Trends 2014: Bewährungsprobe für Mittelstandsanleihen?

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Panthermedia / Daniel Guffanti

Obwohl die Aktienmärkte 2013 immer mehr an Fahrt gewannen, war das Interesse an IPOs unverändert gering. Vor allem kleinere Unternehmen scheuten den Gang an die Börse. Dagegen haben sich die Anleihen mittelständischer Unternehmen mittlerweile als wichtige Säule in der Unternehmensfinanzierung etabliert. Nach dem Boom im 1.Halbjahr flaute das Interesse an einem IBO nach der Sommerpause etwas ab. Experten erwarten 2014 eine ähnliche Marktentwicklung wie in diesem Jahr.

Der Boom bei Anleihen mittelständischer Unternehmen hielt 2013 weiter an. Besonders im 1. Halbjahr umwarben eine große Zahl neuer Bonds die Anleger. Im 2. Halbjahr erwiesen sich dann allerdings viele negative Nachrichten von Emittenten als Belastungen für den Markt. Zudem gab es weitere Zahlungsausfälle und Insolvenzen. „Positiv war sicherlich, dass mehr Anleihen platziert wurden und sich der Markt professionalisiert hat, andererseits stimmt mich skeptisch, dass schon jetzt zehn Emittenten solcher Bonds Insolvenz anmelden mussten“, resümiert Peter Thilo Hasler, Analyst der Spehne Capital GmbH, das Jahr 2013. „Einige Marktteilnehmer haben ihre Hausaufgaben nicht gemacht: Rating-Agenturen und die zuständigen Analysten ließen sich vom Management blenden, obwohl vor allem bei getgoods.de die Warnlampen längst hätten blinken müssen.“

Trotz solcher Defizite nahm jedoch das Interesse mittelständischer Unternehmen an einer Fremdkapitalaufnahme über den Kapitalmarkt weiter zu. „Das zurückliegende Jahr bestätigt damit, dass Mittelstandsanleihen weiteres Potenzial haben“, betont Thomas Dierkes, Vorstand der Börse Düsseldorf AG. Positiv für den Markt sei auch, dass im November zwei weitere Fonds für Mittelstandsanleihen aufgelegt wurden. „Einer kommt von KFM in Kooperation mit Warburg Invest und einer von Robus. Die Fondsmanager glauben offenbar an eine positive Marktentwicklung“, so Dierkes.

Investoren werden noch stärker selektieren
Viele Experten gehen davon aus, dass 2014 ein wichtiges Jahr für Mittelstandsanleihen werden könnte. „Alle Beteiligten müssen aus den zurückliegenden Monaten lernen und eventuell Korrekturen vornehmen“, empfiehlt Dierkes. „Neben möglichen Adjustierungen der Regelwerke sollte ein größeres Augenmerk auf einer offenen Kommunikation zum Vorteil der Investoren liegen.“ Bei ihrer Auswahl werden die Investoren mögliche Kandidaten noch genauer unter die Lupe nehmen. „Die Spreu trennt sich vom Weizen“, vermutet Fabian Lorenz, Berater der Agentur IR.on AG. „Solide Unternehmen werden weiterhin erfolgreich Anleihen platzieren können.“ Dass der Markt durch eine stark zunehmende Zahl an Ausfällen insgesamt beschädigt wird, gilt jedoch als wenig wahrscheinlich. „Wir gehen davon aus, dass sich die Mittelstandsanleihe als dritte Säule der Unternehmensfinanzierung neben Eigenkapital und Bankkredit etabliert“, sagt Ralf Meinerzag, Chief Investment Officer der Steubing AG. Bei den notierten Anleihen seien sicherlich noch einige Ausfälle möglich „Wichtig ist aber, dass die Öffentlichkeit lernt zu differenzieren und nicht wegen einiger schwarzer Schafe das gesamte Segment in Sippenhaft nimmt“, wünscht sich Meinerzag.

Trotz der Probleme gehen Kapitalmarktexperten davon aus, dass sich bei neuen Mittelstandsanleihen der positive Trend von 2013 fortsetzen wird. „Das Umfeld hat sich nicht geändert: Banken sind nach wie vor zurückhaltend bei Neuengagements, Börsengänge werden es auch 2014 schwer haben, so dass für das kommende Jahr mit einer ähnlichen Anzahl an Emissionen wie 2013 zu rechnen ist“, prognostiziert Hasler. Viele Marktbeobachter stellen mittlerweise allerdings Klasse vor Masse: „Aus unserer Sicht geht es nicht um ein ‚immer mehr‘, sondern um ein ‚immer besser’“, argumentiert Meinerzag. „Wenn sich diese Einschätzung allgemein durchsetzt, werden wir 2014 weniger IBOs sehen. Für die Stabilität und Entwicklung des Segments macht es aber mehr Sinn, wenn 30 solide strukturierte Anleihen auf den Markt kommen.“

Solide Unternehmen nicht leicht zu erkennen
Wer sich eine Mittelstandsanleihe mit 8% kauft, hat größere Risiken im Depot als jemand, der sich eine Bundesanleihe zulegt. „Erfahrungsgemäß halten sich dauerhaft profitable Unternehmen mit guter Marktstellung, einem Bestseller im Produktportefeuille, einem visionären Top-Management und hohen Markteintrittsbarrieren nicht nur für kurze Zeit an der Spitze ihrer Branche“, weiß Hasler. Um das zu erkennen, ist aber nicht nur ein intensives Studium der Unterlagen, sondern auch spezielles Know-how erforderlich. „Es bedarf sehr viel Erfahrung im Lesen von Bilanzen, Geschäftsberichten und der Anleihebedingungen, um eine seriöse Beurteilung vornehmen zu können“, hat Max Schott, Geschäftsführer bei Sand und Schott, festgestellt. „Unmittelbar höhere Risiken entstehen bei Projektfinanzierung, Restrukturierungen, geringer Eigenkapitalquote und einer zu engen Marge bei der Profitabilität.“ Eine Bewährungsprobe für das Segment ist sicherlich die anstehende Refinanzierungswelle. „2014 werden acht Anleihen mit einem Volumen von 352 Mio. EUR fällig“, weiß Meinerzag. „Da mittelfristig ein Anstieg des Leitzins zu erwarten ist, wird sich die Refinanzierung für die Unternehmen verteuern.“

Fazit
Die Voraussetzungen sind gut, dass sich Aktien- und Anleihemärkte im nächsten Jahr weiter positiv entwickeln werden. Mittelstandsanleihen werden auch 2014 für viele Unternehmen eine attraktive Finanzierungsform sein. Wichtig ist hier allerdings, dass die Emittenten mehr dafür tun, um das Vertrauen der Anleger zu stärken. Ein Prüfstein für den Markt dürfte zudem sein, wie die betroffenen Unternehmen 2014 ihre erste Refinanzierungswelle bewältigen werden.

Thomas Müncher