
Die größten Autokonzerne konnten ihre Umsätze im dritten Quartal zwar noch steigern. Der Blick auf die deutsche Automobilindustrie fällt jedoch ambivalent aus.
Von den 27 EU-Ländern haben 15 im November steigende Neuzulassungen verzeichnet, in Österreich sogar um 21%. Damit liegt der Neuwagenabsatz im bisherigen Jahresverlauf inklusive November EU-weit um 1,4% über dem Vorjahresniveau, so die Auswertung von EY.
Im Jahresverlauf konnten vor allem Volkswagen, Renault und BMW in der EU überdurchschnittlich wachsen und Marktanteile hinzugewinnen, wohingegen Stellantis, Tesla, Toyota und Hyundai Anteile abtreten mussten. Tesla erlitt einen Rückgang um rund ein Drittel. Der Marktanteil ging in der EU auf 1,4% zurück – in Norwegen indes gab es ein sattes Plus.
Und überhaupt: EU-weit stiegen Neuzulassungen Elektroautos um 44% und ihr Marktanteil um ein Drittel auf 21,3%, so EY. Für den Jahresverlauf bleibt ein Plus von 28% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Allerdings: 2024 war ein sehr dürftiges Jahr für Steckerfahrzeuge: Der Absatz ging gar um 6% zurück. Man kommt also von niedriger Ausgangsbasis.
Schon nach drei Quartalen machte EY eine schonungslose Bilanz auf: Der operative Gewinn der größten Autokonzerne fiel auf den niedrigsten Wert seit 2018. Und noch schlimmer: Mit einem EBIT von zusammen 1,7 Mrd. EUR sank der Gewinn der deutschen Automobilkonzerne auf den niedrigsten Stand seit dem dritten Quartal 2009.
Was macht China derweil? BYD, Geely und Great Wall Motors legten hinsichtlich Umsatz bis Ende September um 7% zu, beim Pkw-Absatz sogar um 13%. Bedeutet jedoch auch: Die Margenerosion ist auch im Land der Mitte angekommen. Ein Gewinnrückgang um 14% zeugt davon, dass die Pioniergewinne vorerst verteilt worden zu scheinen.
China prescht aber weiter vor und macht es über Marktanteile: Lagen 2020 die China-Anteile der deutschen Automobilindustrie noch bei 39%, so sind es zuletzt nur noch 29% gewesen – Tendenz fallend. BYD, Geely und GWM machten im drittel Quartal Umsatzhopser von allesamt über 20%. Die Zukunft der Automobilindustrie liegt in Steckerfahrzeugen, wie sie in China konsequent gefördert bzw. sogar gefordert werden über gesteuerte Zulassungsberechtigungen. Etwas, von dem Deutschland meilenweit entfernt ist, es der Autoführerschaft zuzutrauen. Das Rad wird auch hier noch einmal neu erfunden, statt sich abzuschauen, wie es geht.
Und dazu gleich noch ein Wort zur vermeintlich zu dünnen Ladeinfrastruktur, die gern zitiert wird für den Stop-and-Go bei hiesigen E-Autos. Marktführer EnBW hat dieses Jahr den Ausbau von Ladeinfrastruktur gestoppt. Ja, gestoppt. Und die Prognosen für 2030 kassiert. Dies aufgrund zu geringer Auslastung der Anfang des Jahres 162.000 Ladepunkte, davon rund ein Fünftel Schnelllademöglichkeiten. Nach Angaben des BDEW waren Ladepunkte in Deutschland nur zu 17% (Stand Anfang 2025) ausgelastet. In einigen Regionen lag sie bei 3%. Wer sich ein Ladeadapterkabel für rund 100 EUR gönnt, lädt in der heimischen Garage – gewöhnliche Haushaltssteckdose vorausgesetzt. Sonst Verlängerungskabel.
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