
Statements der Fixed-Income-Experten von Insight zum aktuellen Marktgeschehen, u.a. zur Kluft der Anleiherenditen auf beiden Seiten des Atlantiks.
Zölle drohen, Märkte schauen weg – von Peter Bentley, Global Head of Fixed Income
Zwar wurden die strengsten Zölle kurzfristig ausgesetzt, doch die strukturelle Verschiebung hin zu einem Protektionismus der USA, der auf einem Basiszoll von 10% basiert, stellt ein wachsendes Risiko für die globalen Lieferketten, die Inflation und das Wachstum dar. Wir gehen davon aus, dass sich diese Gegenwinde ab dem Sommer verstärken und das Wachstum bis Anfang 2026 stagnieren wird. Die Aktienmärkte haben sich nach ihrem anfänglichen Einbruch stark erholt, was unserer Meinung nach zu einer gewissen Sorglosigkeit hinsichtlich der Aussichten geführt hat.
Eine Kluft zwischen den Anleiherenditen auf beiden Seiten des Atlantiks – von Harvey Bradley, Co-Head of Global Rates Investment
Wir glauben, dass die europäischen Anleihemärkte in den nächsten 12 Monaten in Bezug auf die Gesamtrendite hinter ihren US-Pendants zurückbleiben werden. Die EZB konnte ihren Lockerungszyklus vorziehen und ist nun der FED weit voraus. Wenn die FED 2026 aufholt, dürfte dies unserer Meinung nach für US-Anleihen mit einer Laufzeit von etwa zehn Jahren positiv sein. Die höheren laufenden Renditen an den US-Anleihemärkten würden in Verbindung mit dem Renditeanstieg zu einer deutlichen Outperformance für Anleger führen, die US-Anleihen halten.
Die Jagd nach Renditen verschärft sich – von April LaRusse, Head of Investment Specialists
Die Unternehmensgewinne bleiben robust, die Inflationsdaten stabilisieren sich und das Kapital fließt weiterhin in den Kreditmarkt. Bemerkenswert ist, dass im Mai ein Rekordvolumen an Euro-Emissionen verzeichnet wurde, das dem Niveau von April und Mai 2020 entspricht. Der Markt hat die Spreadausweitung des letzten Monats umgekehrt, und für den Sommer wird nun mit einem Rückgang des Angebots gerechnet. Dieses Umfeld dürfte die Jagd nach Renditen weiter verschärfen, zumal die absoluten Renditen im letzten Monat gestiegen sind. Infolgedessen dürften die Spreads weiter sinken, wobei die Prämien für Neuemissionen aufgrund des Kampfes der Anleger um Allokationen wahrscheinlich zurückgehen werden.
Zölle erfordern Sorgfalt bei Krediten – von Adam Whiteley, Head of Global Credit
Die Unsicherheit und die Unruhe rund um das neue Zollsystem sind offensichtlich groß, daher konzentrieren wir uns auf relative Werte und die Auswahl sicherer Titel, anstatt auf allgemeine Prognosen für die Kreditentwicklung. Die Auswirkungen der Zölle werden je nach Unternehmen sehr unterschiedlich sein. Viele Telekommunikations-Unternehmen beispielsweise verfügen über große Konzessionen in einem einzelnen Land oder einer kleinen Gruppe von Ländern, und die Menschen werden eher auf viele andere Dinge verzichten, bevor sie ihre Mobilfunkverträge kündigen. Diese Unternehmen werden daher unabhängig von der Entwicklung der Zölle tendenziell relativ stabile Cashflows aufweisen.
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