
Der nordische High-Yield-Markt bietet weiterhin eine attraktive Mehrprämie und geringeres Zinsrisiko im Vergleich zu Europa und den USA.
Aus dem Marktkommentar von Svein Aage Aanes, Head Fixed Income bei DNB Asset Management
Im europäischen und amerikanischen High-Yield-Markt bewegen sich die Risikoprämien nahe historischer Tiefstände. Der nordische High-Yield-Markt hingegen bleibt ein Ausreißer mit einem Spread von rund 500 Basispunkten, was etwa 230 bis 240 Basispunkte über dem Niveau in Europa liegt. Diese Differenz ist kein zyklischer Ausreißer, sondern ein strukturelles Merkmal, das sich über Jahre etabliert hat.
Wachstumsstarker Markt
Der nordische Corporate-Bond-Markt hat sich seit 2010 von rund 90 Mrd. EUR auf über 550 Mrd. EUR erhöht. High Yield ist ein dynamisch wachsender Teil dieses Marktes. Im vergangenen Jahr wurden etwa 24 Mrd. EUR neue Hochzinsanleihen emittiert – ein Rekordwert für die Region. Der Markt ist groß genug, um institutionell investierbar zu sein, bleibt aber klein genug, um Ineffizienzen zu bewahren.
Der Spread-Aufschlag ist historisch konstant über Europa. Wer argumentiert, der Norden sei riskanter, muss die anhaltende Differenz in stabilen Marktphasen erklären. Diese Differenz hat zwei zentrale Ursachen: Erstens sind die Emittenten im Schnitt kleiner als in den USA oder im großen europäischen Markt. Zweitens besitzt nahezu die Hälfte des Marktes kein offizielles Rating, was die Investorenbasis einschränkt.
Geringere Zinssensitivität
Die Zinsbindungsdauer im nordischen High Yield beträgt im Schnitt rund ein Jahr, während sie in Europa und den USA typischerweise drei bis vier Jahre beträgt. Ein Zinsanstieg um 100 Basispunkte belastet einen Markt mit einer Zinsduration von vier rechnerisch um rund 4%. Im Norden wären es etwa 1%. In einem Umfeld anhaltender Zinsvolatilität ist das ein entscheidender Vorteil, da Anleger nicht nur mehr Spread erhalten, sondern gleichzeitig weniger Zinsrisiko tragen.
Die historischen Verlustquoten im nordischen Markt lagen langfristig bei gut 1% pro Jahr. Selbst in Stressphasen lagen die Recovery Rates zuletzt um 70%. Ein Nettoverlust von rund 1,5% bei 5% der Ausfälle bleibt in einem Umfeld mit einem Spread-Aufschlag von über 200 Basispunkten eine rechnerische Mehrprämie. Der Markt entschädigt nicht nur für erwartbare Ausfälle, sondern auch für geringere Liquidität und höhere Analyseanforderungen.
Stabile volkswirtschaftliche Rahmenbedingungen
Die nordischen Länder gehören zu den solidesten in Europa, mit Staatsschuldenquoten klar unter dem EU-Durchschnitt. Norwegen hat einen der größten Staatsfonds der Welt. Diese institutionelle Stabilität und transparente Regulierung reduzieren systemische Risiken im Kreditmarkt, auch wenn Unternehmensrisiken bestehen bleiben.
Rechnet man konservativ mit einer laufenden Verzinsung um 5% und zieht langfristige Verlustquoten ab, ergibt sich ein attraktives risikoadjustiertes Profil im Vergleich zu Europa. Der Nordic High Yield-Markt ist kleiner und weniger liquide als der US-Markt, bietet jedoch mit einem Gesamtvolumen von über einer ½ Bio. EUR und einem jährlichen Emissionsvolumen von 24 Mrd. EUR ausreichend Potenzial für strategische Allokationen. Die strukturelle Mehrprämie von über 200 Basispunkten ist das Resultat einer Marktarchitektur, die Anleger für Komplexität und geringere Standardisierung entschädigt.
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