Neuemission reconcept GGEB II: „Weiter auf unseren Track Record einzahlen und stabile Rückflüsse ermöglichen“

Die Hamburger reconcept kommt mit einem Green Bond nach dem anderen im Jahr 2025. Der Green Global Energy Bond II (GGEB II) soll an seinen erfolgreichen Vorgänger anknüpfen. BondGuide dazu im Gespräch mit Geschäftsführer Karsten Reetz.

>> Aus BondGuide 25-2025 vom 17. Dezember <<

BondGuide: Herr Reetz, welche spezifischen Projekte werden nun beim neuen reconcept GGEB II priorisiert?
Reetz: Der reconcept Green Global Energy Bond II, kurz auch gern rGGEB II, unterscheidet sich weder in der wirtschaftlichen Ausgestaltung noch thematisch großartig von seinem Vorgänger. Das Programm steckt im Namen: Green Global Energy – und genau das setzen wir weiterhin in unseren Fokusmärkten Deutschland, Finnland und Kanada um. Dabei realisieren wir die einzelnen Projekte unserer Entwicklungs-Pipeline konsequent entsprechend der jeweiligen Entwicklungsphase und dem absehbaren wirtschaftlichen Potenzial. Das Kapital investieren wir somit zielgerichtet in definierte Projekte.

BondGuide: Bleibt es also weiterhin bei diesen drei Ländern – kein anderes erweckt noch Ihr Interesse?
Reetz: Wir beobachten auch andere Länder mit ähnlich attraktiven Rahmenbedingungen, denn Diversifikation ist grundsätzlich sinnvoll, wie die Auswahl unserer bestehenden Fokusmärkte zeigt. Gleichzeitig müssen wir unsere Ressourcen verantwortungsvoll und umsichtig nutzen: Schließlich verfügen wir aktuell bereits über eine 10 Gigawatt starke Pipeline, die in den nächsten Jahren konsequent realisiert werden soll. Der Schwerpunkt liegt dabei für uns auf Märkten, in denen wir nicht nur umfassende operative Erfahrung, sondern auch etablierte Strukturen und verlässliche regulatorische Rahmenbedingungen haben. Genau das schafft für uns ebenso wie für unsere Investoren eine Planbarkeit.

„Neben Deutschland ist Spanien für mich aktuell einer der spannendsten europäischen Märkte, da er langfristig verlässliche Entwicklungsmöglichkeiten eröffnet.“

BondGuide: Spanien sagen Branchenkenner schon seit Längerem eine hinreichend hohe Attraktivität für Erneuerbare, speziell Solar natürlich, nach. Wir unterhielten uns glaube ich vor wenigen Wochen etwas darüber.
Reetz: Das kann ich bestätigen. Spanien bietet durch seine hohe Zahl an Sonnenstunden ein außerordentlich attraktives Umfeld für Erneuerbare Energien, insbesondere im Solarbereich. Das regulatorische Rahmenwerk wirkt zudem stabil und investorenfreundlich. Neben Deutschland ist Spanien für mich aktuell einer der spannendsten europäischen Märkte, da er langfristig verlässliche Entwicklungsmöglichkeiten eröffnet.

BondGuide: Mal ganz konkret zu Impact Measurement. Welche Methoden verwendet reconcept, um einen sozialen u/o ökologischen Impact finanzierter Projekte zu messen und zu belegen?
Reetz: In unserem Green Bond Framework ist klar definiert, wofür wir den Emissionserlös verwenden und wofür nicht. Dass dieses Rahmenwerk vollständig mit den Green Bond Principles der ICMA übereinstimmt, wurde uns über eine Second Party Opinion von EthiFinance bestätigt. In der Praxis lassen sich ökologische Effekte heute am besten über CO2-Einsparungen abbilden, weil sie die derzeit transparenteste und am Kapitalmarkt anerkannteste Vergleichsgröße darstellen. Darüber hinaus schaffen unsere Projekte langfristige Arbeitsplätze und generieren regionale Wertschöpfung. Bei Agri-Photovoltaik kommt noch der Vorteil hinzu, dass die Flächen parallel landwirtschaftlich nutzbar bleiben – ein doppelter ökologischer Nutzen.

