Europa im Quantencomputing-Rennen: Kapital und Tempo zählen jetzt

Daiva Rakauskaitė* mahnt: Europa muss bei Quantencomputing regulatorische Hürden abbauen und mehr privates Kapital mobilisieren.

Laut Daiva Rakauskaitė ist Europa im Bereich Quantencomputing aktuell stark unterfinanziert: Nur rund 5% des privaten Kapitals fließen in europäische Start-ups, während US-Unternehmen etwa 50% der Mittel erhalten. Gleichzeitig steigen das Interesse und die Fondsaktivität: So hat die in Paris basierte Quantonation kürzlich einen überzeichneten 220 Mio. EUR Fund für Quanten-Start-ups gestartet, während der dänische Fonds 55North im Vorjahr 300 Mio. EUR für die Branche bereitstellte.

Rakauskaitė betont, dass die geplante Quantum Act der Europäischen Kommission ein notwendiger Schritt ist, aber allein nicht ausreicht. „Europa darf den Wettlauf nicht passiv verfolgen“, so die Expertin. Start-ups müssten frei agieren können, um regulatorische Belastungen zu vermeiden, da der Markt noch in der Entstehung ist. Eine zu frühe Regulierung würde das Wachstum nur bremsen.

Die Chancen sind groß: McKinsey schätzt, dass die drei Kernfelder der Quanten-Technologie – Computing, Kommunikation, Sensing – bis 2035 weltweit 97 Mrd. USD Umsatz generieren könnten. Quantencomputing könne Branchen von Materialforschung über Finanzen bis hin zu Cybersecurity transformieren, gleichzeitig aber bestehende Verschlüsselungssysteme langfristig bedrohen. Europa müsse deshalb jetzt sowohl Post-Quantum-Sicherheitslösungen entwickeln als auch die aussichtsreichsten kommerziellen Anwendungen identifizieren.

Quantencomputing auf dem Sprung

Rakauskaitė sieht eine solide Basis für ein führendes europäisches Ökosystem: Spitzenuniversitäten, technisches Talent, öffentliche Förderprogramme und eine starke industrielle Basis. Nun gelte es, diese Ressourcen in Unternehmen zu überführen, die vom Labor in den Markt kommen. Dazu sei deutlich mehr privates Kapital nötig, etwa durch freiwillige Kanalisierung von Mitteln aus Pensions- und Stiftungsfonds in Venture Capital. Öffentliche Fördermittel bleiben dabei weiterhin zentral und sollen neue Start-ups hervorbringen, die später für private Investoren interessant werden.

Aneli Capital unterstützt Start-ups in der CEE-Region aktiv, insbesondere in den Bereichen ICT, Robotik, Energie, Photonik und Smart Manufacturing, und hilft Gründern bei nachhaltigem Wachstum und Investorenbindung.

Daiva Rakauskaitė

*) Daiva Rakauskaitė, CFA, ist Partner und Fund Manager bei Aneli Capital. Aneli Capital unterstützt Start-ups in der CEE-Region aktiv, insbesondere in den Bereichen ICT, Robotik, Energie, Photonik und Smart Manufacturing, und hilft Gründern bei nachhaltigem Wachstum und Investorenbindung.

——————-

Unsere neueste BondGuide-Jahresausgabe „Finanzierung im Mittelstand 2025“ kann jetzt vollkommen kostenfrei gelesen und heruntergeladen werden. Daneben können auch unsere weiteren Nachschlagewerke wie bisher als kostenlose E-Magazine bequem heruntergeladen, gespeichert & durchgeblättert werden.

Bitte nutzen Sie für Fragen und Meinungen Twitter – damit die gesamte Community davon profitiert. Verfolgen Sie alle Diskussionen & News zeitnaher auf Twitter@bondguide !