Apple liefert ab: überwältigende Produktstärke schlägt KI-Skepsis

Foto @ Apple Inc. (Deutschland)

Apples Ergebnisse für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2026 senden ein klares Signal an die Märkte: Wenn die iPhone-Nachfrage anzieht, kann kaum ein globales Unternehmen mit der finanziellen Durchschlagskraft des Konzerns aus Cupertino mithalten. Der aktuelle Marktkommentar von Violeta Todorova, Senior Research Analyst bei Leverage Shares & Income Shares:

Apple übertraf die Erwartungen von Analysten sowohl auf Umsatz- als auch auf Gewinnseite deutlich. Treiber waren rekordhohe iPhone-Verkäufe, eine überraschend starke Erholung in China sowie die Fähigkeit des Unternehmens, selbst in einem Umfeld steigender Komponentenpreise und anhaltender Lieferengpässe massive Cashflows zu generieren.

Der Konzern erzielte einen Umsatz von 143,76 Mrd. USD, ein Anstieg von 16% gegenüber dem Vorjahr und deutlich über den Konsenserwartungen von rund 138 Mrd. USD. Der Gewinn je Aktie lag bei 2,84 USD und übertraf damit die Prognose von 2,67 USD klar. Der Nettogewinn stieg auf 42,1 Mrd. USD und unterstreicht einmal mehr Apples operative Hebelwirkung bei hoher Skalierung.

iPhone 17 wird zum zentralen Wachstumstreiber
Im Mittelpunkt des starken Quartals stand das iPhone-Geschäft. Die Umsätze mit dem iPhone legten um 23% gegenüber dem Vorjahr zu und erreichten mit 85,27 Mrd. USD ein neues Rekordniveau. Damit wurden die Erwartungen von 78,65 Mrd. USD deutlich übertroffen. CEO Tim Cook sprach von einer „schlichtweg überwältigenden“ Nachfrage – eine klare Trendwende gegenüber dem Vorjahresquartal, in dem die iPhone-Umsätze noch leicht rückläufig gewesen waren. Das Quartal markierte zugleich die erste vollständige Verkaufsperiode der im September eingeführten iPhone-17-Generation. Diese scheint sowohl die Upgrade-Nachfrage innerhalb der bestehenden Nutzerbasis als auch den Wechsel von Kunden konkurrierender Ökosysteme neu entfacht zu haben. Apple verzeichnete Rekordwerte bei den Upgrade-Raten sowie zweistelliges Wachstum bei sogenannten „Switchern“, was auf eine weiterhin starke Bindung an die Marke und eine wachsende Marktpenetration hindeutet.

China meldet sich eindrucksvoll zurück
Von besonderer strategischer Bedeutung ist die Rückkehr Apples auf den Wachstumspfad in China. Die Umsätze in Festlandchina, Taiwan und Hongkong sprangen um 38% auf 25,53 Mrd. USD und übertrafen die Markterwartungen deutlich. Nach mehreren Quartalen der Schwäche stellt dies eine klare Trendwende dar.

Foto @ Apple Deutschland

Auch hier war das Wachstum vor allem produktgetrieben. Apple verzeichnete in Festlandchina einen Allzeitrekord bei iPhone-Upgrades sowie eine starke Nachfrage von Erstkäufern. In einem Markt, in dem der Wettbewerbsdruck durch heimische Anbieter zuletzt deutlich zugenommen hatte, ist dies ein ermutigendes Signal für die mittelfristige Positionierung des Konzerns.

Nutzerzahl wächst weiter – Fundament für Services
Apples Ökosystem bleibt ein zentraler Pfeiler der langfristigen Strategie. Die aktive Gerätezahl überschritt erstmals die Marke von 2,5 Milliarden, nach 2,35 Milliarden im Vorjahr. Diese stetig wachsende Nutzerbasis bildet das Fundament für wiederkehrende Erlösströme aus Services, Software, Abonnements und Garantieleistungen.

Der Service-Bereich erzielte einen Umsatz von rund 30 Mrd. USD, was einem Wachstum von 14% gegenüber dem Vorjahr entspricht und im Rahmen der Erwartungen lag. Besonders Apple TV+ konnte mit einem Anstieg der Zuschauerzahlen um 36% im Dezember überzeugen. Das Management stellte für das aktuelle Quartal ein vergleichbares Wachstum im Service-Segment in Aussicht.

