
Steigende Ölpreise und schwächere Währungen setzen Volkswirtschaften mit Energieabhängigkeit doppelt unter Druck.
Steigende Energiepreise belasten derzeit nicht nur Verbraucher und Unternehmen – zunehmend geraten auch ganze Volkswirtschaften unter Druck. Vor allem energieabhängige Länder sehen sich mit einer gefährlichen Kombination aus höheren Ölpreisen und Währungsverlusten konfrontiert. „Die Energiekrise entwickelt sich zur Währungskrise“, warnt Thorsten Fischer, Managing Director und Head of Portfolio Management bei Moventum AM.
Besonders betroffen seien Volkswirtschaften mit hoher Energieimport-Abhängigkeit. Seit Beginn des Iran-Konflikts hätten mehrere Währungen deutlich an Wert verloren – darunter etwa das ägyptische Pfund, der südkoreanische Won, der thailändische Baht oder der philippinische Peso.
Die wirtschaftliche Mechanik dahinter sei klar: Steigende Ölpreise treiben die Importkosten nach oben. Länder, die Energie überwiegend einkaufen müssen, geraten dadurch gleich an mehreren Stellen unter Druck. Außenhandelsdefizite steigen, Inflation nimmt zu, Devisenreserven schmelzen ab und die Belastung öffentlicher Haushalte wächst.
Hinzu kommen vielfach staatliche Energiesubventionen, mit denen Regierungen soziale Folgen abfedern wollen – und die öffentliche Finanzen zusätzlich belasten.
Laut Thorsten Fischer von Moventum AM hat sich zudem die globale Energielandschaft strukturell verändert. Während die USA in früheren Ölkrisen selbst massiv unter steigenden Importkosten litten, profitierten sie heute als bedeutender Energieexporteur teilweise sogar von höheren Preisen. Das stärke tendenziell den US-Dollar – und erhöhe den Druck auf energieabhängige Volkswirtschaften zusätzlich.
Denn Ölimporte werden überwiegend in Dollar fakturiert. Wertet die eigene Landeswährung ab und steigen gleichzeitig die Energiepreise, entsteht ein doppelter Belastungseffekt.
Der Internationale Währungsfonds IWF warnt bereits vor zunehmendem Druck insbesondere auf rohstoffimportierende Schwellen- und Entwicklungsländer. Entsprechend wurden die Wachstumsperspektiven vieler Volkswirtschaften zuletzt nach unten angepasst.
Für Anleger gewinnt damit laut Fischer ein bislang häufig unterschätzter Faktor an Bedeutung: Energieunabhängigkeit.
Technologien wie Solarenergie, Windkraft, Batteriespeicher, Kernenergie oder Elektromobilität seien längst nicht mehr nur Klimathemen. Sie entwickelten sich zunehmend zu strategischen Faktoren wirtschaftlicher Widerstandsfähigkeit.
„Es geht nicht mehr nur um CO2-Einsparung – es geht um Unabhängigkeit“, mahnt der Experte.
Für Kapitalmärkte könnte dies langfristig erhebliche Folgen haben. Die zentrale Trennlinie verlaufe künftig womöglich weniger zwischen Industrie- und Schwellenländern – sondern zunehmend zwischen Energieabhängigkeit und Energie-Souveränität.
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