„Was erlauben Scholz?!“ – Kurstechnisch ist der Scholz-Bond bereits „geschrottet“ – in Kürze steht also „Anleihe-Recycling“ an?!

Scholz Holding GmbH: Investorenprozess für Scholz Holding GmbH gewinnt an Dynamik
Scholz-Bond: Kurstechnisch „geschrottet“ – in Kürze
also „Anleihe-Recycling“?! Foto: Scholz Holding GmbH

Schwere Zeiten für Scholz: Die Recyclinggruppe muss ihre Schulden restrukturieren – vorher gibt’s kein frisches Geld von potenziellen Neuinvestoren. In diesem Zusammenhang werden wohl auch die Bondholder um einen Sanierungsbeitrag gebeten. Wie dieser aussehen wird, erfahren Bondholder in Kürze auf den angesetzten AGV-Terminen in Wien.

Nachdem der angeschlagene Konzern seit nunmehr über zweieinhalb Jahren an seiner operativen Restrukturierung und Neuausrichtung feilt, sieht sich Scholz nun gezwungen, auch seine Passivseite von der erheblichen Schuldenlast (~900 Mio. EUR Finanzschulden in H1/2015) inklusive „Anleihe-Recycling“ zu befreien. Erst nach einer erfolgreichen „Entrümpelung“ der Passivseite könnten sich potenzielle Neuinvestoren einen Einstieg vorstellen, so Scholz in einer Erklärung Mitte Januar.

Hierfür werden wohl auch die Inhaber der ausstehenden 8,5%-Unternehmensanleihe (2012/17) über nominal 182,5 Mio. EUR – immerhin gut ein Fünftel des Konzernschuldenbergs – zur Kasse gebeten.

Inzwischen hat die zur Kuratorin der Scholz-Anleihe bestellte Dr. Ulla Reisch die Bondholder für den 9. und 16. Februar zu einer Tagsatzung nach Wien eingeladen – ein gemeinsamer Anleihevertreter ist nicht vorgesehen, da der Bond nach österreichischem Recht begeben wurde und das deutsche SchVG insofern keine Anwendung findet.

Bei den Treffen im nicht gerade nahegelegenen Wien werden die Anleihegläubiger neben der Wahl von Vertrauensmännern über den Status quo und geplante Restrukturierungsmaßnahmen informiert.

Wie letztere konkret ausgestaltet werden bzw. wie stark Bondholder bluten werden müssen, ist noch nicht bekannt. Wie bei allen Schieflagen ist jedoch davon auszugehen, dass die Anleihebedingungen dahingehend geändert werden, dass sich Bondholder mitunter mit etwaigen Zahlungsstundungen, Kuponreduzierungen, Laufzeitverlängerungen, Verzicht auf Kündungsrechte, Schuldenschnitt oder ähnlichen Maßnahmen abfinden sollen. Als Kuratorin ist Frau Dr. Reisch zudem nicht an etwaige Gläubigerbeschlüsse gebunden. Vielmehr hat sie die Interessen aller Gläubiger gleichermaßen zu berücksichtigen und dann eine eigene Entscheidung zu treffen.

Scholz Holding GmbH: Ausfall der Anleihe möglichNach Meinung von Kapitalmarktexperten, die auch eine kostenlose Vertretung bei den Treffen anbieten, werde wohl eine weitgehende Enteignung der deutschen Anleihegläubiger – unter Ausnutzung ausländischer Rechtsordnungen – angestrebt. Dass mittlerweile selbst Anleihegläubiger faktisch eine Totalenteignung einpreisen, zeigt der Blick auf den Verlauf der Scholz-Anleihe, die kurstechnisch bereits „geschrottet“ ist: So stürzte das Wertpapier allein seit Jahresbeginn um über 80% auf Ramschniveau bei nur noch 8,25% ab.

Spätestens zu bzw. nach den jeweiligen AGV-Terminen werden Anleihegläubiger und Medien mehr wissen – welche Anleiherestrukturierungsmaßnahmen konkret angepeilt werden, welcher Konsens – wenn überhaupt?! – dafür unter den Beteiligten/Betroffenen gefunden werden kann und schließlich, welche Reaktionen von den Anleihegläubigern im Nachgang zu erwarten sind. Fest steht schon jetzt: Zuversicht sieht anders aus!

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