gamigo AG – virtuelle 8,78%

Von wegen kostenlos: Durchschnittliche User berappen rund 50 EUR für Ausrüstungsgegenstände (Items) - pro Monat!

Der Hamburger Spezialist für Online-Spiele gamigo startet seine Zeichnungsfrist am 5. Juni und möchte 15 Mio. EUR einsammeln. Der Kupon von 8,5% deutet an, dass hier etwas geboten werden soll: etwa Spiel, Spaß und Spannung? Interessant, aber auch nicht risikolos.

Anleihedetails
Die börsliche Zeichnungsfrist beginnt am 5. Juni und endet spätestens am 18. Juni, vorbehaltlich einer frühzeitigen Schließung. In dem Falle würde auch die Erstnotiz im Entry Standard vorgezogen. Der Mittelstandsbond mit der üblichen Laufzeit von 5 Jahren und einer Stückelung von 1.000 EUR trägt einen Kupon von 8,5%, der aber vierteljährlich gezahlt wird, so dass sich effektiv 8,775% per annum ergeben. Das Zielvolumen liegt bei vergleichsweise geringen 15 Mio. EUR. Begleitet wird die Emission von GBC Kapital. Das Rating fällt mit B+ (Creditreform) indes etwas mau aus.

Neben den üblichen Kreditklauseln (Negativklausel, Change of Control) hat sich gamigo eine zusätzliche Restriktion auferlegt: So darf das Unternehmen nicht mehr als ein Viertel seines Jahresüberschusses bzw. freien Cashflows als Dividende ausschütten. gamigo selbst darf jedoch seinerseits nach drei Jahren zu 103% bzw. nach vier Jahren zu 101,5% kündigen. Hintergrund ist, „dass in einem schnelllebigen Markt wie Online-Spielen fünf Jahre ein wirklich sehr langer Planungszeitraum ist“, erläutert CEO Remco Westermann gegenüber dem BondGuide – normalerweise gehe es in seinen Planungen um zwei oder drei Jahre. 

Emissionsverwendung
Der erwartete Mittelzufluss aus der Begebung der Anleihe soll „der Finanzierung des weiteren Wachstums sowie dem Ausbau der Marktstellung“ dienen, so gamigo. In den Fokus rücken demnach auch „wertsteigernde Akquisitionen innerhalb des attraktiven Wachstumsmarktes ‚Massive Multiplayer‘“, betont Westermann. Die Zukunft sind Online-Spiele und speziell solche für mobile Endgeräte.

Unternehmen
gamigo wurde 2000 ursprünglich als Magazin gegründet, es kamen Publishing und Distribution von Online-Spielen hinzu. 2007 stieg Axel Springer ein, übernahm 2008 die Mehrheit, 2009 dann 100% und forcierte dabei eine verhängnisvolle Eigen-Spieleentwicklung. Der heutige CEO erwarb schließlich 2012 sämtliche Anteile vom inzwischen indisponierten Hamburger Verlagshaus – seither heißt es ‚Back to the Roots‘: keine risikobehafteten und unwägbaren Eigenentwicklungen mehr, sondern nur noch Publishing von Online-Spielen, Anbieten der entsprechenden Plattformen und (nicht) zu guter Letzt – Geld verdienen mit dem Verkauf von Items.

Stichwort Items: Was für Außenstehende schwer vorstellbar sein mag, ist die unglaubliche Kundenbindung der Online-Spieler. In den erfolgreichsten drei Games (Fiesta, Last Chaos und Cultures) verkaufen Item-Anbieter wie gamigo Ausrüstungsgegenstände in der virtuellen Welt, für die die Spieler herrlich zur Kasse gebeten werden. Besonders gut funktioniert das offenbar in jeder Art von Rollenspiel. Das lassen sich Abhängige durchaus ca. 50 EUR kosten – pro Monat, und zwar Monat für Monat. Beispiel Fiesta Online: 40% der Erlöse stammen von Gamern, die über drei Jahre an Bord sind – und das, obwohl man eigentlich weniger als ein Jahr bräuchte, um das Rollenspiel rund um die attraktive Anime-Dame komplett durchzuspielen, wie uns Westermann bestätigt. Bei Last Chaos sind es gar 50%. Nicht jeder Spieler führt zwar Zahlungstransaktionen durch, aber diejenigen, die tiefer einsteigen (typischerweise ca. 5-10%), werden offenbar früher oder später abhängig und greifen tief in die Tasche. Drei Spiele werden aktuell von gamigo renoviert (mehr Fokus, bessere Effizienz aus Item-Verkäufen), drei weitere befinden sich in der Launch-Pipeline.

