„Wollen eine zufriedenstellende Klärung der Sachlage für alle Seiten“

publity nach vorläufigen Zahlen 2017 mit 11,2 Mio. Euro Jahresüberschuss und positivem Ausblick
Foto @ publity AG

BondGuide im Gespräch mit Thomas Olek, Gründer und CEO der publity AG, über die unbefriedigende Situation in Wandelanleihe- und Aktienkurs, Heilungsmöglichkeiten sowie unsinnige Spekulationen.

BondGuide: Herr Olek, die aktuellen Jahreszahlen für 2017 fielen erläuterungsbedürftig aus. In Ihren eigenen Worten sahen die wie genau aus?
Olek: Wir haben das Geschäftsjahr nach vorläufigen Zahlen mit einem Jahresüberschuss nach HGB von etwa 11,2 Mio. EUR und Assets under Management von etwa 4,6 Mrd. EUR abgeschlossen. Damit haben wir sehr profitabel gearbeitet, unsere Assets under Management um rund 50% gesteigert – unsere selbst gesteckten Ziele aber trotzdem merklich verfehlt. Wir unterscheiden uns von vielen Mitbewerbern dadurch, dass wir nicht den allergrößten Teil unserer Umsätze und Gewinne aus laufenden Gebühren erzielen, sondern 30% und mehr unserer Einnahmen sind Gewinnbeteiligungen aus Immobilienverkäufen.

BondGuide: Kurz gesagt: Schwankungen sind eingepreist. Was war 2017 nun so, dass Sie sich vor einigen Wochen zu einer sogenannten Gewinnwarnung veranlasst sahen?
Olek: Das ist richtig – unsere Prognose für 2017 ist irgendwann schlicht nicht mehr aufgegangen. Wir haben größere Portfolioverkäufe für unsere Kunden geplant und die ließen sich zum Jahresende nicht mehr realisieren. Wir sind zuversichtlich, dass wir diese Verkäufe nun zeitnah umsetzen können, aber bei Umsatz und Ergebnis 2017 fehlten sie uns schlicht. Bei den Assets under Management sehen wir, dass der für uns relevante Bereich des Immobilienmarktes wesentlich enger geworden ist. D.h. die Preise, die wir im Einkauf inzwischen zahlen müssen bzw. die wir für unsere Kunden noch zu zahlen bereit sind, sind deutlich gestiegen. Das grenzt die Immobilienauswahl ein bzw. macht die Suche zeitraubender.

Vorstand Thomas Olek

publity-Vorstand Thomas Olek

BondGuide: publity hat ja als Asset Manager größere internationale Kunden, darunter einen namhaften amerikanischen Hedgefonds. Fallende Renditen bei Immobilieninvestments sind sicherlich nichts, was ein Hedgefonds gerne hört …
Olek: Wir sind weiter freundschaftlich miteinander verbunden, stehen wie gewohnt in Kontakt – aber Renditen von 15% oder mehr können wir im aktuellen Umfeld schlicht nicht mehr generieren so wie einst. Sicherlich werden wir für diesen von Ihnen erwähnten Kunden und Investor auch künftig noch Immobilienkäufe tätigen, jedoch womöglich nur noch opportunistisch, also einzelfallbezogen. Ein großer Teil des Immobilienbestands, den wir als Asset Manager verwalten, gehört unverändert eben diesem Hedgefonds. Die Geschäftsbeziehung ist also intakt, nur werden wir für diesen Kunden künftig eher Verkäufe als Käufe tätigen, da er mit seinen Renditeansprüchen im aktuellen Preisumfeld für Immobilien eher Gewinne realisiert. Positiv ist, dass wir dann natürlich an den Gewinnbeteiligungen üppig verdienen. Auf der anderen Seite müssen wir beim Einkauf neue Investoren mit moderateren Renditeansprüchen als unsere Kunden gewinnen. Daran arbeiten wir und ich bin hier durchaus zuversichtlich.

publity erwirbt attraktives Büroobjekt in Hamburg für publity Performance Fonds Nr. 7BondGuide: Wäre das ein Problem? Vor allem der Aktienkurs von publity preist ja einiges ein – minus zwei Drittel binnen eines Jahres.
Olek: Höhere Renditen zwischen An- und Verkauf wären auch uns lieber. Aber die Gegebenheiten sind aktuell, wie sie sind: Wir steuern dem aktiv entgegen, indem wir unsere Recherchen verstärken und unsere Datenbasis für potenzielle Objekte vertiefen. Wir haben hier eine sehr umfangreiche und detaillierte Datenbank aufgebaut, in der wir nahezu alle Immobilien in Deutschland erfasst haben, die für uns und unsere Kunden interessant sind. Damit sind wir weniger aktiven Wettbewerbern wieder ein Stück voraus. Es muss unser Ziel bleiben, mehr Objekte als Single Deals zu erwerben und veräußern zu können als unsere Mitbewerber. Aber auf niedrigere Renditen im deutschen Büroimmobilienbereich muss sich jeder inzwischen einstellen. Das ist ein Fakt.