Chinas Industrie kontert Konjunktursorgen mit strukturellen Gewinnerbranchen

AI-generiert

Schwache Konjunkturdaten verdecken strukturelle Wachstumsfelder: Chinas Industrie setzt zunehmend auf Automatisierung, Energiespeicher und Robotik.

Chinas Wirtschaft kämpft mit schwachen Einkaufsmanagerindizes, verhaltenen Investitionen und anhaltenden Konjunktursorgen. Doch hinter den schwachen Schlagzeilen entstehen auch neue industrielle Wachstumspole. Darauf verweist Pierre Horvilleur, Research Analyst im globalen Aktienteam von William Blair Investment Management (WBIM), in einer aktuellen Analyse zu Chinas Industriesektor.

Während die Gesamtindustrie moderat wächst, zeigen sich in einzelnen Zukunftsbranchen deutlich höhere Dynamiken. Besonders die Hightech-Fertigung entwickele sich robust. Laut William Blair Investment Management legte die Produktion in diesem Bereich zuletzt um rund 10% zu – deutlich stärker als die gesamte Industrieproduktion mit rund 6% Wachstum.

Treiber seien vor allem Investitionen in Lithiumbatterien, Halbleiter, Leiterplatten, Unterhaltungselektronik sowie moderne Fertigungstechnologien. „Das Wachstum konzentriert sich zunehmend auf einzelne strukturelle Gewinnerbranchen statt auf eine breite industrielle Erholung“, analysiert Experte Horvilleur.

Besonders dynamisch entwickelt sich der Bereich Automatisierung. Führende chinesische Anbieter verzeichneten zuletzt Auftragszuwächse von teilweise 20 bis 30%. Nachfrageimpulse kommen unter anderem aus der Batterieproduktion, der Halbleiterindustrie und klassischen Industriebereichen wie Baumaschinen oder Schwerlastverkehr.

Chinas Prioritäten sind gesteckt

Chinas Prioritäten sind gesteckt

Ein zentrales Zukunftsthema sieht Horvilleur zudem in der humanoiden Robotik. China verfüge über entscheidende Voraussetzungen, um in diesem Markt eine globale Führungsrolle einzunehmen: moderne KI-Kompetenzen, industrielle Fertigungskapazitäten und eine enorme Skalierungsfähigkeit.

Noch befinde sich der Markt in einer frühen Phase. Schätzungen zufolge wurden weltweit zuletzt rund 15.000 bis 20.000 humanoide Roboter ausgeliefert. Bis 2030 könnte die Zahl nach Prognosen jedoch auf über eine Million Einheiten jährlich steigen.

Für Anleger sieht William Blair Investment Management die größten Chancen derzeit allerdings weniger bei einzelnen Roboterherstellern selbst als vielmehr entlang des Zuliefer- und Infrastrukturökosystems. Komponentenhersteller, Präzisionsantriebe, Sensorik, Steuerungstechnik und Systemintegration könnten vom Ausbau der Industrie erheblich profitieren.

Auch Lithiumbatterien und Energiespeichersysteme (ESS) bleiben zentrale Wachstumsmärkte. Die Batterienachfrage habe schon 2025 die Erwartungen deutlich übertroffen und dürfte weiter dynamisch wachsen. Treiber seien neben Elektromobilität zunehmend auch KI-Rechenzentren, Stromnetze und Speicherlösungen.

So geht Förderung einer Zukunftsbranche in China: Parkplatz voller e-Autos

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Zudem rücken intelligente Mobilitätslösungen stärker in den Fokus. Bei Elektrofahrzeugen, Robotaxis und Fahrerassistenzsystemen (ADAS) erwartet Horvilleur weiteres Wachstum. Insbesondere Sensorik- und Lidar [1]-Zulieferer könnten profitieren.

Parallel verschiebt sich nach Einschätzung von WBIM die industrielle Wettbewerbslandschaft. Chinesische Unternehmen schließen Technologielücken zu internationalen Marktführern zunehmend schneller – etwa bei Servomotoren, Automatisierungstechnik oder industriellen Steuerungssystemen.

Für Investoren entsteht daraus laut Pierre Horvilleur von William Blair Investment Management ein differenzierter Markt: Nicht die Gesamtwirtschaft entscheidet über Anlagechancen – sondern die Fähigkeit, strukturelle Gewinnerbranchen innerhalb des industriellen Wandels zu identifizieren.

Pierre Horvilleur, WBIM

Pierre Horvilleur, WBIM

Die schwachen Konjunktursignale verdecken damit womöglich einen tiefergehenden Umbau: China könnte seine nächste industrielle Wachstumsphase längst eingeleitet haben.

William Blair Investment Management (WBIM) ist ein internationaler Asset Manager mit Fokus auf aktive Strategien, insbesondere in den Bereichen US-Wachstumsaktien, US-Value-Aktien, globale Aktien, einschließlich Aktien aus Schwellenländern, und Anlagestrategien für Schwellenländeranleihen.

[1] Light Detection and Ranging, kurz LiDaR

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