
Geopolitische Spannungen und schwindende Kooperation verändern laut Thorsten Fischer von Moventum AM durch Systemerosion strukturell die Spielregeln für Wirtschaft und Kapitalmärkte.
Der Krieg im Nahen Osten ist aus Sicht von Thorsten Fischer, Managing Director und Head of Portfolio Management bei Moventum AM, weniger Auslöser als vielmehr Symptom eines tiefergehenden Wandels: Die globale Wirtschaftsordnung befindet sich im Umbruch. Kooperation weicht zunehmend geopolitischem Wettbewerb – mit spürbaren Folgen für Wachstum, Effizienz und Stabilität.
Zentrale These: Unsicherheit wird zum neuen Normalzustand. Selbst Institutionen wie der Internationale Währungsfonds arbeiten verstärkt mit Szenarien statt klassischen Prognosen. Für Fischer ist klar: Nicht einzelne Krisen treiben die Märkte, sondern die schleichende Erosion des bisherigen Systems.
Diese Entwicklung zeigt sich in mehreren Bereichen gleichzeitig:
– Sicherheitspolitik: Die Rolle der NATO als effizientes Kostenteilungsmodell verliert an Stabilität. Europa muss Verteidigungsausgaben deutlich erhöhen, während globale Effizienzvorteile schwinden.
– Währungssystem: Die Dominanz des US-Dollar gerät unter Druck. Eine multipolare Währungsordnung würde Finanzierungskosten erhöhen und Marktfriktionen verstärken.
– Welthandel: Freier Handel wird zunehmend durch Zölle, Subventionen und industriepolitische Eingriffe ersetzt. Lieferketten werden robuster, aber ineffizienter.
– Staatsfinanzen: Die globale Verschuldung steigt weiter – trotz teilweise solider Konjunktur. Insbesondere die USA fahren hohe Defizite bei gleichzeitig hoher Auslastung.
– Ausgabenstruktur: Verteidigung, Schuldendienst und Industriepolitik gewinnen an Gewicht – zulasten wachstumsfördernder Investitionen.
In Summe führt diese Entwicklung laut Fischer zu einem strukturellen Effizienzverlust. Das globale Umfeld verschiebe sich von einem auf Kooperation basierenden Wachstumsmodell hin zu einem „teuren Gleichgewicht“ mit höheren Kosten und geringerer Produktivität.
Für die Kapitalmärkte hat das ebenfalls weitreichende Konsequenzen: Klassische Prognosen verlieren an Aussagekraft, während Unsicherheit und kurzfristige geopolitische Impulse dominieren. Investoren müssten sich darauf einstellen, dass Märkte volatiler und zugleich strukturell schwächer werden.
Das zentrale Risiko sieht Fischer daher nicht im nächsten Schock, sondern in der fortschreitenden Systemerosion: „Die neue Weltordnung macht Finanzmärkte nicht nur unruhiger, sondern langfristig auch weniger effizient.“
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