieter und Marktentwicklung verändern.

Die Zinswende irritiert sogar Bulle und Bär

Die Zinswende irritiert sogar Bulle und Bär

Letztlich sind aber Zinssteigerungen bei einer Inflation, die hauptsächlich durch Energiekosten verursacht wird, nur ein eher schwaches Mittel. Denn Benzin und Gas werden nicht über Kredite gekauft – die Bereiche, die durch höhere Zinsen abgewürgt werden (Automobilbranche, Möbelbranche, Baubranche, Maschinenbau für Unternehmen etc.), sind aktuell keine Treiber der Inflation.

Da es aber das Lehrbuchmittel gegen die Inflation ist, kommt es zur Anwendung. Viele andere Möglichkeiten haben die Notenbanken ohnehin nicht. Was bleibt, ist das Prinzip Hoffnung – und das Warten auf eine Entspannung im Nahen Osten.

Die offensichtlichen Opfer der Zinswende – Edelmetalle lassen im Jahr 2026 kräftig Federn

Gerade für Edelmetalle bedeutet der Zinskurs der großen Notenbanken heftigen Gegenwind. Das zeigen auch die in Prozent bereits zweistelligen Verluste, die Gold und Silber seit ihren Allzeithochs Ende Anfang 2026 zu verzeichnen haben.

Dabei stehen gerade bei Gold zwei große Strömungen im Streit miteinander. Auf der einen Seite gilt Gold als sicherer Hafen, in den viele Anleger fliehen, wenn geopolitische Risiken und Schwierigkeiten zunehmen.

Auf der anderen Seite erhöhen die Zinsen die Opportunitätskosten für Gold und Silber und machen diese beiden Edelmetalle damit wieder unattraktiver, da beide keine laufenden Erträge abwerfen. Da in den letzten zwei Monaten keine dieser beiden Strömungen dauerhaft die Oberhand gewinnen konnte, sind Edelmetalle in einen recht breiten Seitwärtskorridor eingebogen. Ein Ausbruch wird erst erwartet, wenn entweder eine spürbare Entspannung an den Ölmärkten eintritt oder die Situation endgültig eskaliert.

Die heimlichen Opfer der Zinswende – diese Branchen werden in ihrem Wachstum erheblich ausgebremst

Der KI-Boom scheint ungebremst und doch wurden Aktien wie NVIDIA, Samsung oder TSMC vor allem zu Beginn des Krieges im Iran durch die steigenden Ölpreise massiv ausgebremst. Die steigenden Zinsen wirken sich jetzt nur noch leicht auf diese Aktien aus. Sie führen aufgrund des fundamentalen Booms zwar nicht zu einem deutlichen Rücksetzer, wohl aber zu einem nur noch gedrosselten Wachstum im Vergleich zu den Rallys der beiden Vorjahre.

Gold und Silber, 3 Jahre

Welchen Einfluss spielt jetzt die Diversifizierung des eigenen Depots?

Nur wenn das eigene Depot für solche Situationen ausreichend diversifiziert ist – wenn also Titel aus ganz unterschiedlichen Branchen und Ländern im Portfolio zu finden sind –, können die Werte, die auch in Krisen gut laufen, die anderen auffangen. Eine gute Diversifikation ist nicht für den perfekten Normalbetrieb – sie ist die Grundlage dafür, dass ein Depot auch das komplett Unerwartete ohne größere Beulen überstehen kann.

Warum in solchen Situationen eine echte Anlagestrategie so wertvoll ist

Wenn wie in den Monaten Februar bis April 2026 die Edelmetall-, Krypto- und Aktienmärkte gemeinschaftlich nachgeben und es wie ein einziger großer Crash aussieht, zeigt sich, ob ein Anleger eine echte Strategie hat oder nicht.

Wer in solchen Momenten eine Strategie hat, auf die er vertrauen kann, ist auch in der Lage, rote Zahlen zu ertragen. Wer nur investiert in der Hoffnung, dass seine Titel irgendwann einmal Gewinne abwerfen, verkauft in solchen Phasen panisch und springt nicht selten tief im Minus zur Unzeit ab.

*) Robert Steininger ist Fachautor für u.a. Anlagestrategien und publiziert regelmäßig zu Fachthemen wie Online- und Investment-Strategien, Glücksspielthemen, Krypto und Verhaltensanalyse.

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