Schwellenländeranleihen: Chancen bleiben breit gestreut

Schwellenländeranleihen bleiben nach Einschätzung von William Blair Investment Management attraktiv. Gefragt sind jedoch eine aktive Länderselektion und ein differenzierter Blick auf Bewertungen.

Marco Ruijer, CFA, Portfoliomanager im Emerging-Markets-Debt-Team von William Blair Investment Management, analysiert in seinem aktuellen Marktkommentar die Perspektiven für Hartwährungsanleihen aus Schwellenländern. Sein Fazit: Trotz geopolitischer Unsicherheiten sprechen robuste Fundamentaldaten, stabile Kapitalflüsse und weiterhin attraktive Renditen für die Anlageklasse – allerdings nur mit einer konsequent selektiven Länderallokation.

Nach Ansicht Ruijers profitieren viele Schwellenländer weiterhin von widerstandsfähigem Wirtschaftswachstum, soliden Außenbilanzen und einer insgesamt stabilen makroökonomischen Entwicklung. Gleichzeitig blieben die Nettoemissionen überschaubar, während eine noch vergleichsweise geringe Investorenallokation weiteres Zuflusspotenzial eröffnen könne.

Für die Portfoliosteuerung setzt William Blair auf einen Beta-Bucket-Ansatz, der Länder nicht nach Regionen, sondern nach ihrem Risikoprofil in High-, Medium- und Low-Beta-Märkte einordnet. Dadurch sollen Kapital und Risikobudget gezielter verteilt werden.

Schwellenländeranleihen im Überblick

Schwellenländeranleihen im Überblick

Bei den High-Beta-Märkten favorisiert Ruijer insbesondere Argentinien, wo Haushaltsdisziplin und Fortschritte beim Reservenaufbau der Zentralbank den positiven Ausblick stützen. Ebenfalls übergewichtet sind El Salvador, das mit fiskalischen Reformen und begrenztem Finanzierungsbedarf überzeugt, sowie die Elfenbeinküste, deren solide Fundamentaldaten nach Einschätzung des Portfoliomanagers noch nicht vollständig eingepreist sind.

Im Medium-Beta-Segment zählt Mexiko zu den bevorzugten Märkten. William Blair sieht sowohl bei Staatsanleihen als auch beim Ölkonzern Pemex und ausgewählten Unternehmensanleihen attraktive Bewertungen. Ebenfalls positiv beurteilt werden Rumänien, wo eine politische Stabilisierung erwartet wird, sowie Kolumbien, dessen langfristige Bewertungen aus Sicht der Experten weiterhin überzeugen.

Unter den Low-Beta-Märkten hebt Ruijer vor allem Paraguay, Oman und die Vereinigten Arabischen Emirate hervor. Paraguay überzeuge mit niedriger Staatsverschuldung und soliden Fundamentaldaten, Oman profitiere von einer konservativen Haushaltspolitik und fortgesetztem Schuldenabbau. In den VAE setzt William Blair dagegen auf eine selektive Positionierung, nachdem sich die Bewertungen vieler Staatsanleihen bereits deutlich verteuert haben.

Marco Ruijer

Marco Ruijer

Insgesamt bleibt William Blair Investment Management für Hartwährungsanleihen aus Schwellenländern konstruktiv. Angesichts engerer Credit Spreads und geopolitischer Risiken komme es jedoch stärker denn je auf eine aktive Titelauswahl und die Identifikation attraktiver Bewertungen auf Länder- und Unternehmensebene an.

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