„Es sieht dramatischer aus, als es ist“

Christian Schnagl, Vorstand, posterXXL AG

Vor zwei Wochen veröffentlichte der Fotodienstleister posterXXL eine Verlustanzeige – das Grundkapital war um mehr als die Hälfte geschrumpft. Der Anleihekurs stürzte daraufhin von knapp unter pari auf aktuell 60%. Dabei erzielt das Münchner Unternehmen weiterhin hohe Umsatzzuwächse. Im Interview mit BondGuide erläutert Vorstand Christian Schnagl die Hintergründe für diese Entwicklungen und wirft einen Blick in die Zukunft.

BondGuide: Herr Schnagl, trotz deutlicher Umsatzsteigerung ist Ihnen die Hälfte des Grundkapitals abhandengekommen. Woran lag das?
Schnagl: Das sieht dramatischer aus, als es in Wirklichkeit ist. Wir kommen mit der Meldung unseren Kapitalmarktfolgepflichten nach. Es bedeutet nicht, dass das Geld weg ist. Wir verfügen über 4 Mio. EUR liquide Mittel und die Geschäftsentwicklung verläuft planmäßig. Der wichtigste Faktor für den Verlust beim Grundkapital war die Begebung der Anleihe im letzten Jahr, die zu Einmalaufwendungen geführt hat. Hinzu kamen Kosten für die Teilnahme an der Photokina-Messe, die nur alle zwei Jahre stattfindet. Da fielen auch Sonder-Investitionen für Markenaufbau und Markenbildung an. Zudem gab es zu Weihnachten 2012 keinen Bestellstopp, wie früher üblich. Dadurch entstanden weitere Marketingaufwendungen, wobei wir aber natürlich auch weiter Umsatz gemacht haben. Während der Aufwand noch im Dezember 2012 verbucht wurde, kam es beim Umsatz zu einem Spill-over-Effekt in Höhe von 1,9 Mio. EUR. Wenn man diesen Faktor und die Einmaleffekte herausrechnet, wären wir 2012 sogar auf ein positives Ergebnis gekommen.

BondGuide: Wo liegt jetzt die Eigenkapitalquote?
Schnagl: Sie lag zum Jahresende bei 9%.

BondGuide: Zum Zeitpunkt der Anleihebegebung waren es noch 30%…
Schnagl: In unserem saisonalen Geschäft ist der Stand der Verbindlichkeiten und Forderungen zum Jahresende am höchsten. Und dass die Begebung einer Anleihe die Eigenkapitalquote senkt, war zu erwarten.

BondGuide: Denken Sie denn über Eigenkapitalmaßnahmen nach?
Schnagl: Das wäre natürlich eine Überlegung wert. Allerdings haben wir ja kein Liquiditätsproblem. Hätten wir anstatt der Anleihe Eigenkapital aufgenommen, wäre es nicht zu dieser Pflichtmeldung über den Verlust des Grundkapitals gekommen. Unsere Strategie bleibt richtig. Durch die Selbstbestimmtheit mittels der Anleihe können wir langfristig planen.

BondGuide: Das Ziel, den Umsatz um mindestens 50% zu steigern, haben Sie erreicht. Wie sehen Ihre Wachstumsziele für die nächsten Jahre aus?
Schnagl: Wenn wir 2013 wieder um 50% wachsen, wäre es schön. Unser Ziel ist aber profitables Wachstum im zweistelligen Prozentbereich. 2012 war ein Übergangsjahr mit hohen Investitionen – die Früchte wollen wir 2013 ernten.

BondGuide: Das Ergebnis im 1. Quartal fiel aber auch negativ aus…
Schnagl: Das liegt an der Saisonalität. Alle anderen Fotodienstleister, die wir kennen, schreiben in den ersten 3 Quartalen ebenfalls ein negatives Ergebnis. Wir erzielten allerdings aufgrund des Spill-over-Effekts immerhin ein Umsatzwachstum von 70%.

