
Hohe Staatsverschuldung, Inflationsrisiken und enormer Kapitalbedarf treiben die Renditen. Bankhaus Herzogpark rät zu Disziplin statt Rückzug.
Der Anleihemarkt ist nach Einschätzung von Michael Titz, Leiter Investment Office bei Bankhaus Herzogpark, derzeit das wichtigste Warnsignal für die Finanzmärkte. Während die Aktienmärkte im August trotz Schwankungen erstaunlich robust blieben, stiegen die Renditen langfristiger Staatsanleihen weltweit auf Mehrjahres- oder sogar Jahrzehntehochs.
In den USA kletterte die Rendite 30-jähriger US-Treasuries zeitweise über 5,3% – der höchste Stand seit 2007. Auch zehnjährige Bundesanleihen erreichten Niveaus wie zuletzt 2011; in Japan näherte sich die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen 3%. Gemeinsam ist den Märkten laut Titz vor allem eines: Anleger müssen immer größere Mengen neuer Anleihen aufnehmen, während Inflationsrisiken und Kapitalbedarf hoch bleiben. Staaten finanzieren Verteidigung und Infrastruktur, Unternehmen benötigen Milliarden für Investitionen – etwa in Rechenzentren und KI-Infrastruktur.
Weniger Leitplanken durch die FED

Trump 2.0 wollte doch eigentlich die US-Schulden halbieren. Vollbracht hat er eine Verdopplung. Die Renditen von US-Anleihen schlagen Alarm.
Besondere Aufmerksamkeit verdient für Titz die neue geldpolitische Philosophie von FED-Chef Kevin Warsh. Die US-Notenbank wolle sich von der bisherigen Forward Guidance verabschieden und den Märkten weniger Hinweise auf künftige Zinsentscheidungen geben. Stattdessen sollen belastbare Trends stärker ins Gewicht fallen; das Inflationsziel von 2% bleibe eine feste Leitplanke.
Für Anleger bedeute das mehr Eigenverantwortung. Marktpreise und Konjunkturdaten könnten künftig unmittelbarer auf geldpolitische Erwartungen reagieren. Zugleich sei der Inflationskampf keineswegs gewonnen.
Trotz der höheren Renditen bleibt Titz grundsätzlich konstruktiv. Bei Aktien favorisiert er Unternehmen mit soliden Bilanzen, belastbaren Geschäftsmodellen und verlässlicher Profitabilität. Auch ausgewählte Wachstumswerte blieben interessant – bei KI-Investments müsse jedoch stärker darauf geachtet werden, ob die hohen Ausgaben tatsächlich in Umsatz, Gewinne und Cashflow münden.
Bei Anleihen sprechen die höheren laufenden Erträge zwar für die Anlageklasse, lange Laufzeiten bergen bei weiter steigenden Renditen jedoch erhebliche Kursrisiken. Bankhaus Herzogpark bevorzugt daher kurze bis mittlere Laufzeiten und gute Bonitäten.
Auch Gold bleibt für Titz ein strategischer Stabilitätsbaustein. Nach der starken Entwicklung vieler Risikoanlagen sei zudem Rebalancing angesagt: Erfolgreiche Positionen müssten nicht vorschnell verkauft, übermäßige Gewichte aber zurückgeführt werden.
Michael Titz ist Leiter Investment Office beim Bankhaus Herzogpark. Das Haus verbindet Anlageberatung und Vermögensmanagement mit einem auf Kapitalmärkte und Portfoliostrategien ausgerichteten Investmentansatz.
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