
Die US-Notenbank FED dürfte laut T. Rowe Price trotz nachlassender Hoffnungen frühestens im vierten Quartal an der Zinsschraube drehen.
Die jüngsten US-Inflationsdaten sprechen nach Einschätzung von Blerina Uruci, US-Chefvolkswirtin bei T. Rowe Price, weiterhin gegen schnelle Zinssenkungen der FED. Vor allem die Kerninflation habe im April über den Erwartungen gelegen – getrieben durch höhere Wohnkosten und die fortgesetzte Weitergabe von Zöllen auf Kerngüter.
Besonders die Wohnkomponente habe ungewöhnlich stark angezogen. Hintergrund sei allerdings ein statistischer Basiseffekt infolge des Government Shutdowns im vergangenen Herbst, als zeitweise keine Inflationsdaten erhoben worden waren. Zugleich sieht Uruci die Auswirkungen der US-Zölle auf Konsumgüterpreise noch nicht am Höhepunkt angekommen. Im zweiten Quartal dürften diese Effekte ihren Höhepunkt erreichen.
Zusätzliche Risiken entstehen aus Sicht der Ökonomin durch den Energiesektor. Bislang seien höhere Preise vor allem bei Benzin und Flugtickets sichtbar geworden. Mögliche Zweitrundeneffekte – etwa auf die breitere Kerninflation – könnten allerdings erst in der zweiten Jahreshälfte spürbar werden. Auch steigende Strompreise blieben ein Aufwärtsrisiko.
Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgten zudem die jüngsten Erzeugerpreisdaten. Der PPI überraschte laut Uruci über nahezu alle Kernkategorien hinweg positiv. Unternehmen hätten bislang zwar nur einen Teil ihrer gestiegenen Kosten weitergegeben, doch bei robuster Konsumnachfrage könne der Preisdruck zunehmen.
Trotzdem wurden die Erwartungen für den bevorzugten Inflationsindikator der FED, den Kern-PCE, zuletzt leicht nach unten angepasst. Für April rechnen Analysten hier mit einem monatlichen Anstieg zwischen 0,24 und 0,29%. Annualisiert entspräche dies jedoch weiterhin einer hartnäckigen Inflationsrate von rund 3%.
Vor diesem Hintergrund bleibt Uruci vorsichtig: Zwar hält sie weiterhin an einer weniger restriktiven FED-Perspektive fest als viele Marktteilnehmer. Die Risiken für länger hohe Zinsen hätten jedoch zuletzt zugenommen – insbesondere wegen des Iran-Konflikts und möglicher Energiepreis-Schocks.
T. Rowe Price zählt zu den weltweit größten Vermögensverwaltern und analysiert regelmäßig globale Konjunktur- und Notenbanktrends. Blerina Uruci verantwortet dort die volkswirtschaftliche Analyse für die USA.
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