
Steigende Renditen machen kurzlaufende Unternehmensanleihen wieder attraktiver. Vontobel sieht vor allem Investment-Grade-Bonds im Vorteil.
Die jüngsten geopolitischen Spannungen und die daraus resultierenden Inflationssorgen haben die Anleihemärkte spürbar bewegt. Besonders am kurzen Ende der Zinskurve sind die Renditen deutlich gestiegen. Für Anleger eröffnet dies nach Einschätzung von Johnathan Owen, Portfoliomanager bei TwentyFour Asset Management, einer Tochter von Vontobel, wieder interessante Chancen bei kurzlaufenden Unternehmensanleihen.
Der Hintergrund: Die Märkte preisen derzeit höhere Energiepreise und mögliche Inflationsrisiken ein. Anders als nach der Corona-Pandemie erwartet Owen jedoch keinen breit angelegten Inflationsschub mit einer Serie aggressiver Zinserhöhungen. Vielmehr dürften die Notenbanken zunächst abwarten und die Auswirkungen des Energiepreisanstiegs beobachten.
Für Investment-Grade-Anleihen mit Laufzeiten zwischen einem und fünf Jahren spricht aus Sicht von Vontobel derzeit vor allem das Zusammenspiel aus attraktiven Renditen und überschaubarem Risiko. Kurzläufer reagieren typischerweise weniger empfindlich auf Zinsänderungen als langlaufende Anleihen. Gleichzeitig sorgt das höhere Renditeniveau für einen stärkeren laufenden Ertrag – den sogenannten Carry.
Die Renditen in diesem Segment liegen laut Vontobel aktuell bei rund 4,8% für US-Unternehmensanleihen, 5,3% für britische Papiere und etwa 3,5% für europäische Investment-Grade-Bonds. Damit habe sich das Ertragspotenzial gegenüber den vergangenen Jahren deutlich verbessert.
Positiv bewertet Owen zudem die aktuelle Markttechnik. Die höheren Renditen hätten zuletzt für eine robuste Nachfrage gesorgt, sodass Neuemissionen überwiegend gut aufgenommen worden seien. Dies spreche für ein weiterhin stabiles Umfeld im Unternehmensanleihenmarkt.
Gleichwohl rät der Portfoliomanager zur Selektivität. Unternehmen mit hoher Abhängigkeit von Energiepreisen oder direkter Betroffenheit durch geopolitische Risiken könnten anfälliger sein. Insgesamt seien die Fundamentaldaten vieler Investment-Grade-Emittenten jedoch solide – unterstützt durch stabile Bilanzen und in vielen Branchen weiterhin vorhandene Preissetzungsmacht.
Johnathan Owen ist Portfoliomanager bei TwentyFour Asset Management, dem auf Fixed Income spezialisierten Asset Manager der Schweizer Vontobel-Gruppe. Vontobel verwaltete Ende 2025 Vermögen von rund 241 Mrd. CHF.
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