Uneinheitliches Bild bei übriger Hardware
Abseits des iPhones zeigte sich die Entwicklung im Hardware-Portfolio durchwachsen. Die Umsätze mit Macs gingen um 7% auf 8,39 Mrd. USD zurück und verfehlten die Erwartungen trotz der Einführung neuer MacBook-Pro-Modelle mit dem M4-Chip. iPad-Umsätze legten hingegen um 6% auf 8,6 Mrd. USD zu und übertrafen die Schätzungen, wobei rund die Hälfte der Käufer erstmals ein iPad erwarb. Der Bereich Wearables, Home und Zubehör verzeichnete einen Umsatzrückgang von 2% auf 11,49 Mrd. USD, was auf eine schwächere Nachfrage nach Apple Watch, AirPods und Vision Pro hindeutet.

Foto @ Apple Deutschland

Margen bleiben robust – Kostenrisiken nehmen zu
Mit einer Bruttomarge von 48,2% übertraf Apple die Erwartungen und erreichte den oberen Bereich der historischen Spanne. Gleichzeitig schlug das Management einen vorsichtigeren Ton für die kommenden Quartale an. Die weltweit angespannte Versorgung mit Speicherchips, ausgelöst durch den massiven Ausbau von KI-Rechenzentren, treibt die Komponentenpreise nach oben. Tim Cook betonte, dass die Auswirkungen im ersten Quartal noch gering gewesen seien, warnte jedoch vor zunehmendem Kostendruck in diesem Quartal. Das Umfeld für die Kostenbasis dürfte sich damit spürbar herausfordernder gestalten.

Trotz der starken Nachfrage bleibt Apple laut Management im „Supply-Chase-Modus“. Engpässe bei fortschrittlichen Chips sowie steigende Speicherpreise begrenzen weiterhin die Fähigkeit, die Nachfrage vollständig zu bedienen, insbesondere beim iPhone.

Für dieses Quartal stellte Apple ein Umsatzwachstum von 13 bis 16% in Aussicht, was einem Umsatz von bis zu 110,66 Mrd. USD entspricht und deutlich über den aktuellen Analystenschätzungen liegt. Gleichzeitig gab das Unternehmen rund 32 Mrd. USD über Dividenden und Aktienrückkäufe an die Aktionäre zurück und unterstrich damit seine herausragende Kapitalrückführungsstärke.

Foto @ Apple Deutschland

KI-Strategie setzt auf Partnerschaften statt Investitionswettlauf
Im Gegensatz zu Wettbewerbern wie Microsoft oder Meta verfolgt Apple beim Thema Künstliche Intelligenz einen selektiveren Ansatz. Statt massiver Infrastrukturinvestitionen setzt der Konzern auf strategische Partnerschaften. Zuletzt kündigte Apple eine Zusammenarbeit mit Google an, um Gemini-Modelle für „Apple Intelligence“ und eine personalisierte Version von Siri zu integrieren, die noch in diesem Jahr erwartet wird.

Darüber hinaus übernahm Apple das israelische Start-up Q.ai, das auf die Analyse von Mikro-Gesichtsausdrücken spezialisiert ist. Die Forschungs- und Entwicklungsausgaben stiegen deutlich auf 10,89 Mrd. USD, was Apples Fokus auf gezielte KI-Investitionen unterstreicht, ohne sich an einem kapitalintensiven Wettrüsten zu beteiligen.

Apple (in EUR); Quelle: onvista media GmbH

Produktstärke schlägt KI-Skepsis
Apples Ergebnisse zum Auftakt des Geschäftsjahres 2026 bestätigen eine bekannte Realität: Während die Führungsrolle im Bereich Künstliche Intelligenz schwanken kann, liegen Apples Kernstärken weiterhin in seinen Produkten, dem Ökosystem und der globalen Skalierung. Der iPhone-17-Zyklus übertrifft die Erwartungen, China kehrt als Wachstumstreiber zurück und die Margen zeigen sich trotz zunehmender Kostenbelastungen widerstandsfähig.

Herausforderungen bleiben, insbesondere bei der Umsetzung der KI-Strategie und auf der Angebotsseite. Kurzfristig hat Apple dem Markt jedoch eindrucksvoll vor Augen geführt, dass nur wenige Unternehmen Wachstum, Profitabilität und Kapitalrückflüsse in dieser Größenordnung liefern können, wenn Nachfrage und Produktzyklus zusammenfallen. Vor diesem Hintergrund liegt nach den starken Zahlen das langfristige Kursziel bei 300 USD.

Violeta Todorova, Leverage Shares & Income Shares

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