Markt
Im Bereich Online-Spiele kann man sehr schön die Konvergenz mehrerer Technologien ablesen: Vor zehn Jahren gab es diesen Markt noch gar nicht, doch im Zeitalter von Breitband und LTE sieht das ganz anders aus. PwC geht in einer Branchenstudie für Deutschland von 135% Marktwachstum aus (2011-16). gamigo weist mehr als 10 Mio. Spiele-Accounts aus und ist damit bereits einer der etablierteren Player im Markt. Westermann bescheinigt dem deutschen wie auch europäischen Online-Spiele-Markt keinen dominanten Anbieter, da zahlreiche Entwickler ihre Spiele auch selbst veröffentlichen. Derweil können aber Gameforge und auch Bigpoint bereits Umsätze von deutlich mehr als 100 Mio. EUR vorweisen, derweil Innogames in etwa die Größe von gamigo besitzt (ca. 30 Mio. EUR).

Zahlen
Nach der Fokusänderung 2012 (keine Entwicklung eigener Spiele mehr – teuer, riskant) taugen die Geschäftszahlen der Vorjahre nicht mehr zum Vergleich. Der Umsatz 2012 ging damit auf unter 15 Mio. EUR zurück, dabei blieb ein EBIT von rund 1,5 Mio. EUR übrig. Im laufenden Jahr soll erlösseitig eine Steigerung um ca. 40% herausspringen, 2014 dann nochmals. Ein Zehntel als Marge vom Umsatz ergäben in etwa 3 Mio. EUR EBIT. In diesen Planzahlen wären potentielle Zukäufe aber bereits eingepreist. In Frage kommen vielversprechende Spieleentwickler oder etwas aus dem bestehenden Netzwerk an Developern, Merchandisern u.ä.

Die Eigenkapitalquote liegt aktuell noch bei soliden 47%, würde im Falle einer Vollplatzierung jedoch auf unter 20% sinken. Eine Kapitalerhöhung um 10% ist ‚pending‘ und aufgrund der laufenden Bond-Platzierung um einige Wochen verschoben. Sie wird Westermann auf 90% reduzieren und 10% Eignerschaft interessierten/institutionellen Investoren ermöglichen.

Fazit
Bei dieser Emission handelt es sich im wahrsten Sinne des Wortes um nichts ‚Handfestes‘: Das was gamigo verkauft, ist nur virtuell existent – was allerdings auch keine Lagerhaltung bedingt. Eine Besicherung wie bei Immobilienunternehmen sucht man hier natürlich vergebens. Gemessen daran sind 8,5% (bzw. 8,8%) im Bereich des Angemessenen – eine 9 vor dem Komma wäre auch nicht zu verachten gewesen. Ob die Emission vollständig durchgeht, wird nicht zuletzt von den gewählten Kapitalmarktpartnern abhängen. Interessant, aber nicht risikolos.

Falko Bozicevic

Anleiheübersicht – gamigo AG

WKN

A1T NJY

Erstnotiz

20. Juni

Zeichnungsfrist

5. bis 18. Juni 2013 (frühere Schließung möglich)

Ausgabepreis

100%

Kupon

8,8% p.a. effektiv, vierteljährliche Zahlung

Stückelung

1.000 EUR

Laufzeit

5 Jahre

Marktsegment

Entry Standard für Anleihen, Börse Frankfurt

Emissionsvolumen

bis zu 15 Mio. EUR

Rating/Unternehmen

B+ (Creditreform)

Banken/Sales

GBC Kapital

Internet

www.gamigo-anleihe.de

Geschäfts- und Kennzahlen – gamigo AG

 

2012

2013e

2014e

Umsatz*

14,9

21

30

EBIT*

1,5

0,0

3,0

Jahresüberschuss 1)

0,8

-0,5

1,0

*) in Mio. EUR
Quelle: Unternehmensangaben, BondGuide Research

Bewertung – gamigo AG

Wachstumsstrategie/Mittelverwendung:

****

Peergroup-Vergleich:

***

Kennzahlen (Zinsdeckung, Gearing o.Ä.):

***

IR/Bond-IR:

*****

Covenants:

***

Liquidität im Handel (e)

**

Fazit by BondGuide

**** (interessant/Chancen überwiegen)