
Die Betrachtung von Natur als Kapital könnte die Art und Weise, wie wir über Ressourcen und deren Nutzung nachdenken, grundlegend verändern. Von Tom Chi*
In Anbetracht der zunehmenden Berichterstattung über die Mineralressourcen Grönlands, die Ölvorkommen Venezuelas und den geopolitischen Wettbewerb um Land, Energie und Abbaurechte biete ich als heutiger Investor und Systemdenker eine alternative Perspektive.
Viele der heutigen ökologischen und geopolitischen Krisen resultieren aus einem grundlegenden Problem der Rahmung: Wir behandeln die Natur zunehmend als Kapital und unterwerfen sie der gleichen Optimierungslogik, die die Märkte regiert. Wenn Land, Ökosysteme, Ölvorräte oder sogar saubere Luft als Kapitalanlagen betrachtet werden, fungieren sie als Inputs in einem System, das auf Effizienz, Margen und Skalierung abzielt — nicht auf langfristige planetarische Stabilität oder moralische Ergebnisse. In diesem Rahmen ist Umweltzerstörung oft kein Versagen, sondern ein erwartetes Ergebnis.
Diese Sichtweise kann Kontext zu Geschichten wie dem venezolanischen Öl oder den Ressourcen Grönlands hinzufügen, die häufig primär als politische Streitpunkte oder wirtschaftliche Chancen behandelt werden. Der Ansatz hinterfragt die zugrunde liegende Annahme, dass Ökologie der wirtschaftlichen Logik untergeordnet werden sollte, und fragt, was passiert, wenn diese Annahme nicht in Frage gestellt wird.
Potenzielle Aspekte zur weiteren Erkundung:
– Warum die Bezeichnung der Natur als „natürliches Kapital“ deren Ausbeutung stillschweigend legitimiert, selbst in nachhaltigkeitsorientierten Politiken.
– Wie die Effizienzalgorithmen des Kapitals Werte übersteuern, es sei denn, Gesellschaften entscheiden ausdrücklich, bestimmte Dinge von der Nutzung auszuschließen.
– Warum wir bereits Märkte für bestimmte Dinge (wie menschliche Organe) verbieten und welche Vorbilder dies für Luft, Wasser, Land und Ökosysteme bietet.
– Wie westliche Narrative von Hierarchie und Dominanz die Debatten über Abbau und Ressourcenkontrolle prägen.
– Was es bedeuten würde, Teile des Planeten als zentrale Lebensunterstützungssysteme statt als handelbare Vermögenswerte zu betrachten.
*) Tom Chi ist Gründungspartner von At One Ventures, das Start-ups in der Frühphase unterstützt, die disruptive Deep-Tech-Lösungen nutzen, um die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen etablierter Industrien zu revolutionieren und gleichzeitig ihren ökologischen Fußabdruck erheblich zu reduzieren. Zuvor war Chi Gründungsmitglied von Google X, wo er Teams leitete, die Technologien wie selbstfahrende Autos, Deep Learning KI, tragbare Augmented Reality und die Expansion der Internetkonnektivität entwickelten. Er spielte eine bedeutende Rolle in globalen Projekten bei Microsoft (Outlook) und Yahoo (Suche, Antworten).
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