E-Stream: „Spezialist für Energieeffizienz auf Akkubasis“

Der Ausgang der US-Wahl hat eine Art Gezeitenwende im Bereich sauberer Energien in Gang gebracht – oder wird diese zumindest nicht mehr weiter behindern. Die deutsche E-Stream sieht ganz neue Absatzmärkte in ihrer Funktion als ‚Distributor von Energieeffizienz‘. Wir sprachen noch einmal mit Geschäftsführer Thomas Krämer sowie Aufsichtsratsmitglied Stefan Hötte.

Herr Krämer, nachdem wir uns im vierten Quartal vergangenen Jahres gesprochen hatten, jetzt auch gleich eine Fortgeschrittenenfrage zum Einstieg: Was haben Tesla und E-Stream gemeinsam?
Krämer: Tesla wie auch E-Stream arbeiten beide mit Lithium-Ionen-Rundzellen. Die sind zwar aufwendiger zu verbauen, bieten aber deutliche bessere Leistungswerte als gewöhnliche prismatische Zellen. Diesen Vorteil nutzen Tesla wie auch wir.

Wie kann man sich die Unterschiede vorstellen? – Die Rohstoffe sind doch die gleichen.
Krämer: Es gibt unterschiedliche sogenannte Zellchemien, die hierbei zum Einsatz kommen. Bauartbedingt ist die Energiedichte bei Rundzellen viel höher. Der Nachteil ist, dass dies auch mehr Wärmeentwicklung bedeutet – diese muss man mit entsprechender Technologie abfangen bzw. vermeiden.

Vom technologischen Branchenprimus abzuschauen ist bekanntlich keine Schande: Wie löst Tesla das?
Krämer: Tesla hat seine Batterie-Packages inhouse entwickelt, und diese beinhalten auch schon die entsprechend notwendige Kühlung. Das ist allerdings recht gewichtsträchtig. E-Stream geht demgegenüber noch einen Schritt weiter bzw., wenn Sie so mögen, einen zurück in dieser Kette: Durch unsere Anordnung der Batteriezellen versuchen wir, die Abwärme gleich in ihrer Entstehung so gut es geht zu vermeiden. Was dann noch übrig bleibt, wird möglichst effizient abgeführt. Unsere Packaging-Systeme können aber noch viel mehr. Im Gegensatz zu Tesla sind unsere Zellen und die Platinen nicht miteinander verschweißt, sondern gesteckt. Somit ist es uns möglich, einzelne nicht mehr so leistungsfähige Rundzellen im System zu lokalisieren und diese auszutauschen. Damit erhöht sich die Lebensdauer der gesamten Systeme.

Sind in diesem Bereich tatsächlich Innovationen möglich?
Krämer: Das würde ich mit Ja beantworten, wenn das Ziel eine maximale Packungsdichte ist. Das haben wir bei E-Stream erreicht; somit ist es sozusagen Stand der Technik – mehr Packungsdichte geht nicht.

Wie steht es mit der Verfügbarkeit der Rohstoffe, die für den fortschreitenden Übergang zur E-Mobilität künftig zweifellos mehr denn je benötigt werden?
Krämer: Der Wettbewerb um diese Rohstoffe auf den internationalen Märkten ist bereits erkennbar – so viel lässt sich sagen. Aus diesem Grunde haben wir schon frühzeitig eine Kooperation mit einem asiatischen Produzenten gesichert, der unsere Zellen produziert. Dementsprechend sind wir aktuell in der Lage, bis zu 300.000 Zellen pro Tag zu liefern. Wichtig scheint mir in dieser Hinsicht, gleich daran zu denken, nicht nur an diese Rohstoffe zu kommen, sondern sich auch über ihre Wiederverwertbarkeit im Klaren zu sein. Mit der zunehmenden Verbreitung von Lithium-Ionen-Akkus wird dieses Thema jetzt akut. Deswegen ist das ebenfalls einer unserer Forschungs- und Entwicklungsschwerpunkte. Auch hier ist das Packaging-System von E-Stream momentan der weltweite Maßstab, denn durch die angesprochene Verbindung unserer Zellen untereinander sind unsere Systeme zweitverwertbar. Sie müssen sich das so vorstellen: Wegen der Leistungsspitzen brauche ich in einem Fahrzeug ein Batteriesystem, was oberhalb von 80% Leistung bringt. Nach einer gewissen Anzahl von Ladezyklen sind die Zellen, egal welcher Bauform, nicht mehr in der Lage, 100% Leistung zu bringen. Im Dauerbetrieb ohne Spitzen ist ein System mit 80% effizient nutzbar. Das bedeutet, dass die Zellen, die sich im Automotive-Bereich nicht mehr verwenden lassen, ohne Weiteres in einem Heim- oder Industriespeicher verbaut werden können. Das ist durch unsere einmalige Stecktechnologie machbar und ermöglicht also ein 100%iges Recycling unserer Systeme.

