Anleihen unter Druck: Fiskalpolitik wird zum neuen Renditetreiber

US-Anleihen geraten durch Inflation, hohe Emissionen und steigende Fiskalrisiken unter Druck – besonders am langen Ende der Zinskurve.

Scott Solomon, Portfoliomanager bei T. Rowe Price, kommentiert die Entwicklung an den globalen Anleihemärkten und die gestiegene US-Staatsverschuldung.

Die Renditen von Staatsanleihen sind im dritten Quartal bislang in sämtlichen G10-Märkten gestiegen. Besonders stark fällt der Ausverkauf am langen Ende der Zinskurven aus. Neben anhaltender Inflation und den Spannungen im Nahen Osten sorgen vor allem steigende fiskalische und unternehmerische Emissionsvolumina für zusätzlichen Druck.

In den USA bleibt die Konjunktur robust. Der Ausbau der KI-Infrastruktur hat die US-Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe nach drei Jahren wieder in den Expansionsbereich geführt. Zugleich werden rund 1 Bio. USD an KI-bezogenen Investitionen weitgehend über Fremdkapital finanziert – eine zusätzliche Belastung für das lange Ende.

Kleines Erdbeben bei Anleihen u.a. der USA: Die Renditen steigen

Kleines Erdbeben bei Anleihen u.a. der USA: Die Renditen steigen

Eine wichtige Rolle spielen die jüngsten Maßnahmen des US-Finanzministeriums. Über Treasury-Buybacks und Veränderungen der Emissionsstruktur kann das Treasury die Marktbedingungen und damit auch die Renditen beeinflussen. Dies ist zwar keine formelle Steuerung der Zinskurve, zielt aber unmittelbar auf die Finanzierungskosten. Sollten Renditen trotz bestehender Inflationsrisiken gedrückt werden, könnte sich ein Teil der Anpassung an anderer Stelle zeigen – insbesondere über einen schwächeren US-Dollar.

Niedrigere Finanzierungskosten könnten zugleich zinssensitive Bereiche wie den Immobilienmarkt stützen. Gleichzeitig verliert der US-Wachstumsvorsprung gegenüber anderen Regionen etwas an Exklusivität, da sich die Wachstumserwartungen außerhalb der USA verbessern.

Auch in Europa steigen die Staatsanleiherenditen. Französische Finanzierungskosten erreichten den höchsten Stand seit 2008, während 30-jährige Bundesanleihen auf dem Renditeniveau von 2011 liegen. In Japan treiben Inflationsdruck und erwartete Zinserhöhungen die kurzfristigen JGB-Renditen. Am langen Ende gewinnen dagegen Fiskalrisiken und Laufzeitprämien an Bedeutung. Die Rückführung japanischen Kapitals aus ausländischen Staatsanleihen könnte dadurch eine wichtige Nachfragequelle für globale Duration schwächen.

Scott Solomon

Aus Sicht von Solomon sprechen damit anhaltende Inflation, volatile Energiepreise, robustes US-Wachstum, KI-getriebene Investitionen sowie steigende Emissionsvolumina für einen zunehmend bearishen Ausblick auf globale Duration.

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