BondGuide: Was stimmt Sie für 2013 so optimistisch?
Schnagl: Unsere Zahlen zeigen, dass wir in den letzten Jahren sowohl bei Bestandskunden als auch bei Neukunden den Umsatz gesteigert haben. Die Gewinnung von Neukunden 2012 bedeutet natürlich zunächst mal Marketingkosten, sie bringen dann aber 2013 zusätzlichen Umsatz. Zudem haben wir 2012 viel in die Marke investiert. Der Erfolg dieser Maßnahmen zeigt sich in der Statistik der Suchanfragen bei Google. Da sind wir knapp hinter CEWE, einem Unternehmen, dass mehr als zehn Mal so groß ist wie wir.

BondGuide: Wie sollen sich Ihre Marketingaufwendungen weiter entwickeln?
Schnagl: Sie werden weiter steigen. Das ist der größte Kostenblock im Unternehmen, allerdings lässt der sich relativ leicht steuern – anders als etwa Personalaufwendungen. Wenn wir aber beim Marketing sparen, wird sich das jedoch auch auf die Umsätze auswirken.

BondGuide: Der Emissionserlös bei der Anleihe fiel mit bislang 5,4 Mio. EUR deutlich niedriger aus als avisiert. Haben Sie die Emission inzwischen geschlossen?
Schnagl: Wir werden nicht weiter emittieren. Es ist zwar noch nicht offiziell geschlossen, dabei handelt es sich aber nur noch um eine Formsache. Wir verfügen über ausreichend Liquidität für unsere Pläne. Mit der Zinsbelastung können wir sehr gut umgehen. Im Dezember haben wir ja auch bereits eine Zinszahlung geleistet.

BondGuide: Wie sehen nun Ihre Planungen aus, was mögliche Akquisitionen angeht?
Schnagl: Für Übernahmen im zweistelligen Millionenbereich hätte der Emissionserlös ohnehin nicht gereicht. Da hätten wir noch über andere Finanzierungsformen nachdenken müssen. Nach der Begebung der Anleihe hatten wir das Problem, dass bei zwei Unternehmen, mit denen wir im Gespräch waren, die Preisvorstellungen plötzlich gestiegen sind. Daraufhin haben wir die Verhandlungen abgebrochen. Aktuell führen wir bei einem Unternehmen eine Soft Due Diligence durch. Wir verfolgen also weiterhin Übernahmepläne – insbesondere um die Saisonalität in unserem Geschäft auszugleichen. Aktuell machen wir 50% des Jahresumsatzes im 4. Quartal, sogar fokussiert auf ca. sechs Wochen

BondGuide: Der Anleihekurs liegt deutlich unter pari. Wie ist die Stimmung bei Ihren Anleiheinvestoren?
Schnagl: Aufgrund des insgesamt geringen Handelsvolumens handelte es sich nur um fünfstellige Euro-Beträge, die für den Kursrückgang verantwortlich waren. Wir haben mit allen uns bekannten Investoren gesprochen und zeigen mit der Veröffentlichung unserer Geschäftszahlen und Auftritten auf Investorenkonferenzen auch Transparenz.

BondGuide: Und wie war die Reaktion auf die Meldung zum Verlust beim Grundkapital?
Schnagl: Über eine solche Meldung ist natürlich niemand froh. Allerdings handelt es sich dabei ja nicht – wie vielleicht in anderen Branchen – um ein strukturelles Problem.

BondGuide: Befürchten Sie negative Auswirkungen auf das Folgerating?
Schnagl: Wir befinden uns aktuell schon im Ratingprozess. Das neue Rating wird voraussichtlich im Mai oder Juni veröffentlicht. Wir sehen keinen großen Anlass für eine schlechtere Ratingnote als unser bisheriges BBB-. Wir sind uns zwar bewusst, dass die Eigenkapitalsituation ins Rating einfließt, auf der anderen Seite haben wir aber strategische Positionen aufgebaut, die wir vor einem Jahr noch nicht hatten.

BondGuide: Herr Schnagl, vielen Dank für das aufschlussreiche Gespräch!

Das Interview führte Oliver Bönig.