Antecedo warnt vor politischen Börsenrisiken

In den USA stehen Zwischenwahlen an

Trotz hoher Zinsen und geopolitischer Spannungen halten sich die Aktienmärkte nahe ihren Höchstständen. Antecedo sieht jedoch Risiken bei US-Schulden und Private Debt.

Starke Unternehmensgewinne stützen nach Einschätzung von Kay-Peter Tönnes, Gründer von Antecedo, weiterhin die Aktienmärkte. Kritisch werde es, wenn externe Schocks über steigende Zinsen und höhere Kreditausfälle die Ertragslage der Unternehmen belasteten. Die Inflation wirke zunächst sogar unterstützend, weil sie nominale Umsätze und Gewinne erhöhe. Erst zeitverzögert machten sich höhere Refinanzierungskosten bemerkbar. „Inflation ist ein süßes Gift“, warnt Tönnes.

Ein wesentliches Risiko sieht der Anlagestratege beim Refinanzierungsbedarf der USA. In den kommenden drei Jahren würden Staatsanleihen im Volumen von rund 16 Bio. USD fällig, die zu höheren Zinsen refinanziert werden müssten.

Politik als möglicher Auslöser

Trump will bis zu den Wahlen noch einmal alle Register ziehen

Einen möglichen Wendepunkt für die Börsen sieht Tönnes weniger in Konjunkturdaten als in politischen Entscheidungen. Die US-Zwischenwahlen könnten die Anreize für die Regierung verändern und Maßnahmen bei Energiepreisen, Konflikten oder der Fiskalpolitik auslösen.

Zudem rückt die US-Schuldengrenze näher – einmal mehr. Nach Angaben von Tönnes haben die Staatsschulden 40 Bio. USD überschritten; die Schuldengrenze liege bei 41,1 Bio. USD und könnte im Frühjahr 2027 erreicht werden. In diesem Umfeld seien auch ungewöhnliche politische Eingriffe denkbar, etwa in die Unabhängigkeit der US-Notenbank.

Auch die derzeit niedrigen Volatilitätsindizes hält Tönnes nicht für eine verlässliche Entwarnung. Der hohe Anteil kurzfristiger Optionen mit nur einem Handelstag Laufzeit – in den USA inzwischen mehr als 50% des Optionshandels – könne die gemessene Volatilität dämpfen. Bei überraschenden Ereignissen könne sie jedoch abrupt steigen. Bis Jahresende erwartet Tönnes deshalb mindestens einen spürbaren Volatilitätsschub.

Private Debt als unterschätztes Risiko

Antecedo setzt im Risikomanagement auf Optionsstrategien. Bei niedriger Volatilität seien Absicherungen vergleichsweise günstig, während bei stärkeren Schwankungen Strategien zur Vereinnahmung von Optionsprämien an Bedeutung gewinnen könnten.

Kay-Peter Tönnes, Antecedo AM

Als besonders unterschätztes Risiko nennt Tönnes den Markt für Private Debt, also außerbörsliche Kreditfinanzierungen. Das Segment sei groß und teilweise nur begrenzt reguliert. Seine mögliche Systemrelevanz werde unterschätzt, warnt der Risikospezialist. In einem wirtschaftlichen Abschwung könnten Kreditausfälle entsprechend starke Auswirkungen entfalten.

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