Überraschung – die Politik des billigen Geldes geht weiter!

Wolfgang Juds; CREDO Vermögensmanagement

Alle Augen waren am 18. September 2013 auf Ben Bernanke, den Chef der US-Notenbank FED gerichtet. Die Marktteilnehmer haben in der Mehrzahl einen langsamen Ausstieg aus der Politik des billigen Geldes erwartet – aber er kam nicht.

Die FED entschied am Mittwoch, den Umfang der monatlichen Anleihekäufe bei 85 Mrd. USD zu belassen. Was sind die Gründe und was bedeutet dies für die weitere Zinsentwicklung?

Es war eine faustdicke Überraschung am vergangenen Mittwoch: Die FED verschob den Ausstieg völlig überraschend. Die Mehrzahl der Analysten war im Vorfeld von einer Reduzierung der Anleihekäufe der amerikanischen Notenbank FED um 10 Mrd. USD ausgegeangen. Eine schrittweise Reduzierung der Überschußliquidität war allgemeiner Konsens. Dieser Meinung hatte ich mich nicht angeschlossen! Bereits in meiner BondGuide-Kolumne vom 23. August 2013 (hier lesen) habe ich darauf hingeiwiesen, dass ich von einer Fortsetzung der bisherigen Politik ausgehe. Warum?

Ich habe die Frage aufgeworfen, wer die US-Staatsanleihen kaufen soll, wenn die FED ihr Ankaufvolumen zurückfährt. Aus Asien ist bekannt, dass das Investitionsvolumen in US-Staatsanleihen rückläufig ist und große internationale Rentenfonds hatten zuletzt mit deutlichen Mittelabflüssen zu kämpfen. Außerdem scheinen weder die Qualität noch die Quantität des Wachstums zu überzeugen. Das Wachstum ist bislang nicht selbsttragend. Am US-Hypothekenmarkt konnte man zuletzt sehen, dass die Nachfrage nach Hyotheken sinkt, sobald die Zinsen deutlich steigen. Der Häusermarkt ist nach meiner Einschätzung die Achilles-Ferse der US-Wirtschaft.

Die FED-Entscheidung heißt jedoch nicht, dass die Politik des lockeren Geldes dauerhaft so niedrig bleibt. Irgendwann kommt der Ausstieg. Um die Entwicklung richtig einzuschätzen, ist es erforderlich, die Daten in den kommenden Wochen und Monaten genau zu analysieren. Insbesondere die US-Arbeitsmarktdaten stehen im Blickpunkt des Interesses.

Was bedeutet dies für die Zinsen? Nach meiner Einschätzung werden die Zinsen für US-Staatsanleihen, aber auch für deutsche Bundesanleihen langfristig niedrig bleiben. Angesichts der positiven Konjunkturentwicklung ist mit leicht steigender Tendenz zu rechnen, aber nicht mit einem steilen Anstieg. Da die kurzfristigen Zinsen weiterhin niedrig bleiben, wird die Zinsstrukturkurve zunehmend steiler werden. Dies lässt sich aus Anlegersicht ausnutzen.

Im Bereich der Unternehmensanleihen lassen sich inzwischen wieder attraktive Erträge generieren, wenn die Qualität des Schuldners stimmt. Investoren dürfen sich nicht von den optisch attraktiven Zinsen leiten lassen, sondern müssen den Anleihezins in Relation zum Risiko setzen.

Mein Fazit lautet: Anleihen haben einen festen Platz im Depot. Es ist momentan nicht leicht, sich gegen den Trend zu stellen und jetzt Anleihen mit mittleren  Laufzeiten zu kaufen, obwohl sie angesichts der aktuellen Marktsituation inzwischen wieder attraktiv sind. Anleihen geben dem Depot Stabilität und sorgen für stetige Erträge, solange die Qualität stimmt und der Mix der Schuldner passt!

Wolfgang Juds, Inhaber der CREDO Vermögensmanagement GmbH