Biden vs. Trump im direkten Duell

Am 27. Juni stehen sich Biden und Trump im ersten TV-Duell gegenüber. Wie wird sich der Ausgang auf die Märkte auswirken? Von Norman Villamin und Peter Kinsella*.

Die Union Bancaire Privée (UBP) hat untersucht, wie sich die Märkte in vergangenen US-Wahljahren entwickelt haben und wiederkehrende Muster identifiziert. In der Vergangenheit konnten Anleger in US-Wahljahren positive Renditen am Aktien- und am Anleihemarkt erzielen – wenn sich das Land nicht in einer Rezession befand. Und dies ist derzeit nicht der Fall.

Wir sind für beide Anlageklassen angesichts des US-Wirtschaftswachstums optimistisch. Joe Biden genauso wie Barack Obama im Jahr 2012 wollen steuerpolitische Maßnahmen ergreifen, um die Wählergunst zu steigern. Anleger sollten diese Maßnahmen als Rückenwind für weiteres Wachstum – und weiter nach vorn schauend – als möglichen Inflationstreiber im kommenden Jahr begreifen, obwohl deren Erfolg nicht ausgemacht ist.

Biden gegen Trump rückt näher

Biden vs Trump – wer macht das Rennen?

Aktuelle Umfragen spiegeln ein enges Rennen der beiden Präsidentschaftskandidaten wider. Derzeit liegt Donald Trump in der Mehrheit der umkämpften „Battleground States“ wie Michigan, Wisconsin und Pennsylvania vorn. Doch ähnlich wie Barack Obama in 2012 könnte auch Biden sich von seiner niedrigen Popularität und schwachen Umfragewerten erholen, um sich im Weißen Haus zu halten. Eine weitere Abschwächung der Inflation ist der Schlüssel dazu, kombiniert mit einer Politik, die Frauen und junge Wähler anspricht.

Hohe US-Verschuldung führt zu Volatilität der Zinssätze und Aktienmärkte

Unabhängig davon, welcher der beiden Spitzenkandidaten bei den diesjährigen US-Wahlen das Rennen macht: Die fiskalischen Herausforderungen der USA, die im aktuellen Wahlkampf wenig bis keine Beachtung finden, werden den möglichen Gewinner der kommenden Wahlen einschränken. 2023 erreichte die Verschuldung des US-Bundesstaats ein Niveau von 120% des BIP. Zuletzt war dies nach dem Zweiten Weltkrieg der Fall.

Die hohen Zinskosten werden zunehmend zum Problem. Da die US-Schuldenobergrenze die Ausgabe von Anleihen im Januar 2025 erneut begrenzen wird, werden schwierige Kompromisse bei den Einnahmen und Ausgaben die erste Aufgabe sein, die der neue US-Regierungschef Anfang nächsten Jahres zu bewältigen hat, was zu einer Volatilität der Zins- und Aktienmärkte führen wird.

Von Renditen profitieren – bis der Sieger feststeht

Alles in allem bleibt das Umfeld zwar komplex, doch der Versuch der amtierenden Politiker, die verunsicherte Wählerschaft durch fiskalische Anreize zu beschwichtigen, dürfte bis November weiterhin zu attraktiven Risiko-Rendite-Chancen bei Aktien und Unternehmensanleihen führen. Die Experten der UBP empfehlen Anlegern, sich so zu positionieren, dass sie von diesen erwarteten hohen Renditen im Vorfeld der Wahl profitieren. Ab Herbst solle das Augenmerk auf das Risikomanagement sowie die aktive Auswahl von Sektoren, Aktien und Währungen gelegt werden, bis 2025 der Sieger der Wahl feststeht.

Mit Gold und inflationsindexierten Anleihen für höhere Volatilität wappnen

Denn dann werden der Rückenwind der fiskalischen Unterstützung nachlassen und die Volatilität sowie die Inflation wieder zur Herausforderung für Aktien- und Anleiheinvestoren. Gold hat mit einer Rendite von 12% im bisherigen Jahresverlauf besser als globale Aktien (ex US-Aktien) abgeschnitten und konnte bis Mitte Juni fast mit den Renditen am US-Aktienmarkt fast Schritt halten. Das Edelmetall, sowie auch inflationsgebundene Anleihen, dürfte einen attraktiven Schutz gegen eine potenzielle Volatilität beim Übergang in das Jahr 2025 bieten.

*) Norman Villamin ist Group Chief Strategist der Union Bancaire Privée (UBP) und Peter Kinsella Leiter des globalen Devisengeschäfts.

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