„Unser größter Albtraum ist es, bei Discountern zu landen“

Dirk Reichert, Geschäftsführer, Laurèl GmbH

Die Textilindustrie mausert sich zu einer der am stärksten vertretenen Branchen am Markt für Mittelstandsanleihen. Mit der heute begonnenen – und nach Überzeichnung nach kurzer Zeit gleich wieder geschlossenen – Zeichnungsfrist für eine 20.-Mio.-EUR-Anleihe (Kupon: 7,125%) gesellt sich der Münchener Damenmodehersteller Laurèl zu Seidensticker, eterna und Steilmann-Boecker. Im Interview mit BondGuide erläutert Geschäftsführer Dirk Reichert, wo sich Laurèl auf dem Modemarkt positioniert, und was mit dem Emissionserlös aus der Anleihe passieren soll.


Interview mit Dirk Reichert, Geschäftsführer, Laurèl GmbH

BondGuide: Herr Reichert, können Sie kurz die Marke Laurèl beschreiben?
Reichert: Wir wurden 1978 von Escada gegründet und zunächst als Profit Center gesteuert. 2004 wurde Laurèl in die Primera-Gruppe eingebracht, 2009 gemeinsam mit der Primera-Gruppe aus der Escada herausgekauft und nun in diesem Jahr unterhalb der Endurance Fashion Group GmbH verselbständigt. Laurèl versteht sich als internationale Premiummarke für Damenoberbekleidung.

BondGuide: Was ist darunter zu verstehen?
Reichert: Unsere Mode soll für die gut situierte und modisch interessierte Frau mit Anspruch an Qualität und Passform noch erschwinglich und gleichzeitig modisch attraktiv sein. Wir sehen uns unterhalb von Luxusmarken wie Chanel, Louis Vuitton oder Dior. Wir bewegen uns an der Grenze zwischen Premium- und Designer-Mode.

BondGuide: Wie unterscheiden Sie sich von anderen Marken dieses Segments?
Reichert: Laurèl ist eine sehr internationale Marke. Wir erzielen 50% unseres Umsatzes außerhalb von Westeuropa. Die anderen Marken in unserem Segment sind wesentlich stärker auf eine Region konzentriert. Wir sind dagegen bereits stark in den Märkten Russland, China, Osteuropa und auch in Südeuropa vertreten und sehen dort weiterhin großes Wachstumspotenzial.

BondGuide: Wie sieht heute die Unternehmensstruktur von Laurèl aus?
Reichert: Kurz vor der Insolvenz von Escada kaufte die Endurance Capital Group den Unternehmensteil Primera, zu dem damals auch die Marke Laurèl gehörte. Seit Mai dieses Jahres ist die Laurèl GmbH eine eigenständige Tochter der Endurance Fashion Group. Diese gehört zu 70% zu Endurance Capital. An dieser GmbH halte ich 15%.

BondGuide: Wofür soll das Geld aus der Anleihe genau verwendet werden?
Reichert: Innerhalb der nächsten fünf Jahre planen wir, rund 40 neue eigene Shops zu eröffnen – derzeit sind es zehn. Für fünf neue Läden sind bereits die Mietverträge abgeschlossen: Wien, Shanghai und Amsterdam werden noch in diesem Jahr öffnen,  Düsseldorf und Berlin 2013. Für die 40 Shop-Öffnungen – drei Viertel davon werden in Asien sein – rechnen wir mit einem Investitionsvolumen von 10 Mio. EUR.

BondGuide: Welche Renditevorgaben gelten für die eigenen Shops? Immerhin zahlen Sie für die Anleihe 7,125%…
Reichert: Die bestehenden Shops erzielen Renditen von 8 bis 10%. Wenn neue Filialen in unseren Planrechnungen diese Zielvorgaben nicht erfüllen, verfolgen wir das Projekt nicht weiter.

BondGuide: Wenn Sie wie geplant 10 Mio. EUR in neue Shops investieren, sind bei Vollplatzierung der Anleihe noch weitere 10 Mio. EUR übrig. Was soll damit passieren?
Reichert: Auch im Wholesale-Bereich – also mit Shop-in-Shops in Warenhäusern wie Galeries Lafayette oder KaDeWe – und mit eigenen Outlets wollen wir wachsen. Ein weiteres Wachstumsfeld ist der E-Commerce: Wir haben in diesem Jahr unseren Online-Shop eröffnet und sind auch ab F/S 2013 zunächst nur auf dem Shopping-Portal Zalando vertreten. Insgesamt planen wir, unseren Umsatz bis zum Geschäftsjahresende 2016/17 im Vergleich zu 2010/11 auf 80 Mio. EUR mehr als zu verdoppeln.

BondGuide: Ist das Internetgeschäft für Sie als Premiummarke nicht auch mit Risiken verbunden?
Reichert: Es ist zum großen Teil ein Vorordergeschäft, das Risiko trägt also der Zwischenhändler. Allerdings beobachten wir genau, zu welchen Preisen und auf welchen Kanälen unsere Ware angeboten wird. Unser größter Albtraum ist es, bei Discountern zu landen.

BondGuide: Käme für Ihre Wachstumspläne nicht eher eine Aufnahme von Eigenkapital in Frage?
Reichert: Wir haben auch über die Option eines Börsengangs gesprochen, fühlen uns dafür aber zu klein. Auf absehbare Zeit ist das nicht geplant.

BondGuide: Bei einer Bilanzsumme von 17 Mio. EUR sind 20 Mio. EUR zusätzliches Fremdkapital eine Menge Geld. Wie wollen Sie die Anleihe refinanzieren?
Reichert: Wir gehen davon aus, dass wir mindestens 10 Mio. EUR aus dem Cashflow refinanzieren können. Für den Rest gibt es verschiedene Optionen. Wenn Sie sich unsere Bilanz anschauen, stehen dort kaum Bankschulden. Die uns bis heute zur Verfügung stehenden Kreditlinien über 8 Mio. EUR mit unserer Hausbank haben wir bislang überwiegend ungenutzt gelassen.

BondGuide: Herr Reichert, vielen Dank für das interessante Gespräch.

Das Interview führte Oliver Bönig.

Anleiheübersicht – Laurèl GmbH

WKN

A1R E5T

Erstnotiz

vsl. 16. November

Zeichnungsfrist

ab 29. Oktober (vorzeitig geschlossen)

Kupon

7,125%

Stückelung

1.000 EUR

Laufzeit

5 Jahre

Marktsegment

Entry Standard (Börse Frankfurt)

Emissionsvolumen

bis zu 20 Mio. EUR

Rating

BBB (Creditreform)

Banken/Sales

CBS/Donner & Reuschel

Internet

www.laurel.de

Geschäfts- und Kennzahlen – Laurèl GmbH

 

2011

2012

2013e

2014e

Umsatz *)

39

18**

37

42

EBITDA *)

4,9

1,6

2,6

2,9

EBIT *)

2,2

1,4

1,,9

2,0

*) in Mio. EUR
**) Rumpf-Geschäftsjahr (1.11.2011-30.04.2012)
Quelle: Close Brothers Seydler Research, Unternehmensangaben

Bewertung – Laurèl GmbH

Wachstumsstrategie/Mittelverwendung:

***

Peergroup-Vergleich:

****

Kennzahlen (Zinsdeckung, Gearing o.Ä.):

***

IR/Bond-IR:

****

Covenants:

***

Liquidität im Handel (e)

***

Fazit by BondGuide

*** (interessant – Chancen/Risiken ausgeglichen)