
Batteriespeicher können Solarparks vor sinkenden Erlösen schützen. Entscheidend sind Netzanschluss, Speicherdimensionierung und die richtige Vermarktungsstrategie.
Patrick Lemcke-Braselmann, CEO der aream Group, sieht in der Kombination von Photovoltaik und Batteriespeichern einen Ausweg aus der sogenannten Solar-Kannibalisierung. Je mehr Solaranlagen gleichzeitig Strom einspeisen, desto stärker sinken häufig die Preise zu den Erzeugungsspitzen. Speicher können diese strukturelle Erlösbelastung abfedern – wenn Photovoltaik, Batterie und Netzanschluss optimal aufeinander abgestimmt sind.
Die Solar Capture Rate gerät in Bewegung
Ein wichtiger Indikator für die Wirtschaftlichkeit von Solarparks ist die Solar Capture Rate. Sie misst, welchen durchschnittlichen Preis Solarstrom im Verhältnis zum allgemeinen Börsenstrompreis erzielt. Bei einer Capture Rate von 60% liegt der Erlös demnach im Schnitt bei 60% des Baseload-Preises.
Mit dem Ausbau der Photovoltaik ist diese Kennzahl zuletzt gesunken: von rund 58% im Jahr 2024 auf 50,5% im Jahr 2025. Im zweiten Quartal 2026 lag sie laut Modo Energy bei 43,6% – allerdings immerhin mehr als zehn Prozentpunkte über dem Vorjahreswert.
Mit der zunehmenden Hybridisierung von Solarparks verliert eine einheitliche Marktkennzahl jedoch an Aussagekraft. Ein Batteriespeicher ermöglicht es, Solarstrom bei niedrigen Preisen zwischenzuspeichern und erst bei höheren ins Netz einzuspeisen. Der erzielte Durchschnittspreis kann dadurch sogar über dem allgemeinen Börsenstrompreis liegen. Zwei Solarparks mit vergleichbarem Erzeugungsprofil können deshalb sehr unterschiedliche Capture Rates erreichen.
Netzanschluss als entscheidender Faktor
Über die Wirtschaftlichkeit entscheidet dabei nicht allein die Größe von PV-Anlage und Batterie. Besonders wichtig ist der Netzanschluss, also die maximale Leistung, die ein Standort einspeisen darf. „Damit ist der Netzanschluss heute das wertvollste Asset im Park“, so Lemcke-Braselmann. Da Netzanschlüsse knapp seien und Wartezeiten oft mehrere Jahre betrügen, könne es wirtschaftlich sinnvoll sein, mehr PV-Leistung zu installieren, als unmittelbar eingespeist werden kann. Überschüssiger Strom werde dann zwischengespeichert und später vermarktet.
Allerdings verändern auch die Speicher selbst den Markt: Je mehr Batteriespeicher hinzukommen, desto stärker könnten sich die Preisunterschiede zwischen Mittag und Abend verringern. Frühe Hybridisierung und ein gesicherter Netzanschluss könnten deshalb Wettbewerbsvorteile schaffen.
Für Investoren, Banken und Bewerter reichen pauschale Marktpreisprognosen nach Einschätzung von Lemcke-Braselmann deshalb nicht mehr aus. Erforderlich seien individuelle Modelle im Viertelstundentakt, die Netzanschluss, Speicherauslegung und Vermarktungsstrategie berücksichtigen.
Die 2005 gegründete aream Group ist Developer und Asset-Manager für nachhaltige Infrastruktur mit Schwerpunkt auf erneuerbaren Energien, Netzen und Speichertechnologien. Das Unternehmen deckt von der Projektentwicklung bis zum Asset-Management und zur Vermarktung die gesamte Wertschöpfungskette ab.
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