Über welche Lebensdauer eines Lithium-Ionen-Akkus sprechen wir denn ungefähr?
Krämer: Beim Einsatz in Fahrzeugen ist das Belastungsprofil natürlich ein anderes als beim erwähnten Heimspeichersystem. Es kommt zudem viel auf die individuelle Fahrweise an. Man geht heute davon aus, dass ein Lithium-Ionen-Akku bei Reduzierung seiner Leistungsfähigkeit auf 80% ausgedient hat und ein Austausch ansteht. Wer Lösungen anbietet, die diese Leistungsabnahme abzubremsen vermögen, kann ebenfalls Marktanteile gewinnen. Allgemein geht man heute im Betrieb von bis zu 1.000 Entlade- und Ladezyklen aus. In Laborversuchen haben wir indes schon knapp unter 2.000 Zyklen erreicht. Ich möchte es an einem Beispiel erläutern: Ein E-Fahrzeug hat eine Reichweite von 350 Kilometern, was heutzutage zum Glück langsam zu einem durchschnittlichen Wert wird – dann können Sie mit 1.000 Ladezyklen bis zu 350.000 Kilometer zurücklegen. Das wäre auch für jeden Verbrennungsmotor eine großartige Leistung. Durch die Batteriesysteme von E-Stream wird auch die E-Mobilität wettbewerbsfähiger.

Speziell nach dem ‚Regime Change‘ in den USA dieser Tage sind die Weichen in Richtung Klimaschutz seit diesem Jahr nochmals neu gestellt – wie schätzen Sie in dieser Hinsicht die Zunahme der Wettbewerbssituation ein?
Hötte: Nicht unbedingt im Hinblick auf Konkurrenz – vielmehr sehe ich einen gewaltigen Schub für alle Umweltthemen, und das ist auch gut so. Die USA treten unter Präsident Biden sogleich wieder dem Pariser Klimaschutzabkommen bei. Das wird Investitionen in Billionenhöhe nach sich ziehen, wie bereits in Aussicht gestellt. Dass die USA die vergangenen vier Jahre unter Trump mehr oder weniger verschlafen haben in dieser Hinsicht, hat nicht-amerikanischen Forschern wie auch uns einen zeitlichen Vorsprung verschafft. Ich sehe auch vor allem einen deutlich vergrößerten Absatzmarkt, weniger eine vergrößerte Konkurrenzlandschaft. Wir haben gerade nach Ausgang der US-Wahl Anfragen aus den USA nach E-Stream-Batteriezellen erhalten – und da geht es gleich um ‚etwas‘ größere Stückzahlen. Man sieht, dass auch die USA erkannt haben, dass es einen großen Absatzmarkt für Lithium-Ionen-Zellen gibt.

