Echte Alternative zu Aktien – Hochzinsanleihen bringen Balance ins Portfolio

Christophe Bernard

Gemäß der alten Börsenweisheit „mit Aktien gut essen, mit Anleihen gut schlafen“ stehen Staatsanleihen gleichbedeutend mit einer sicheren Anlage. Doch in Zeiten leerer Kassen nimmt der Wert von Staatsgarantien rapide ab. Darüber hinaus sind die Zinsen extrem niedrig. Die Anleger sehen sich zunehmend nach Alternativen wie hochverzinslichen Titeln um.

Anleger konnten in den längst vergangenen goldenen Börsenjahren problemlos gute Renditen erzielen, indem sie mit den Märkten „segelten“. Diese Zeiten sind vorbei. Heute geht es darum, möglichst „robuste“ Portfolios zu zimmern, um die Möglichkeit großer Verluste zu begrenzen und neue Renditequellen zu erschließen.

In dieser Situation bieten sich hochverzinsliche (High Yield) Anleihen an. Welches sind die Hauptmerkmale dieser Papiere? Hochverzinsliche Anleihen werden von Unternehmen mit einer relativ niedrigen Kreditwürdigkeit ausgegeben. Konkret bedeutet dies, dass die Kreditbewertung solcher Gesellschaften unterhalb der Investmentgrade-Schwelle liegt.

Ausfallrisiko relativ bescheiden
Die Rendite, die ein Anleger mit einer hochverzinslichen Unternehmensanleihe erzielt, ist in der Regel deutlich höher als bei einer Staatsanleihe mit gleicher Laufzeit. Diese zusätzliche Rendite bezeichnet man als Spread oder Risikoprämie. Sie kompensiert die zusätzlichen Risiken, die ein Investor mit dem Kauf einer risikoreicheren Unternehmensanleihe eingeht.

Generell gilt: Vor dem Kauf von hochverzinslichen Anleihen sollten sich Anleger ein Bild über die Ausfallrisiken, also die Möglichkeit eines Zahlungsausfalls, machen. Die Preise für europäische Unternehmensanleihen spiegeln gegenwärtig die Annahme einer Ausfallquote von rund 7% wider. Dies scheint aber deutlich übertrieben. Die Ausfallrate gemäß Moody’s per Ende Dezember 2012 befand sich mit 1,8% in der Nähe eines Rekordtiefs. Der historische Durchschnitt der Ausfallquoten liegt zwischen 4 und 5%. Wir rechnen für die nächsten Monate nicht mit einem Anstieg der Ausfallraten auf über 4%.

Appetit auf Unternehmensanleihen wächst
Das Interesse an hochverzinslichen Anleihen ist nicht neu. Im Jahr 2012 zeigten die Kreditmärkte – eine Anlageklasse, die nach unserem Verständnis vor allem Unternehmens- und Schwellenländeranleihen umfasst – einen Aufwärtstrend, wie er seit 2009 nicht mehr zu beobachten war: Der Merrill-Lynch-Referenzindex für europäische Unternehmensanleihen beispielsweise legte um 14% zu.

Die Chancen stehen gut, dass Unternehmensanleihen weiterhin an Wert gewinnen, wenn auch nicht mehr im gleichen Umfang wie 2012. Die Spreads, die 2012 bereits deutlich zurückgekommen sind, dürften sich weiter zurückbilden. Im Moment betragen die Renditeaufschläge im Durchschnitt rund 450 Basispunkte, was immer noch relativ attraktiv erscheint.

Unternehmen bauen Schulden ab

Beim Umgang mit Schulden könnten sich viele Staaten an den Unternehmen ein Beispiel nehmen. Ein Vergleich zwischen den US-amerikanischen Staatsschulden im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt und den Unternehmensschulden im Verhältnis zum US-BIP zeigt, dass die amerikanischen (Nicht-Finanz-)Firmen in den vergangenen Jahren ihre Bilanzen gestärkt haben. Auch die Emittenten von Hochzinsanleihen waren nicht untätig. Bei ihnen standen in den Jahren nach der Finanzkrise von 2008/2009 Schuldenabbau, Verlängerung der Laufzeiten der Verbindlichkeiten sowie Aufbau von Bargeldbeständen im Vordergrund.

Wachsender Markt, breites Spektrum
Der Markt für Unternehmensobligationen bietet ein breites Spektrum an Emittenten, Branchen sowie Rating-Kategorien. Das größte Angebot an Hochzinsanleihen besteht nach wie vor in den USA. Aber auch in Europa nimmt das Angebot schnell zu, unter anderem weil Unternehmen sich zunehmend am Anleihemarkt anstatt über Bankenkredite finanzieren. Im abgelaufenen Jahr beliefen sich die Neuemissionen von europäischen Hochzinsanleihen auf rund 35 Mrd. EUR. In diesem Jahr wird das Volumen von der Deutschen Bank auf 50 Mrd. EUR geschätzt.

Auswahl und Diversifikation
Natürlich muss der Anleger die Emittenten von Hochzinsanleihen genau unter die Lupe nehmen. Die Herausforderung besteht darin, gut rentierende Anleihen von Emittenten, die nicht bankrottgehen werden, zu finden. Attraktiv erscheinen gegenwärtig beispielsweise ausgesuchte Finanztitel wie die nachrangige Anleihe von Axa (Kupon 5,78%) sowie Assicurazioni Generali mit Laufzeit 2024 (Kupon 10,125%). Solche Anleihen sollten dank ihrer immer noch hohen Spreads auch nicht sonderlich durch möglicherweise steigende Zinsen beeinträchtigt werden. Auch einige Titel deutscher Emittenten wie die 2017er Anleihe von HeidelbergCement (Kupon 8%) sowie das 7,5%-Papier von Unitymedia mit Laufzeit 2017 sind interessant. Insgesamt sollten Investoren ein breit gestreutes High-Yield-Portfolio kaufen – Diversifikation ist ein Kernelement des Kreditrisikomanagements.

Fazit: als Beimischung attraktiv
Unter dem Blickwinkel der Zusammenstellung eines robusten Portfolios erscheinen hochverzinsliche Unternehmensanleihen attraktiv. Sie sind zwar riskanter als Staatsanleihen, bieten aber Aussichten auf höhere Renditen als Investment Grade-Unternehmensanleihen. Auch aktienähnliche Renditen sind möglich, und das mit deutlich geringerem Risiko und niedrigeren Schwankungen als bei Aktienanlagen. High-Yield-Anlagen sind also eine Ergänzung zu Investmentgrade-Firmenanleihen und eine echte Alternative zu Aktien.

Von Christophe Bernard, Chefstratege, Bank Vontobel
Ursprünglich erschienen im Special "Anleihen 2013" des GoingPublic Magazins.