
High Yield bleibt dank robuster Konjunktur und starker Nachfrage attraktiv. Entscheidend wird jedoch die Selektion einzelner Emittenten.
Der High-Yield-Markt präsentiert sich trotz enger Spreads weiterhin erstaunlich robust. Starke technische Faktoren, eine widerstandsfähige Konjunktur und überwiegend solide Unternehmensbilanzen stützen das Segment. Gleichzeitig nimmt jedoch die Streuung zwischen Regionen, Sektoren und einzelnen Emittenten zu. Darauf weisen Scott Roth, CFA, Head of Global High Yield, und Chris Sawyer, Head of European High Yield, von Barings in ihrem aktuellen Marktkommentar hin.
Fundamentaldaten und Ausfallquoten bewegen sich weiterhin auf einem gesunden Niveau. Rückenwind erhält der Markt zudem durch den historisch hohen Anteil an BB-gerateten Emittenten, die als vergleichsweise widerstandsfähig gelten. Gleichzeitig unterscheiden sich die Perspektiven einzelner Branchen zunehmend. Während etwa Teile der europäischen Chemie- und Industrieunternehmen unter dem Wettbewerbsdruck aus China leiden, stehen in den USA insbesondere Kabelnetzbetreiber und einzelne Softwareunternehmen vor strukturellen Herausforderungen. Hinzu kommen mittelfristig Refinanzierungsrisiken, auch wenn viele Unternehmen ihre Fälligkeiten bereits erfolgreich verlängert haben.
Ein wesentlicher Treiber bleibt das technische Marktumfeld. Die Nachfrage institutioneller Investoren übersteigt das Angebot neuer Anleihen und Kredite weiterhin deutlich. Besonders der CLO-Markt sorgt für eine stabile Nachfrage nach Leveraged Loans. Auch größere Emissionen – etwa zur Finanzierung von KI-Rechenzentren – konnten bislang problemlos aufgenommen werden. Gleichzeitig mahnen die Autoren hier zu einer besonders sorgfältigen Kreditanalyse, da technologische Entwicklungen und langfristige Nachfrageprognosen erhebliche Unsicherheiten bergen.
Für Anleger verschiebt sich damit der Fokus zunehmend auf die gezielte Emittentenauswahl. Breite Marktbewegungen dürften künftig weniger zur Wertentwicklung beitragen als die Fähigkeit, Bonitätsrisiken richtig einzuschätzen und problematische Emittenten zu meiden. Chancen sehen Roth und Sawyer insbesondere bei höherwertigen BB-Anleihen, während sie bei vielen B-gerateten Papieren größere Vorsicht empfehlen. Im relativen Vergleich erscheinen derzeit zudem High-Yield-Anleihen attraktiver als Leveraged Loans, da sie neben laufenden Erträgen auch von einer möglichen Entspannung bei den Zinserwartungen profitieren könnten.
Scott Roth, CFA leitet den Bereich Global High Yield bei Barings. Chris Sawyer verantwortet das europäische High-Yield-Geschäft des Asset Managers. Gemeinsam analysieren sie regelmäßig die Entwicklung der internationalen Kreditmärkte.
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