EM-Corporate Bonds 2026: fünf Ideen für Mehrwerte jenseits des Index

Trotz niedriger Risikoprämien bieten EM-Corporate Bonds auch 2026 attraktive Renditechancen – entscheidend bleiben Selektion, Analyse und ein genauer Blick auf strukturelle Trends.

Die Anlageklasse der Corporate Bonds aus Schwellenländern (EM) hat 2025 mit einer Indexrendite von 8,7% erneut ein solides Jahr geliefert. Auffällig ist dabei: Die Performance wurde trotz historisch enger Spreads erzielt. Für 2026 stellt sich daher weniger die Frage nach dem ‚Ob‘, sondern vielmehr nach dem ‚Wie‘ der Kapitalallokation.

Aus Sicht von Luis Olguin, CFA, Portfoliomanager im Emerging-Markets-Debt-Team von William Blair Investment Management, lassen sich fünf zentrale Themen identifizieren, die Investoren im Blick behalten sollten. Sie zeigen, wie stark makroökonomische, sektorale und strukturelle Faktoren die Anlageklasse beeinflussen – und warum aktives Management zunehmend an Bedeutung gewinnt.

1. Rohstoffe bleiben ein zweischneidiges Schwert

Rohstoffemittenten spielen mit einem Anteil von rund 6% im CEMBI eine wichtige Rolle. Insbesondere im Metall- und Bergbausektor sowie im Öl- und Gasbereich ist die Bandbreite groß – von hoch diversifizierten Konzernen bis hin zu kleineren, spezialisierteren Produzenten. Entscheidend ist weniger das Rohstoffpreisniveau an sich, sondern die Frage, wie Unternehmen Cashflows verwenden und ob sie zyklische Schwankungen abfedern können. Integrierte Ölkonzerne wirken dabei stabilisierend, da sie entlang der gesamten Wertschöpfungskette tätig sind.

Vergleich der KI-Investitionen

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2. Private Emittenten rücken stärker in den Fokus

Das Wachstum von Private Credit verändert die Finanzierungslandschaft. Für EM-Unternehmen eröffnet dies zusätzliche Kapitalquellen, gleichzeitig entstehen Fragen zur Transparenz und zur Qualität der Underwriting-Standards. Private Emittenten im Markt – etwa nicht konsolidierte Beteiligungen oder Projektgesellschaften – bieten Chancen, erfordern aber eine besonders gründliche Analyse. Für Investoren bleibt der direkte Dialog mit Emittenten ein wichtiger Baustein zur Risikoeinschätzung.

3. Technologie als Treiber neuer Emissionen

Der Technologiesektor entwickelt sich zunehmend zu einem zentralen Emittenten im Kreditmarkt. Getrieben durch hohe Investitionen in Künstliche Intelligenz steigen die Capex-Anforderungen großer US-Tech-Konzerne deutlich an. Für den Bondmarkt bedeutet dies potenzielle Verschiebungen im Relative Value über Sektoren hinweg sowie neue Allokationsentscheidungen institutioneller Investoren. Gleichzeitig könnten EM-Technologieemittenten indirekt profitieren, etwa durch veränderte Kapitalströme und Bewertungsanpassungen.

4. Der Index verändert sich strukturell

Der investierbare EM-Corporate Bonds Markt hat sich in den vergangenen Jahren deutlich gewandelt. Der Anteil von Investment-Grade-Emittenten ist gestiegen, während High Yield zurückging. Gleichzeitig haben sich regionale Gewichte verschoben: China verlor deutlich an Gewicht, während der Nahe Osten an Bedeutung gewann. Für Anleger bedeutet dies, dass historische Vergleiche nur eingeschränkt aussagekräftig sind – die Zusammensetzung des Universums hat sich fundamental verändert.

Renditestreuung im Bereich Emerging Markets

Renditestreuung im Bereich Emerging Markets

5. Renditen streuen stark – ein Vorteil für aktives Management

Trotz enger Spreads bleibt die durchschnittliche Rendite attraktiv: Rund 6% ergeben sich aus einer Kombination aus risikofreiem Zins (ca. 3,8%) und Spread-Komponente (über 200 Basispunkte). Gleichzeitig zeigt sich eine erhebliche Streuung innerhalb des Marktes: Während viele Emittenten unter 5% rentieren, gibt es ein breites Segment zwischen 5 und 9%. Genau diese Dispersion eröffnet Chancen für selektive Strategien.

Fazit

Luis Olguin, WBIM - Experte für Bonds

Luis Olguin, WBIM

EM-Corporate Bonds bleiben eine renditestarke, aber differenzierungsbedürftige Anlageklasse. In einem Umfeld enger Spreads und wachsender Komplexität kommt es weniger auf breite Marktbewegungen an, sondern auf Kreditanalyse, Titelselektion und ein tiefes Verständnis der strukturellen Trends. Wer diese Faktoren konsequent berücksichtigt, kann auch 2026 Mehrwert jenseits des Index erzielen.

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