
Ausblicke haben im Dezember und Januar traditionell Hochkonjunktur. Gold, Silber, Platin und Palladium haben sich besser als die meisten Aktienindizes entwickelt.
Mit dem bevorstehenden Jahreswechsel fragen sich viele Anleger, wie sich 2026 die Edelmetalle wohl entwickeln werden. Ähnlich starke Wertsteigerungen wie in diesem Jahr dürften relativ unwahrscheinlich sein, schließlich erzielten Gold (+68%), Silber (+138%), Platin (+134%) und Palladium (+103%) bis zum 22. Dezember die höchsten Kursgewinne seit vielen Jahren bzw. Jahrzehnten.
Obwohl jeder Anleger weiß, dass konkrete Kursziele nicht immer zuverlässig eintreten, interessieren sie sich dennoch sehr stark für die von Banken bzw. Vermögensverwaltern veröffentlichten Goldpreisprognosen. Und aktuell wird das Erreichen einer Marke besonders häufig diskutiert – die Hürde von 5.000 USD. Nur zur Erinnerung: Vor einigen Jahren wagte kaum ein Experte, dieses Kursziel zu nennen.
JP Morgan kann man derzeit zweifellos dem ‚Bullenlager‘ zuordnen. Deren Analysten erwarten nämlich, dass der Goldpreis im Laufe von 2026 deutlich steigt und im vierten Quartal sogar ein durchschnittlicher Preis von 5.055 USD möglich sei, trotz potenzieller temporärer Rücksetzer. Dieser Ausblick basiert auf strukturellen Nachfragetreibern wie Käufen durch Zentralbanken und anhaltender Anlage- und Safe-Haven-Nachfrage, die den langfristigen Aufwärtstrend stützen könnten.
Auch die Société Générale erwartet für den Goldpreis 2026 einen weiteren Anstieg und sieht das Edelmetall als starken Outperformer gegenüber US-Anleihen und dem Dollar. Nach Einschätzung der Analysten könnte der Goldpreis bis Ende des Jahres 5.000 USD kosten. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit stufen folgende Bankanalysten und Vermögensverwalter die Marke von 5.000 USD ebenfalls als realistisches Kursziel ein: Bank of America, Goldman Sachs, UBS und HSBC. […]
Robert Hartmann, der Mitgründer von pro aurum, macht sich bezüglich der Zukunft des Goldpreises keine Sorgen: „Es wird sicherlich zu der einen oder anderen Verschnaufpause kommen, aber grundsätzlich ist die Hausse für mich noch nicht vorbei. Sie wird anhalten, solange die Staaten auf Pump leben und sich weiter verschulden.“ Sein Ausblick sieht daher folgendermaßen aus: Mittelfristig bleibt für den Goldmarkt vor allem ein Thema entscheidend – nämlich die Frage, ob sich die Staaten weiter verschulden wie bisher. Mit Blick auf die deutsche Situation merkt er an, dass sich die aktuelle Regierung einen riesigen Schluck aus der Pulle genehmigt hat. In den USA beträgt der Schuldenberg 38,2 Bio. USD und das Haushaltsdefizit fast 2 Bio. USD.“
Hartmann erklärt: „Solange diese Trends anhalten, ist der Verlust von Kaufkraft bei Dollar und Euro eine ausgemachte Sache. Und politisch gewollt, schließlich möchte man seine Schulden mit inflationiertem und weniger werthaltigen Geld zurückzahlen. Das war schon immer so und daran wird sich zumindest kurzfristig auch nichts ändern.“
Der ‚kleine Bruder von Gold‘ war zweifellos die Überraschung des vergangenen Jahres. Laut Daten der London Metal Exchange wird Silber 2025 die beste Performance seit Beginn der Datenerfassung (1982) erzielen. Da Silber mit Blick auf dessen Kursschwankungen deutlich ‚wilder‘ als Gold gilt, wächst aufgrund der überkauften Lage zwar das Risiko einer technischen Korrektur, aus fundamentaler Sicht trauen viele Analysten dem Weißmetall 2026 aber einen weiteren Anstieg auf über 75 USD zu. In den Medien kursieren sogar langfristige Kursziele von bis zu 700 USD, weil in diesem Jahr der Ausbruch aus einer seit über vier Jahrzehnten zu beobachtenden ‚Tassen-Formation‘ gelungen sei.
Weil mehr als die Hälfte der globalen Silbernachfrage aus der Industrie stammt, wo das Weißmetall vor allem in Zukunftsmärkten wie der Photovoltaik, der Elektromobilität und der Wassereinigung verstärkt zum Einsatz kommt, gilt es als monetäre Krisenwährung mit konjunktursensitivem Touch. In den vergangenen Jahren hat sich Gold deutlich besser entwickelt als Silber, so dass man sowohl in der Schmuckbranche als auch bei der Suche nach sicheren Häfen einen Substitutionseffekt ausmachen kann. Gold können sich viele Menschen schlicht und einfach nicht mehr leisten und greifen deshalb verstärkt beim deutlich günstigeren Silber zu. […]
Da das Weißmetall in den USA mittlerweile auf die Liste kritischer Mineralien gesetzt wurde, kann man aber davon ausgehen, dass die Versorgung künftig eher von Knappheit als von Überfluss gekennzeichnet sein wird. Seit dem Jahr 2019 übertrifft die Nachfrage (ohne ETCs) ununterbrochen das Angebot, was sich in stark gesunkenen Silberbeständen niedergeschlagen hat. Beides spricht tendenziell gegen einen massiven Kursrutsch. […]
Robert Hartmann, Mitgründer von pro aurum hat mit Blick auf die Perspektiven der vier Edelmetalle im Jahr 2026 folgende Favoriten: Gold, Silber, Platin und Palladium – in genau dieser Reihenfolge. Zufälligerweise entspricht diese Reihenfolge auch der historischen 250-Tage-Volatilität der vier Edelmetalle – 24,1% bei Gold, 39,5% bei Silber, 41,7% bei Platin und 47,0% bei Palladium. Diese Risikokennzahl lässt den Schluss zu, dass Palladium das höchste und Gold das geringste Risiko in sich birgt.
Anm. von BondGuide: Bleiben Sie kritisch, sobald Sie etwas von neuen Kurszielen lesen. Meine persönliche Erfahrung ist: Kaum kommt JP Morgan mit einem Kursziel für Gold, Silber & Co, fallen die Kurse erst einmal stark. Womöglich gibt es sogar eine ökonomische Erklärung dafür, deren Aufarbeitung hier aber zu komplex ist. Anstatt physische Metalle jedoch zu verkaufen, kann man erreichte Kursniveaus auch mit Derivaten wie Puts absichern – ein verkauftes Set Wiener Philharmoniker wird nie wieder zu Ihnen zurückkehren: Es verschwindet einfach vom Markt.
Falko Bozicevic
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