
Das EEG-2027-Papier der Union setzt laut Markus W. Voigt auf Marktprinzipien und zugleich auf neue Hürden für Erneuerbare.
Die Erneuerbaren haben einen Punkt erreicht, den die Politik ihnen jahrelang als Ziel vorgegeben hat: Wind- und Solarstrom sind längst im Markt angekommen. Mehr als die Hälfte der deutschen Stromerzeugung stammt inzwischen aus erneuerbaren Quellen. Die Technologie ist etabliert, die Kosten sind gesunken und immer mehr Projekte werden über langfristige Stromlieferverträge finanziert.
Umso widersprüchlicher erscheint Markus W. Voigt, Executive Chairman der aream Group, der aktuelle Forderungskatalog aus der Unionsfraktion zum EEG 2027. Das Papier umfasst 86 Punkte und zielt unter anderem auf weniger Förderung, kürzere Laufzeiten, niedrigere Höchstwerte und engere Vorgaben für Wind- und Solarprojekte. Gleichzeitig sollen einzelne Bereiche wie Biogas, kleine Wasserkraft und Windkraft im Süden stärker unterstützt werden.
Aus Sicht von Voigt passt das nicht zusammen. Wenn Erneuerbare inzwischen marktreif sind, sei gerade das ein Beleg dafür, dass die bisherige Förderung ihren Zweck erfüllt habe. Statt die Branche nun mit zusätzlichen Hürden zu konfrontieren, brauche es vor allem verlässliche Rahmenbedingungen.
Problematisch sei insbesondere der Versuch, Marktmechanismen und staatliche Mengensteuerung miteinander zu verbinden. Einerseits sollen sich große Solarparks stärker über den Markt und PPAs finanzieren, andererseits sollen staatlich festgelegte Ausschreibungsmengen bestimmen, wie viel Kapazität überhaupt entstehen darf. Für bestimmte Technologien seien zugleich feste Vergütungen vorgesehen.
Dabei habe sich der Markt längst verändert. Stromabnahmeverträge, Bankenfinanzierungen und eigene Erzeugung von Unternehmen und Haushalten seien heute Teil eines funktionierenden Geschäftsmodells. Investitionen würden nicht mehr ausschließlich durch Förderbescheide ausgelöst, sondern zunehmend durch die langfristige Nachfrage nach günstigem und planbarem Strom.
Einige Vorschläge der Union bewertet Voigt deshalb durchaus positiv. Dazu gehörten verbindliche Fristen für Netzanschlussanfragen, flexible Netzanschlüsse als Regelfall sowie mehr Rechtssicherheit für Direktleitungen zu Stromabnehmern. Gerade beim Thema PPAs zeige sich jedoch eine offene Flanke: Mittelständische Abnehmer benötigten teilweise zusätzliche Absicherung, wenn langfristige Verträge Voraussetzung für eine Fremdkapitalfinanzierung seien.
Die Nachfrage nach langfristigem Grünstrom sei vorhanden, doch der PPA-Markt müsse zunächst weiterentwickelt werden, bevor Fördermechanismen zurückgefahren werden könnten, so Voigt. Als Vermittler solcher Verträge sehe aream eine wachsende Nachfrage, zugleich blieben Bonität und Laufzeiten bei mittelständischen Abnehmern wichtige Finanzierungsthemen.
Eine Rückkehr zur alten Energiewelt hält Voigt ohnehin für ausgeschlossen. Politik könne Investitionen zwar verlangsamen – etwa durch längere Genehmigungsverfahren, knappere Flächen oder schwierigere Finanzierungsbedingungen. Aufhalten lasse sich die Entwicklung damit jedoch nicht.
Die entscheidende Frage sei deshalb nicht, ob sich die Energiewende im Stromsektor fortsetzt. Sie sei längst Realität. Entscheidend werde vielmehr sein, ob Deutschland die daraus entstandenen Wettbewerbs- und Standortvorteile weiter nutzen könne oder sich durch zusätzliche politische Hürden selbst ausbremse.
Die 2005 gegründete aream Group ist ein Developer und Asset-Manager mit Fokus auf nachhaltige Infrastruktur im Bereich der Erneuerbaren Energien. Das Unternehmen ist in den Bereichen Wind- und Solarkraft, Netze und Speichertechnologie tätig und deckt mit Operations- und Asset-Management, Project-Development sowie Energy Markets die gesamte Wertschöpfungskette für Erneuerbare-Energien-Investments ab. Mit mehr als 2,5 Mrd. EUR Transaktionsvolumen zählt aream zu den führenden Asset-Managern in diesem Markt.
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