
Afrika gewinnt für Anleiheanleger an Attraktivität: Demografie, Rohstoffe und Reformen schaffen Chancen – doch Selektivität bleibt entscheidend.
Yvette Babb, Portfoliomanagerin im Emerging-Markets-Debt-Team von William Blair Investment Management, sieht für Afrika eine zunehmend interessante Investmentstory. Demografie, Urbanisierung, Rohstoffe, Energie und kritische Mineralien treffen auf Reformen, sinkende Inflation und eine stärkere Binnennachfrage.
Demografie als Wachstumstreiber
Afrikas Bevölkerung dürfte bis 2050 auf knapp 2,5 Mrd. Menschen wachsen. Daraus entstehen langfristige Chancen etwa für Wohnungsbau, Finanzdienstleistungen und Gesundheitsversorgung. Entscheidend sei allerdings, ob die Länder Bildung, Gesundheitsversorgung und die Schaffung von Arbeitsplätzen ausreichend voranbringen. Auch die Afrikanische Kontinentale Freihandelszone AfCFTA könnte den innerafrikanischen Handel stärken – vorausgesetzt, Infrastruktur, Zollverfahren und Handelshemmnisse werden weiter verbessert.
Die zunehmende Urbanisierung ist ein weiterer struktureller Faktor. Metropolen wie Lagos, Kinshasa und Dakar entwickeln sich zu bedeutenden Wirtschaftszentren und eröffnen Potenzial für Konsumgüter, Einzelhandel, Finanzdienstleistungen und Fintech. Auch die Landwirtschaft bietet laut Babb erhebliches Potenzial – sowohl für die Versorgung der wachsenden Bevölkerung als auch für künftige Agrarexporte.
Rohstoffe und Energie im Fokus
Besonders interessant ist Afrikas Rolle bei der Energieversorgung und kritischen Mineralien. Nigeria versucht, Öl- und Gasförderung sowie Raffineriekapazitäten auszubauen. Zugleich wollen mehrere Länder mehr Wertschöpfung im eigenen Land halten, statt Rohstoffe lediglich unverarbeitet zu exportieren. Dafür sind allerdings erhebliche Investitionen in Stromversorgung, Transport und weitere Infrastruktur erforderlich.
Bei Kobalt, Graphit und Kupfer könnte der Kontinent ebenfalls profitieren. Länder, die Verarbeitungs- und Raffineriekapazitäten aufbauen, könnten einen größeren Teil der Wertschöpfung vereinnahmen. Zusätzliche Nachfrage kommt durch KI, Rechenzentren, Elektrifizierung und Robotik. Zugleich bleibt der globale Wettbewerb um afrikanische Rohstoffe intensiv – neben China interessieren sich zunehmend europäische und US-amerikanische Investoren für den Kontinent.
Selektivität bleibt Trumpf
Auch an den afrikanischen Staatsanleihemärkten verbessert sich laut Babb das Anlegerinteresse. Mehrere etablierte Emittenten haben besseren Marktzugang und engere Spreads erreicht. Gleichwohl seien die Länder sehr unterschiedlich zu bewerten.
Bei Hartwährungsanleihen haben sich die Spreads zuletzt deutlich eingeengt. William Blair konzentriert sich daher auf höher rentierende Staatsanleihen, deren Bewertungen die jeweiligen Kredit- und Liquiditätsrisiken angemessen kompensieren. Genannt werden unter anderem Senegal, Mosambik und die Côte d’Ivoire.
Noch interessanter könnten Lokalwährungsanleihen sein. Ägypten und Nigeria bieten teilweise zweistellige Nominalrenditen; bei weiter sinkender Inflation könnten daraus attraktive Realrenditen entstehen. Auch Sambia und Uganda bieten aus Sicht von William Blair interessante Perspektiven.
Yvette Babb ist Portfoliomanagerin für Schwellenländeranleihen bei William Blair Investment Management.
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