Sanochemia: Hochprozentiges vom Pillendreher

Quelle: Sanochemia Pharmazeutika AG

Das in Wien und Frankfurt/Main aktiennotierte Pharmaunternehmen emittiert eine Anleihe, um sein künftiges Wachstum zu finanzieren. Der Bond mit einem Volumen von bis zu 15 Mio. EUR wird in Deutschland und Österreich öffentlich sowie in anderen europäischen Ländern im Rahmen einer Privatplatzierung angeboten.

Eckdaten der Anleihe
Das fünfjährige Wertpapier kann noch bis zum 3. August gezeichnet werden. Mit einer Stückelung von 1.000 EUR will der österreichische Mittelständler auch Privatanleger ansprechen. Die Anleihe wird direkt vom Unternehmen vertrieben. Ab 6. August soll sie an den Börsen in Wien, Frankfurt/Main und Luxembourg notieren. Weder zur Anleihe noch zum Unternehmen gibt es ein Ranking. Mit einem Kupon von 7,75% liegt das Papier etwa auf dem Niveau der aktuellen Marktrendite von im Median 7,9%. Auch im Peergroup-Vergleich schneidet das Unternehmen ähnlich ab. Die rentierlichste Anleihe von PCC (I) aus der vergleichbar soliden Chemiebranche erzielt derzeit „nur“ eine Rendite von 7,5% p.a.

Unternehmen
Die Sanochemia Pharmazeutika AG mit Sitz in Wien ist 1990 aus dem Zusammenschluss mehrerer Gesellschaften hervorgegangen, die in der Pharmabranche tätig sind. Der Gründer und heutige CEO Dr. Werner Frantsits hat das Unternehmen seitdem als integriertes Spezialpharmaunternehmen mit Fokus auf Onkologie, Schmerztherapie und Neurodegeneration positioniert. Die Gesellschaft deckt dabei die gesamte Wertschöpfungskette ab – von der Forschung und Entwicklung über die Wirkstoff- und Arzneimittelproduktion bis zum Marketing und Vertrieb.

Als umsatzstärkster Bereich hat sich die Sparte Humanpharmazeutika etabliert, in der vor allem Kontrastmittel für bildgebende Verfahren in der Medizin vermarktet werden. Das zweite starke Standbein – der Umsatzanteil liegt bei 35% – ist die Auftragsproduktion für Dritte. Einen Meilenstein erreichte Sanochemia 1995 mit der Patentanmeldung für ein Syntheseverfahren zur Herstellung von Galantamin. Der Wirkstoff wird an die Johnson & Johnsen-Tochter Janssen-Cilag geliefert und kommt in einem Alzheimer-Medikament zum Einsatz. Die Produktion von Wirkstoffen für eigene Arzneimittel oder andere Erzeugnisse soll weiter ausgebaut werden: Mehrere Medikamente befinden sich in unterschiedlichen Stadien der klinischen Tests. Mit der Akquisition der Alvetra & Werfft GmbH hat Sanochemia im Januar 2011 die neue Sparte Veterinärpharmazeutika geschaffen. Hier hat der Mittelständler im Geschäftsjahr 2010/11 (konsolidiert über drei Quartale) rund 5,2 Mio. EUR erzielt.

Geschäftszahlen
Nach einigen verlustreichen Jahren ist Sanochemia seit 2009/10 wieder leicht profitabel. Im Geschäftsjahr 2010/11 (Abschluss 30. September) wurde mit einem Umsatz von 34,1 Mio. EUR ein EBIT von 1,8 Mio. EUR erreicht. Die Eigenkapitalquote ist mit 70% mehr als solide (siehe Interview). Trotz eines schwächeren zweiten Quartals rechnet das Management für das laufende Geschäftsjahr mit einem Erlöszuwachs von 10% und einem positiven Ergebnis.

Strategie
Mit dem Emissionserlös will das Management “vorrangig seine Wachstumsstrategie finanzieren“, so CEO Dr. Werner Frantsits gegenüber BondGuide. Dazu gehören vor allem eine stärkere Internationalisierung sowie der Ausbau des Veterinärgeschäfts und der Produktentwicklung. Zudem sollen Teile des eingesammelten Anlegergeldes laufende klinische Studien finanzieren und kurzfristige Verbindlichkeiten ablösen.

Fazit
Mit einem Kupon von 7,75% ist die Anleihe einigermaßen attraktiv verzinst innerhalb des gesamten Spektrums der Mittelstandsanleihen, etwas weniger attraktiv in Bezug auf das Branchenrisiko forschender Unternehmen & Pharma. Aufgrund des anvisierten Volumens von 15 Mio. EUR dürfte der Handel nicht sehr liquide ausfallen, speziell falls eine Vollplatzierung verfehlt wird. Bereits in den letzten vier Geschäftsjahren haben sich die Exporterlöse auf 8 Mio. EUR fast verdreifacht. Dabei ist das Kontrastmittel Scanlux ein Türöffner, der in mehr als 40 Ländern vertrieben wird. Das Produkt steht vor der Markteinführung in den USA. Risiken bestehen durch den Margendruck aufgrund des schwierigen Marktumfelds und die Konzentration auf wenige Forschungsprojekte, die auch zu Fehlschlägen führen können.

Thomas Müncher

Das Interview Herrn Dr. Werner Frantsits, CEO der Sanochemia Pharmazeutika AG finden Sie hier.

Anleiheübersicht – Sanochemia Pharmazeutika AG:

WKN

A1G7JQ

Erstnotiz

6. August (später je nach Platzierungsstand)

Zeichnungsfrist

23. Juli bis. 3. August

Ausgabepreis

100%

Kupon

7,75%

Stückelung

1.000 Euro

Laufzeit

5 Jahre

Marktsegment

Dritter Markt (Börse Wien), Entry Standard Frankfurt

Emissionsvolumen

bis zu 15 Mio. EUR

Rating

Banken/Sales

Eigenemission

Internet

www.sanochemia.at

Geschäfts- und Kennzahlen – Sanochemia Pharmazeutika AG

 

2010/11

2011/12e

2012/13e

Umsatz *)

34,1

36,5

40,0

EBIT *)

1,8

1,8

2,2

Jahresüberschuss *)

0,7

1,1

13

*) in Mio. EURQuelle: BondGuide Research, Unternehmensangaben

Bewertung – Sanochemia Pharmazeutika AG

Wachstumsstrategie/Mittelverwendung:

****

Peergroup-Vergleich:

***

Kennzahlen (Zinsdeckung, Gearing o.Ä.):

***

IR/Bond-IR:

****

Covenants:

**

Liquidität im Handel (e)

**

Fazit by BondGuide

*** (interessant – Chancen/Risiken ausgeglichen)