TACO-Trade ausgedünnt: Straße von Hormus schlägt Trump-Reflex

Der sog. TACO-Trade verliert seine Wirkung: Die Märkte hören nicht mehr auf Trumps Trompeten, sondern auf Ölflüsse aus der Straße von Hormus.

Der TACO*-Trade – einst Synonym für die Erwartung, dass Trump 2.0 bei marktschädlichen Drohungen zurückrudere – stößt an seine Grenzen. Was 2025 noch zuverlässig funktionierte, verliert im aktuellen Nahostkonflikt zunehmend an Wirkung.

Zwar reagierten die Märkte zunächst wie gewohnt: Nach einer Fristverlängerung zur ‚Öffnung‘ der Straße von Hormus legten US-Futures kurzfristig um rund 4% zu – nur um die Gewinne binnen weniger Tage wieder vollständig abzugeben. Auch eine weitere Verlängerung des ‚Ultimatums‘ brachte lediglich ein kurzes Plus von etwa 1%, das rasch verpuffte.

Psychologie reicht nicht mehr aus

Der Grund liegt auf der Hand: Der TACO-Trade basierte auf der Annahme, dass politische Rhetorik letztlich folgenlos bleibe. Doch im aktuellen Umfeld zählt nicht mehr die Kommunikation, sondern die physische Realität der Energieversorgung.

Hormus schlägt TACO-Trade

Hormus schlägt TACO-Trade

Denn anders als im Handelskonflikt ist Trump 2.0 hier nicht alleiniger Taktgeber. Während in Washington von Fortschritten gesprochen wird, eskaliert die Lage vor Ort weiter – Raketenangriffe, steigende Spannungen und vor allem eine weiterhin blockierte Meerenge.

Ölströme schlagen Tweets

Für die Märkte ist der entscheidende Faktor klar: Erst eine tatsächliche Wiederöffnung der Straße von Hormus kann nachhaltige Entspannung bringen.

Mit jedem Tag der Blockade steigen die Risiken. Im Irak ist die Ölproduktion bereits massiv eingebrochen – von über 4 Mio. täglich auf rund 0,8 Mio. Barrel. Gleichzeitig stoßen Lagerkapazitäten vor Ort an ihre Grenzen.

Auch in Kuwait werden Förderkürzungen sichtbar, während alternative Transportwege über Pipelines oder das Rote Meer nur begrenzt helfen. Die Gefahr von Kettenreaktionen in der globalen Energieversorgung wächst.

Strategiewechsel für Investoren

Für Anleger bedeutet das: Der TACO-Trade verliert seine Grundlage.

Statt auf politische Kehrtwenden zu setzen, rückt die Analyse realer Energieflüsse in den Fokus. Die Märkte orientieren sich zunehmend an Angebotsengpässen, Transportwegen und Produktionskapazitäten – nicht mehr an kurzfristigen Ankündigungen aus Washington.

Enguerrand Artaz, LFDE

Fazit: Realität schlägt Narrative

Der TACO-Trade hat seine Wirksamkeit eingebüßt. In einer Welt physischer Engpässe und geopolitischer Eskalation zählen Fakten wieder mehr als Worte. Für Investoren beginnt damit eine neue Phase: weniger Spekulation auf Politik – mehr Fokus auf fundamentale Angebots- und Nachfrageentwicklungen.

Der Kommentar stammt von Enguerrand Artaz, Fondsmanager bei LFDE, zusammengefasst von BondGuide. Die französische Asset-Management-Gesellschaft verwaltet ein Vermögen von über 28 Mrd. EUR und gehört seit 2023 zu LBP AM.

*) Was man mit ‚Trump macht stets einen Rückzieher‘ übersetzen könnte.

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