Studie: Stimmung in Deutschland weiter getrübt – wirtschaftliche Handlungsfähigkeit der Regierung gehe in falsche Richtung

Die Stimmung in Deutschland ist getrübt: Jede vierte Firma erwartet, dass sich die Konjunktur im nächsten Jahr sogar noch verschlechtere.

Und knapp die Hälfte geht davon aus, dass sich die wirtschaftliche Lage überhaupt nicht verändere. Das ergab eine Umfrage des internationalen Kreditversicherers Atradius unter mehr als 470 Unternehmen. „Die Politik muss die drängendsten Herausforderungen angehen, wenn es nicht ein viertes Rezessionsjahr in Folge geben soll“, so Frank Liebold, Country Director Deutschland bei Atradius.

Diese Einschätzung werde auch von der Umfrage bestätigt. So antworteten 73% der Befragten, dass Bürokratieabbau eine Maßnahme wäre, damit der Wirtschaftsstandort Deutschland wieder in Schwung komme. 70% fordern eine Senkung der Energiekosten, 48% sprachen sich für Steuererleichterungen aus und 46% für politische Stabilität.

Handlungsdruck in Berlin: Stimmung in Deutschland wird einfach nicht besser

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Weitere wünschenswerte Maßnahmen wären nach Ansicht der Unternehmen die Senkung der Sozialabgaben, mehr öffentliche Investitionen, die Schaffung eines Investitionsklimas oder auch aktive Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel. „Die Ursachen für die Schwäche des Standorts Deutschland sind seit langem bekannt, was fehlt, ist deren Bekämpfung“, sagt Frank Liebold.

Positiv hervorzuheben sei, dass trotz der schwachen Konjunktur 77% der Unternehmen keine Pläne hätten, ihre Produktion ins Ausland, etwa in die USA, zu verlagern. Nur 10% erwägen dies und 13% seien noch unentschlossen. Hauptgründe für die Verlagerung wären nach Angaben der Befragten: Energiekosten, Bürokratie, hohe Steuern, der Standortnachteil Deutschland, die politischen Rahmenbedingungen oder nach wie vor auch der Fachkräftemangel.

Auf die Frage, wie sich das Vertrauen in die wirtschaftliche Handlungsfähigkeit der Bundesregierung seit dem Amtsantritt von Bundeskanzler Friedrich Merz entwickelt hat, sagten 41%, dass es sich eher bzw. deutlich verringert habe. Für 43% habe sich nichts verändert am Vertrauen. Nur 2% der Befragten gaben an, dass sich das Vertrauen deutlich erhöht habe (15% eher erhöht).

Die Bundesregierung wolle ein stabiles Rentenniveau bis 2031. Wirtschaftsministerin Katharina Reiche plädiert für eine Rente mit 70. Doch aus der Wirtschaft gibt es für diese Pläne keine Unterstützung. Knapp 58% der deutschen Unternehmen halten eine Rente mit 70 für nicht sinnvoll. Lediglich 15% halten ein späteres Renteneintrittsalter für sinnvoll, für teilweise sinnvoll halten es 23%.

Gute Stimmung wenigstens bei Rentnern: speziell, sofern weiter ab 63 möglich

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So halten 70% der Befragten eine freiwillige Verlängerung der Lebensarbeitszeit für wirksamer. Etwas mehr als 64% sprechen sich für eine Aktivrente aus, also ein steuerfreies Zusatzeinkommen. Knapp 46% befürworten eine Erwerbstätigenversicherung, die auch Selbstständige und Beamte einschließt. 36% lehnen eine Anhebung des Rentenalters generell ab. Und rund 33% halten die Abschaffung von Sonderregelungen, wie der abschlagsfreien Rente mit 63, für die sinnvollste Maßnahme.

Für die im November dieses Jahres durchgeführte Umfrage wurden mehr als 470 Unternehmen unter anderem aus den Branchen Automotive, Bauwirtschaft und Baustoffhandel, Chemie, Dienstleistungen, Elektronik, Finanzen, IT/Software, Konsumgüter, Landwirtschaft, Lebensmittel, Maschinenbau, Metall, Papier, Textil sowie Transport befragt. Die Jahresumsatzspanne der befragten Unternehmen reicht von unter fünf Millionen bis über eine Milliarde Euro. Die Zahl der Beschäftigten liegt bei den befragten Unternehmen zwischen unter 100 und mehr als 1.500.

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