Ist Ihr Vertrieb denn international genug aufgestellt, um diese nunmehr zusätzlichen Absatzmärkte bedienen zu können – müssen Sie Kooperationen eingehen?
Hötte: Wir verpacken und verschicken nicht einzelne Batteriezellen an Privatpersonen. Wir sind nicht im B2C-, sondern im B2B-Markt tätig. Deswegen braucht man strategische Distributionspartner, speziell in fernen Ländern. Diese liefern und vertreiben dann wiederum an ihre Kunden. Eine Anfrage aus den USA, die ich gerade ansprach, ist genau in dieser Richtung aufgesetzt: E-Stream liefert eine größere Stückzahl an Batteriezellen an diesen Distributor, und dieser bedient wiederum seine Vertragspartner. Inzwischen sind wir bereits in den Vertragsdetails.

Im Gespräch mit fox e-mobility vor wenigen Wochen lernte ich einen weiteren interessanten Neuling in diesem Bereich kennen. Die liefern das Know-how, haben ein ausgereiftes Fahrzeugkonzept, fertigen aber nichts selbst. Wie muss man sich das bei E-Stream vorstellen, fertigen Sie selbst oder geben Sie lediglich in Auftrag?
Krämer: Sowohl als auch. Gewisse Komponenten fertigen wir selbst, andere lassen wir vorproduzieren und liefern. Wir setzen dann alles zusammen, haben auch einen wichtigen Teil unserer Wertschöpfungskette im eigenen Hause.
Hötte: Kleinfahrzeug basierend auf E-Stream-Akkuzellen: Tatsächlich ist dies auch eines unserer aktuellen Projekte – natürlich in Kooperation. Aber noch mal als Hintergrund für Ihr Verständnis: E-Stream würde ich Ihnen am ehesten als Spezialisten für Energieeffizienz auf Akkubasis beschreiben. Dies können einzelne Batteriezellen sein, passförmige Packungen für runde, ovale oder rechteckige, frei skalierbare Module, die eine Schnellladung ermöglichen. Diese Modul- oder ganze Batteriesysteme können wir dementsprechend auch an verschiedenste Anwendungsgebiete anpassen. Dies können Heim- und Industriespeicher sein, mit denen wir uns derzeit in der Zertifizierungsphase befinden, oder eben Energiespeicher für Fahrzeuge.

Nun hatten wir bei unserem ersten Gespräch schon über den Kapitalmarkt gesprochen. Überraschend unüberraschend zeitnah legen Sie nun bereits die Aktie auf – wie sehen die Pläne aus?
Hötte: Wir haben uns nunmehr zuerst der Eigenkapitalseite angenommen. Als Möglichkeiten standen Crowdinvesting oder auch ein Börsengang zur Diskussion. Entschieden haben wir uns für das Crowdfunding als erstem Schritt – es ist aber noch nicht angelaufen. Das eine schließt anderes auch nicht aus.

Thomas Krämer

Was würden Sie denn generell sagen: Ist E-Stream eher ein Eigenkapital- oder ein Fremdkapitalthema? Möglicherweise beides und die Weichenstellung muss sich erst noch erweisen?
Hötte: Aktuell sind wir in der Wachstumsphase, insofern adressieren wir nun an Eigenkapitalinvestoren unsere Equity Story. Das kann sich im weiteren Werdegang natürlich verändern. Wir sind davon überzeugt, dass unsere Aktie sehr viel Potenzial birgt. Wir arbeiten mit einer sehr fortschrittlichen Energiespeichertechnologie, die sich aufgrund der Verwendung von Lithium-Ionen-Rundzellen mit den Batteriespeichersystemen von Tesla vergleichen lässt und durch unsere Zellverbindungen untereinander sogar den Vorteil einer vollständigen Recycelbarkeit unserer Module und einer Wiederverwendung der genutzten Zellen ermöglicht. Ich glaube, es ist nicht zu vermessen, zu sagen, dass wir ein mittelständisches Unternehmen sind, das mit seiner Technologie überzeugt und mit Sicherheit eine überzeugende Equity Story möglich macht.

Stefan Hötte

Herr Krämer, Herr Hötte, herzlichen Dank für Ihre Zeit und die interessanten zusätzlichen Einblicke sowie das Update!

Das Interview führte Falko Bozicevic.

Fotos: @E-Stream, Pixabay, u.a.