„Operatives Risiko seit Begebung der ersten Anleihe klar gesunken“ – Doppelinterview mit Stefan Dürr und Wolfgang Bläsi, Ekosem

Innerhalb von nur 3 Stunden füllte Ekosem seine Geldtöpfe mit einer 2. Anleihe. Quelle: Ekosem-Agrar GmbH

Interview mit Stefan Dürr, geschäftsführender Gesellschafter, und Wolfgang Bläsi, Geschäftsführer und CFO, Ekosem-Agrar GmbH, über die beiden anstehenden, wichtigen zweiten AGVs nächste Woche, den aktuellen operativen Zwischenstand und Aussichten für Ekosem-Investoren.

BondGuide: Eine Frage vorweg, Herr Dürr: Haben Sie den Gang von Ekosem-Agrar an den Kapitalmarkt schon mal bereut? – öffentliche Investoren können auch nerven…
Dürr: Wir sind ja nun schon so einige Jahre am Kapitalmarkt aktiv. Und 90% der Gespräche und Feedbacks der Investoren sind konstruktiv und befruchten die eigene Sichtweise. Daher habe ich die Entscheidung bislang nicht bereut und halte sie immer noch für sinnvoll.

Ekosem Übersicht

BondGuide: Apropos nervige Investoren, die nächste Stellungnahme der DIU zum Thema geplanter Verlängerung der Laufzeit der beiden Ekosem-Anleihen ist veröffentlicht. Muss man eigentlich darauf reagieren?
Bläsi: Ich habe das selbst gerade erst gelesen und mir die gleiche Frage gestellt. Das Strickmuster ist stets: Egal, was Ekosem-Agrar für Argumente hat, deren Sicht der Dinge ist trotzdem die einzig richtige. Unsere Botschaft ist seit sechs Wochen die gleiche: Wir haben von praktisch allen Ekosem-Investoren, mit denen wir gesprochen haben, Zustimmung für unsere Pläne erhalten – diese sind für uns entscheidend.

BondGuide: Gehen wir einige Punkte mal durch: Eine Eigenkapitalmaßnahme sei angeblich der richtige Weg. Das mit dem Verkauf von Anteilen zum ‚Schleuderpreis‘ sei kein valides Argument.
Bläsi: Natürlich kann man sich auf den Standpunkt stellen, die Sicht der Anleihegläubiger sei die einzige, die zähle. Wir als Geschäftsführer vertreten das Gesamtunternehmen, sowohl Eigenkapital- als auch Fremdkapital-Investoren und unsere Aufgabe ist es, eine vernünftige Gesamtlösung anzubieten.
Dürr: Das kann ich nur unterstreichen. Unsere lokalen Banken haben schon öfter ins Gespräch gebracht, ob man nicht Möglichkeiten habe, die Fremdkapitalgeber in Deutschland loszuwerden, was aus deren Sicht technisch machbar wäre. Das sind aber nicht unsere Maßstäbe: Wir möchten eine für alle Seiten zufriedenstellende Lösung und stehen zu unserem Wort.
Bläsi: Es gibt noch einen zusätzlichen, bisher wenig artikulierten Punkt: Jedem Eigenkapitalgeber, der jetzt hinzukäme, wäre doch ganz offensichtlich, wo sein Geld hinginge: in die Tilgung der zunächst 2017 fälligen Anleihe. Das kann für keinen Eigenkapitalgeber interessant sein. Bei weiteren vier Jahren Laufzeit der Anleihen, wie von uns vorgeschlagen, wäre die Situation eine ganz andere: Die Anleihen müssten dann zwar immer noch zurückgezahlt werden, aber in der Zwischenzeit würde das Eigenkapital arbeiten können.

Ekosem Anleihe 2012/17

Ekosem Anleihe 2012/17

BondGuide: Thema Bankdarlehen versus Anleihen: Gibt es hier ein Richtig oder Falsch?
Bläsi: Unser Konzept, das von PwC in ihrem Gutachten bestätigt wurde, sieht vor, zunächst den Cashflow zu erhöhen und damit teilweise Kredite zurückzuführen. Das reduziert unter anderem den Zinsaufwand und die Risiken. Parallel sparen wir Cash zur Rückführung der Anleihen an. Deswegen auch der Zeitraum von vier zusätzlichen Jahren. Der ist wirtschaftlich realistisch und lässt noch einen Sicherheitspuffer. Vorschläge zur Verlängerung nur um zwei Jahre oder was da im Raum stand, sind nicht zielführend. Wir reden hier von vier Jahren, die voll verzinst werden.

