
Wie soziale Medien das Anlageverhalten verändern – und warum rechtliche Klarheit für Kryptos und Klicks wichtiger wird
Kryptowährungen sind längst kein Randthema mehr. Bitcoin, Ethereum & Co. tauchen heute nicht nur in Wirtschaftsteilen auf, sondern auch in Instagram-Stories, YouTube-Videos oder Telegram-Chats. Der Einstieg ist einfach, der Reiz groß – und das Risiko oft schwer zu durchschauen.
Gerade junge Anlegerinnen und Anleger informieren sich zunehmend über soziale Medien. YouTube, TikTok oder Instagram ersetzen für viele das klassische Beratungsgespräch. Nach Zahlen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat mehr als die Hälfte der 18- bis 45-Jährigen bereits Finanzinformationen über soziale Medien bezogen. Sechs von zehn halten diese Kanäle sogar für eine ernsthafte Alternative zur professionellen Beratung.
Finfluencer: zwischen Aufklärung und Eigeninteresse
Eine zentrale Rolle spielen sogenannte Finfluencer. Sie erklären Finanzprodukte, kommentieren Marktbewegungen oder empfehlen konkrete Investments. Manche tun das sachlich und transparent. Andere hingegen bewegen sich in Graubereichen – fachlich wie rechtlich.
Das zeigt sich besonders deutlich bei Kryptowerten. Wer regelmäßig Finfluencer-Inhalte konsumiert, investiert deutlich häufiger in digitale Assets als Personen ohne diesen Einfluss. Laut BaFin hat fast jede zweite Person mit Finfluencer-Kontakt bereits in Kryptowerte investiert. Ohne diese Informationen liegt der Anteil bei nur 13%.
Die Mechanismen dahinter sind bekannt: hohe Renditeversprechen, emotional aufgeladene Erfolgsgeschichten und das Gefühl, etwas zu verpassen, wenn man nicht sofort handelt. Gerade im Kryptomarkt, der für viele ohnehin schwer verständlich ist, entfalten solche Botschaften eine starke Wirkung.
Hohe Gewinne – und hohe Verluste
Dabei sind Kryptowerte alles andere als berechenbar. Massive Kursschwankungen gehören zum Alltag. Ethereum verlor im Frühjahr 2025 innerhalb weniger Monate mehr als die Hälfte seines Wertes – nur um sich später fast wieder zu verdoppeln. Für erfahrene Investoren mag das Teil der Strategie sein. Für viele Privatanlegerinnen und Privatanleger endet diese Volatilität jedoch in empfindlichen Verlusten.
Hinzu kommen technische Risiken. Phishing-Angriffe, gestohlene Zugangsdaten oder Hackerangriffe auf Handelsplattformen haben in den vergangenen Jahren Schäden in Milliardenhöhe verursacht. Eine Einlagensicherung, wie man sie von klassischen Bankprodukten kennt, gibt es nicht.
Memecoins, Chat-Gruppen und künstlicher Zeitdruck
Besonders problematisch sind spekulative Produkte wie Memecoins. Ihr Wert basiert nicht auf einem Geschäftsmodell, sondern fast ausschließlich auf Aufmerksamkeit. Finfluencer können Kurse durch gezieltes ‚Hochhypen‘ oder plötzliche Abkehr massiv beeinflussen.
Ein weiteres Risiko sind exklusive Chat-Gruppen auf Telegram, WhatsApp oder Discord. Dort wird häufig mit aggressivem Ton und starkem Zeitdruck gearbeitet. Die BaFin veröffentlichte allein 2025 rund 100 Warnungen vor unseriösen oder betrügerischen Gruppen. Nicht selten stecken dahinter gezielte Täuschungen oder klassische Betrugsmuster.
BaFin warnt – und greift durch
Die Finanzaufsicht beobachtet diese Entwicklungen mit wachsender Sorge. BaFin-Präsident Mark Branson stellte klar: „Auch Finfluencer müssen mit uns rechnen.“ Zwar unterstehen sie nicht automatisch der Aufsicht. Wer jedoch Anlageberatung erbringt, konkrete Empfehlungen ausspricht oder Märkte manipuliert, kann sehr wohl gegen aufsichtsrechtliche Vorgaben verstoßen.
Mit dem Finanzmarktdigitalisierungsgesetz und der europäischen MiCAR-Verordnung wurde der rechtliche Rahmen für Kryptowerte Ende 2024 deutlich erweitert. Emission, Handel und Verwahrung digitaler Assets unterliegen nun strengeren Regeln. Das schafft mehr Sicherheit – beseitigt aber nicht alle Risiken, vor allem nicht im Zusammenspiel mit sozialen Medien.
Rechtliche Fragen nehmen zu
[…] Genau an dieser Schnittstelle setzt die Arbeit spezialisierter Kanzleien wie SBS Legal Rechtsanwälte Schulenberg & Partner an. Die Kanzlei berät und vertritt Mandanten in Fragen des Kapitalmarkt- und Anlegerschutzrechts und begleitet Akteure im Kryptoumfeld bei der rechtssicheren Ausgestaltung ihrer Geschäftsmodelle. Angesichts wachsender Regulierung und zunehmender Aufsicht gewinnt diese Beratung spürbar an Bedeutung.
Soziale Medien haben den Zugang zu Finanzmärkten demokratisiert – aber auch neue Risiken geschaffen. Wer sich von Klickzahlen und schnellen Versprechen leiten lässt, läuft Gefahr, teure Fehler zu machen. Im Kryptomarkt gilt mehr denn je: Information ersetzt keine Prüfung – und rechtliche Klarheit ist kein Luxus, sondern Voraussetzung für nachhaltige Entscheidungen.
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