
Die brasilianische Wahl sorgt für Bewegung: Flávio Bolsonaro geht gestärkt in die Stichwahl – und könnte auch im Senat auf Rückenwind bauen.
Thierry Larose, Portfoliomanager bei Vontobel, sieht Flávio Bolsonaro nach der ersten Runde der brasilianischen Präsidentschaftswahl überraschend gut positioniert. Bei 99,99% der ausgezählten Stimmen lag der Senator rund zwei Prozentpunkte vor Amtsinhaber Lula – entgegen den Umfragen, die einen Vorsprung Lulas erwartet hatten.
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Für die Stichwahl am 25. Oktober könnte Bolsonaro insbesondere davon profitieren, dass ein größerer Teil der ausgeschiedenen Kandidaten dem rechten bzw. mitte-rechten Lager zuzurechnen ist. Lula dürfte dagegen das linke Wählerpotenzial bereits weitgehend ausgeschöpft haben.
Senat als entscheidender Faktor
Noch wichtiger als das Präsidentschaftsrennen könnte laut Larose allerdings die neue Zusammensetzung des Senats sein. Bolsonaros Partei PL kommt ab Februar 2027 auf 28 der 81 Sitze – derzeit sind es 15. Gemeinsam mit den engsten Verbündeten könnte die politische Rechte damit die absolute Mehrheit von 41 Stimmen erreichen.
Diese Mehrheit ist insbesondere für die Wahl des Senatspräsidenten sowie die Bestätigung von Richtern des Obersten Gerichtshofs relevant. Der nächste Präsident könnte während seiner Amtszeit bis zu vier der elf Richter ernennen. Ein Sitz ist bereits seit Oktober 2025 vakant, drei weitere Richter erreichen zwischen 2028 und 2030 die gesetzliche Altersgrenze.
Da sechs der derzeit zehn amtierenden Richter von PT-Regierungen ernannt wurden, könnte ein Präsident Flávio Bolsonaro zusammen mit einem entsprechend ausgerichteten Senat das politische Kräfteverhältnis am Obersten Gerichtshof deutlich verschieben.
Märkte setzen auf Bolsonaro
An den brasilianischen Finanzmärkten zeichnet sich bereits eine Reaktion ab. Der Real-Future legte an der Chicago Mercantile Exchange um rund 4% zu. Auch die Ergebnisse der Gouverneurswahlen sprechen aus Marktsicht für das rechte und mitte-rechte Lager: In wichtigen Bundesstaaten wie São Paulo und Minas Gerais konnten sich entsprechende Kandidaten bereits im ersten Wahlgang durchsetzen.

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Ob Bolsonaro tatsächlich fiskalisch verantwortungsbewusster agieren würde als Lula, bleibt offen. Die Märkte dürften ihm zunächst jedoch einen Vertrauensvorschuss geben und auf eine rasche Konsolidierung der Staatsfinanzen setzen. Sollten entsprechende Maßnahmen glaubwürdig ausfallen und durch die neue institutionelle Konstellation gestützt werden, könnte die positive Marktreaktion laut Larose deutlich länger anhalten als die übliche Schonfrist einer neuen Regierung.
Thierry Larose ist Portfoliomanager bei Vontobel, einem international tätigen Investmenthaus mit Schweizer Wurzeln spezialisiert auf Anlage- und Beratungslösungen für private und institutionelle Kunden. Zum 30. Juni betreute das Unternehmen 252,2 Mrd. CHF Assets under Management.
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