„Unsere Projekte schaffen auch langfristige Arbeitsplätze und generieren regionale Wertschöpfung.“

Quelle: reconcept

BondGuide: Auch in Kanada wird es konkreter, wie ich in Dokus im TV gesehen habe.
Reetz: In der Tat: Kanada unterstützt Investitionen in nachhaltiges Wirtschaften massiv, u.a. durch staatliche Förderungen wie die neuen Steuergutschriften, ITCs, und die ‚Made-in-Canada Sustainable Investment Guidelines‘, um privates Kapital zu mobilisieren. Davon profitiert auch der Ausbau von Wind- und Solarenergie. Gleichzeitig wird die Einhaltung von sozialen Impacts erwartet. So sind für Genehmigungen stets die First Nations zu konsultieren, also die indigenen Völker Kanadas. Wir stehen mit den Gemeinden und ihren gewählten Vertretern in engem Austausch. Wenn von dieser Seite keine Bedenken bestehen, können wir dort Projekte realisieren, die zugleich Arbeitsplätze schaffen und lokale Strukturen stärken. Das erhöht nicht nur die Akzeptanz, sondern verbessert auch die langfristige Projektstabilität und -attraktivität.

BondGuide: Sie hatten in einem früheren Gespräch betont, dass Nachhaltigkeit keine Rendite koste. Dies zeige sich in der positiven Entwicklung von Impact Investing im Bereich erneuerbarer Energien. Ich hadere immer noch mit der Messbarkeit. An der Börse geht das eigentlich nur durch den Vergleich von Kursen oder Renditen für Investoren.
Reetz: Nach unserem Selbstverständnis haben wir schon immer ausschließlich grüne Anleihen begeben, auch wenn wir uns diesen Status erst für den rGGEB I und II formal bestätigen ließen. Ob formal zertifiziert oder nicht: Es handelt sich um Green Bonds, die in nachhaltige und grüne Projekte investieren – und das sehen auch unsere Anleger so. Unser Anspruch seit 27 Jahren ist, ökologische Projekte zu realisieren, an deren Wertschöpfung Investoren über attraktive Renditen partizipieren können. Den Extraschritt über die formale Bestätigung mit der SPO machen wir, um die Anforderungen institutioneller Investoren wie Fonds oder Family Offices zu erfüllen.

Die Effizienzsteigerungen, insbesondere in der Windenergie, sind enorm.“

BondGuide: Wo sehen Sie aktuell den größten Flaschenhals für eine rentable Projektentwicklung?
Reetz: Es gibt zahlreiche Gemeinden in Deutschland, die sehen, welch attraktive Renditen Solaranlagen erwirtschaften – ohne explizite Förderung, denn die ist gar nicht mehr nötig. Für eine Freiflächenanlage braucht es jedoch einen Netzanschlusspunkt zur Energieeinspeisung. Die Verfügbarkeit und Entfernung dieses Anschlusspunkts entscheiden maßgeblich über die Wirtschaftlichkeit. Je größer die Distanz, desto stärker sinken die Margen, bis man unter Umständen die Reißleine ziehen muss. Genau hier liegen aktuell die größten Engpässe für die Branche.

Quelle: reconcept

BondGuide: Welche neuen Technologien oder Ansätze im Bereich erneuerbare Energien könnten hingegen die Effizienz und Rentabilität der Projekte von reconcept in der Zukunft womöglich steigern?
Reetz: reconcept ist ein Projektentwickler und kein Technologiehersteller. Dennoch profitieren wir natürlich auch von technologischen Fortschritten unserer Partner. Die Effizienzsteigerungen, insbesondere in der Windenergie, sind enorm. Vor zwei Jahrzehnten war eine 1-Megawatt-Anlage der Standard, heute entwickeln wir in Deutschland onshore 8 MW, in Asien liegt man sogar bei 10 MW. Ein zunehmend zentraler Hebel wird das Repowering sein: Mehrere ältere 1-MW-Anlagen werden durch einen modernen Rotor mit deutlich höherer Leistung ersetzt. Oftmals kann dies ohne eine neue Genehmigung erfolgen, in anderen Fällen innerhalb des bestehenden Genehmigungsrahmens. Ein ähnlicher Trend ist auch im Solarbereich zu erwarten, da neue Panelgenerationen auf bereits genutzten Flächen deutlich höhere Erträge ermöglichen.