BondGuide: Wie sieht es beim Punkt Besicherung der beiden Anleihen aus – ist das nicht ein prüfbarer Punkt?
Bläsi: Das ist tatsächlich ein viel diskutierter Punkt, den ich aber heute noch genauso sehe wie damals bei Emission der Anleihen. Auf dem Papier könnte man die Anleihen mit den Liegenschaften in Russland besichern. In der Praxis ist das nicht möglich, denn Land kann in Russland nicht einfach so von Ausländern erworben werden. Die Umstände für eine Besicherung wären dermaßen komplex und teuer, dass daran kein Gläubiger Interesse haben dürfte. Daher haben wir das von Beginn an nicht mehr ernstlich in Betracht gezogen und unsere Meinung dazu hat sich bis heute nicht geändert. Nicht zuletzt gibt es dafür einen Zinssatz, der diese Ausgangslage auch widerspiegelt.

Ekosem auf dem Feld

BondGuide: Vor zwei Monaten sprachen wir schon einmal über die Wahl eines gemeinsamen Vertreters. Sind Sie immer noch der Meinung, dass Ekosem keinen braucht?
Bläsi: Wir haben mit rund 200 Investoren gesprochen und kein einziger war der Auffassung, dass wir unbedingt einen gemeinsamen Anleihegläubiger-Vertreter bräuchten.
Dürr: Wir nehmen gerne den höheren Aufwand in Kauf, um direkten Kontakt mit unseren Investoren aufzunehmen und diese im persönlichen Gespräch zu überzeugen.

BondGuide: Können Sie Ihre Investoren denn noch genau genug lokalisieren – und für die entscheidenden 2ten AGVs rekrutieren?
Bläsi: Zum einen wissen wir von den damaligen Platzierungen noch ungefähr, wo die Stücke angekommen sind. Einige kontaktieren umgekehrt ja auch uns. Und schließlich drittens hat man die Auswertung der ersten AGV.

BondGuide: Könnte Ekosem nicht eine Art Zins-Step-up oder dergleichen einbauen, um die schärfsten Kritiker zu befrieden?
Bläsi: Das ist sicherlich eine berechtigte Frage. Das operative Risiko ist seit Begebung der beiden Anleihen aber klar gesunken: Vergleichen Sie nur die produzierten Milchmengen 2011 und 2015. So hätten wir auch eine Verringerung des Zinssatzes für die Verlängerung vorschlagen können – nach sechs Wochen Diskussion wäre dann im Konsens herausgekommen, ihn unverändert zu lassen, und alle wären womöglich glücklich gewesen. So boten wir es gleich an – und stehen bei einigen in der Kritik.

Ekosem operativ

BondGuide: Gemeint war auch eher ein z.B. rein erfolgsabhängiger Step-up, also wenn es überdurchschnittlich gut läuft, eine Art Besserungsschein, wenn Sie so wollen.
Bläsi: Wir haben im Vorfeld alle möglichen Konzepte diskutiert. Problem ist jetzt natürlich, dass man mit neuen Vorschlägen, gleichgültig zu welchen Details, wieder mit ganz neuen AGVs von vorne anfangen müsste. Man sollte auch nicht außer Acht lassen, dass eine Ablehnung oder ein Verfehlen des Quorums auf den AGVs am 16./17. März die Anleihekurse auch nicht gerade beflügeln dürfte, genauso wenig wie die Sicht anderer Kapitalgeber. Uns ist daher sehr daran gelegen, die beiden Versammlungen jetzt so sauber und wasserdicht wie möglich über die Bühne zu bringen.

BondGuide: Herr Bläsi, Herr Dürr, vielen Dank für das interessante Gespräch!

Das Interview führte Falko Bozicevic.

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Stefan Dürr

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Wolfgang Bläsi

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