KTG Energie: Mitgehangen, mitgefangen? – KTG-Wertpapiere im Abwärtssog nach verzögerter Zinszahlung von KTG Agrar

Biogasanlage
Foto @ KTG Energie AG

Die KTG Agrar SE kann fällige Anleihezinsen erstmals nicht pünktlich bezahlen. Aktie und umlaufende Bonds des Agrarkonzerns brechen am Vormittag erwartungsgemäß massiv ein. Aber auch die Biogastochter KTG Energie wird in Sippenhaft genommen.

Dabei versicherte KTG-Energie-CEO Dr. Thomas Berger mit präventiver Krisen-IR unmittelbar nach der neuerlichen Hiobsbotschaft der Muttergesellschaft, dass der Biogasspezialist „von der aktuellen Diskussion um die Refinanzierung der KTG Agrar SE nicht unmittelbar betroffen ist; insbesondere haftet die KTG Energie AG nicht für Verbindlichkeiten der KTG Agrar SE.“

Mit über 52% des ausstehenden Aktienkapitals Mehrheitseigner von KTG Energie liefert KTG Agrar weiterhin unverändert zuverlässig zu fix vereinbarten Konditionen die Substrate für Biogasanlagen, betonen die Hamburger. Daran solle auch nicht gerüttelt werden.

Finanzielle Verflechtungen zwischen Mutter- und Tochtergesellschaft bestehen natürlich, allerdings würden sich aus diesen keine unkalkulierbaren Risiken ergeben: Seit dem Geschäftsjahr 2014/15 wurden die Verbindlichkeiten gegenüber KTG Agrar weiter reduziert. Außerdem könnten noch offene Forderungen gemäß des mit der KTG Agrar geschlossenen Darlehensvertrages nicht unmittelbar fällig gestellt werden, so die Hamburger weiter.

KTG EnergieDerweil sehe Dr. Berger das Potenzial, die bis September 2018 laufende 7,25%-Anleihe im ausstehenden Volumen von 50 Mio. EUR spätestens 2017 vollständig durch eine zinsgünstigere Refinanzierung abzulösen. Berger: „Auf Basis des aktuellen Anlagenportfolios haben wir für das aktuelle Jahr bereits einen Umsatz von über 90 Mio. EUR und ein EBITDA von bis zu 28 Mio. EUR gesichert.“

Bei KTG Agrar zogen zuletzt dunkle Wolken auf, nachdem sich im Jahresabschluss 2015 so nebenbei herausstellte, dass die beiden umlaufenden Bonds im Vorjahr deutlich aufstockt wurden – somit auch die Finanzverschuldung. Reine Anleiheverbindlichkeiten werden im 2015er Geschäftsbericht mit 392,2 Mio. EUR angegeben, wovon allein über 250 Mio. EUR genau in einem Jahr fällig werden.

Bilanz 2015 KTG AgrarDer KMU-Anleihemarkt zweifelt aktuell auch infolge der vergleichsweise intransparenten Einbindung der Öffentlichkeit an der Refinanzierungsfähigkeit des Agrarkonzerns. In diesem Zusammenhang scheinen auch die oft bemühten stillen Reserven von KTG in den Fokus zu rücken – deren Werthaltigkeit wird arg angezweifelt. Oder warum muss KTG im aktuellen Niedrigzinsumfeld seine relativ teuren Unternehmensanleihen aufstocken, statt sich zinsgünstig über Banken etc. zu refinanzieren?

KTG IIDiese Zweifel erhielten am Morgen mit der Ankündigung von KTG Agrar, wonach die fälligen Zinsen für die 250 Mio. EUR schwere 7,125%-Unternehmensanleihe (2011/17) (Chart siehe links) nicht fristgerecht bezahlt werden können, neue Nahrung. Siehe hierzu auch das BondGuide-Interview mit KTG-Agrar-Chef Siegfried Hofreiter vom 30. Mai 2016.

Auf Nachfrage von BondGuide, ob es sich angesichts der bislang „nur“ zeitlich ausgesetzten Zinszahlung technisch gesehen um einen „Default“ handelt, erklärte Creditreform, dass gegenwärtig zunächst eine Stellungnahme von KTG Agrar hierzu eingeholt und im Anschluss daran eine Überprüfung der aktuellen Bonitätseinstufung mit möglichem Rating-Update vorgenommen werde.

Kurse- und Chartverlauf der genannten KMU-Anleihen finden Sie hier. Zum BondGuide Musterdepot geht’s hier.

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