BondGuide: Wird es dann nicht auch bei Batteriespeichern künftig diese Repowering-Runden geben oder gar geben müssen?
Reetz: Mittel- bis langfristig ganz sicher. Repowering wird auch bei Batteriespeichern eine bedeutende Rolle spielen, zumal diese Technologie noch relativ jung ist und enorme Optimierungsspielräume bietet. Heute haben Batteriesysteme meist die Größe eines Containers. Ich gehe jedoch davon aus, dass sich die Größe in den kommenden Jahren deutlich reduziert, während Effizienz und Kapazität stark zunehmen. Das eröffnet zusätzliche wirtschaftliche Potenziale und steigert die Flexibilität im Netz.

Unsere Pipeline bildet schon heute mit 10 GW eine starke Basis und enthält zahlreiche weit fortgeschrittene Projekte.“

BondGuide: Asien kann also schon 10-MW-Windanlagen – warum Europa nicht?
Reetz: Der entscheidende Punkt sind die Genehmigungen. Für die größeren Anlagen braucht es neue Zertifizierungen, insbesondere, da die Rotorblätter noch einmal ca. 3 Meter länger sind. China und Japan haben diesen Schritt bereits vollzogen. Der Fall China ist dabei durchaus ambivalent, denn trotz hoher CO2-Emissionen ist das Land zugleich führend bei Komponenten für Wind- und Solartechnik sowie zunehmend auch in der Elektromobilität. Europa agiert hier insgesamt vorsichtiger und regulatorisch komplexer.

reconcept GGEB II Eckdaten

rGGEB II Eckdaten

BondGuide: In den Medien geht es nach meinem persönlichen Dafürhalten seit Wochen indes kaum noch mal um die Energiewende, sondern eher um Rentendebakel und dergleichen, allenfalls um restliches russisches Gas, das weiterhin seinen Weg in die EU findet. Täuscht mein Eindruck, dass die Energiewende schon wieder etwas hintenan gestellt scheint?
Reetz: Ihr Eindruck täuscht nicht. Medien fokussieren derzeit sehr stark auf andere politische oder geopolitische Themen. In der Praxis bleibt die Energiewende jedoch von zentraler Bedeutung, und die relevanten Ausschüsse arbeiten kontinuierlich weiter an entsprechenden Rahmenbedingungen. Themen wie die Importabhängigkeit bei Gas oder die Diskussion um das Heizungsgesetz polarisieren jedoch politisch so stark, dass kurzfristig kaum klare Entscheidungen zu erwarten sind. Das schmälert aber nicht die Notwendigkeit und Dynamik des Ausbaus Erneuerbarer Energien.

Der Fall China ist dabei durchaus ambivalent, denn trotz hoher CO2-Emissionen ist das Land zugleich führend bei Komponenten für Wind- und Solartechnik sowie zunehmend auch in der Elektromobilität.“

Karsten Reetz, reconcept

Karsten Reetz, reconcept

BondGuide: Nun hatten wir ja schon zahlreiche Gespräche. Wo möchte die reconcept denn in sagen wir fünf Jahren stehen, also so etwas wie Zielplan 2030?
Reetz: Unser Ziel ist es, den erfolgreichen Weg der vergangenen Jahre nahtlos fortzusetzen. Einen konkreten Fünfjahresplan gibt es nicht – warum auch? Wir möchten weiter organisch wachsen, aber unsere Gruppe nicht überdimensionieren. Unsere Pipeline bildet schon heute mit 10 GW eine starke Basis und enthält zahlreiche weit fortgeschrittene Projekte. Ich gehe davon aus, dass wir auch im kommenden Jahr mehrere Projekte verkaufen werden, die weiter auf unseren Track Record einzahlen und gleichzeitig stabile Rückflüsse ermöglichen.

BondGuide: Herr Reetz, dann auch beim GGEB II viel Erfolg!

Interview: Falko Bozicevic

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