paragon: Schon wieder fehlen Millionen – erneut Insolvenz

Anleiheemittent paragon muss Insolvenz anmelden, da Investor Tejascore 12 Mio. EUR nicht zahlt. 552 Arbeitsplätze sind betroffen.

Anleiheemittent paragon muss erneut Insolvenz anmelden. Neben der börsennotierten paragon GmbH & Co. KGaA stellten auch die Tochtergesellschaften paragon electronic und paragon movasys Insolvenzanträge beim Amtsgericht Paderborn. Betroffen seien insgesamt 552 Arbeitsplätze an sechs deutschen Standorten.

Auslöser ist nach Angaben von paragon ein geplatztes Finanzierungsversprechen des indischen Investors Tejascore Techsystems Inc.. Dieser hatte sich im Juni verpflichtet, paragon ein Darlehen über 12 Mio. EUR zur Verfügung zu stellen – 5 Mio. EUR Ende Juni und weitere 7 Mio. EUR Ende Juli. Trotz mehrfacher Aufforderungen seien die Zahlungen ausgeblieben. Ein weiteres Darlehen über 6 Mio. EUR sollte auf Abruf bereitstehen.

paragon hatte seit Ende 2025 mit dem Investor über eine Minderheitsbeteiligung und die Finanzierung des Unternehmens verhandelt. Nach Due Diligence und intensiven Gesprächen wurde am 19. Juni ein verbindliches Termsheet unterzeichnet. Die von paragon und der Frers Family Office GmbH zu erfüllenden Bedingungen seien vollständig erfüllt worden.

Besonders brisant: Die Zusicherung des Tejascore-Managements, über mehr als 100 Mio. USD an Finanzmitteln in den USA sowie weitere Mittel in Indien zu verfügen, habe sich inzwischen als nicht zutreffend erwiesen. paragon gehe nach eigenen Angaben von arglistiger Täuschung und Betrugsverdacht aus. Offenbar habe der Investor die benötigten Mittel erst über Aktienemissionen in New York beschaffen wollen.

paragon 2017/31 und Aktie

paragon 2017/31 und Aktie

Dabei sieht sich paragon operativ durchaus solide aufgestellt. In den vergangenen Jahren sei die Verschuldung um rund zwei Drittel gesenkt und trotz rückläufiger Umsätze das Ergebnis verbessert worden. Zudem verweist das Unternehmen auf einen Rekord-Auftragseingang, Profitabilität (?) und einen erheblichen Auftragsbestand.

Ohne die zugesagten 12 Mio. EUR könne paragon allerdings seine Vereinbarungen mit Lieferanten nicht einhalten. Nach Unternehmensangaben wäre das Unternehmen bei Erfüllung der Investorenzusagen sogar bis Ende 2028 durchfinanziert gewesen. Nicht betroffen seien die ausländischen Tochtergesellschaften in China und Kroatien.

Die Geschäftsführung erwarte nun, dass die Geschäftstätigkeit nach Bestellung eines vorläufigen Insolvenzverwalters fortgeführt werde. Rund 94% des Umsatzes erzielt paragon nach eigenen Angaben mit Kunden, bei denen das Unternehmen Alleinlieferant sei.

Für den Gründer und Mehrheitsgesellschafter Klaus Dieter Frers ist die Entwicklung ein schwerer Rückschlag. Er kündigte an, sich weiterhin mit aller Kraft für eine Minimierung des Schadens für Aktionäre, Anleihegläubiger, Kunden, Lieferanten und Mitarbeiter einzusetzen.

BondGuide bleibt skeptisch. GPT zählt offiziell nur zwei Insolvenzen der Mutter-Firma, die zudem ihre Rechtsform geändert hat. Meines Erachtens war da aber etwas mehr seit 2008, seit der Finanz- und Autokrise. Offenbar juristisch nicht 100% zuzuordnen. Das Management ist immer noch dasselbe – wie lange eigentlich noch, wieder Eigenverwaltung? Die Anleihe ist von LZ-Ende 2022 inzwischen bei 2031 angekommen, also 2017/31. paragon meldete zudem stets nur lobhudelige EBITDA-Steigerungen, machte aber fast durchweg Nettoverluste. Darauf haben wir häufig genug hingewiesen und uns ist die Geduld ausgegangen, die Zahlen aus Geschäftsberichten herauszufieseln, da sie in den Pressemeldungen schlicht unter den Tisch gekehrt wurden.

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