„Konsequent investiert, damit jeder Bereich für sich marktführend wird“ – Interview mit Siegfried Hofreiter, KTG Agrar

Bei KTG ackert der Chef noch selbst
Bei KTG ackert der Chef noch selbst!

Interview mit Siegfried Hofreiter, Gründer und CEO, KTG Agrar SE

BondGuide sprach mit KTG-Agrar-Gründer Siegfried Hofbauer über Investitionen, Bilanz und Zahlen – und natürlich, wie sich KTG eine Refinanzierung der ausstehenden Anleihen vorstellt.

BondGuide: Herr Hofreiter, selbst der ‚Granzgroßbauer‘ [Artikel aus der ZEIT] sah sich zuletzt zu einem Brief an Investoren gemüßigt, nochmals Vertrauen zuzusprechen. Als Vorstand kommentiert man eigentlich eigene Kurse nicht, mindestens mal nicht gern. Sind wir am Kapitalmarkt gerade an einem Punkt, wo man über seinen Schatten springen muss?
Hofreiter: Wir sind ja schon seit 2010 am Anleihemarkt. In dieser Zeit hat es jedes Jahr mindestens eine Phase mit hoher Volatilität gegeben, in denen die Kurse zahlreicher Anleihen ohne ersichtlichen Grund betroffen waren. In solchen besonderen Zeiten dürfen Anleger zu Recht eine Kommentierung des Unternehmens erwarten. Wir konzentrieren uns aber grundsätzlich auf operative Meldungen, so wie es unsere Tochter KTG Energie mit hervorragenden vorlaufigen Zahlen getan hat. Doch gerade im Januar ist dies in der Landwirtschaft naturgemäß schwierig. In den kommenden Wochen ist aber weiterhin mit positivem Newsflow bei KTG zu rechnen.  

Unternehmensrating der KTG Agrar SE auf BB- herabgestuft

BondGuide: Die KTG-Anleihe 2011/17 ist mit 210 Mio. EUR eine der größten am Markt, fällig im Juni 2017. Ab wann gehen Sie die Refinanzierung an?
Hofreiter: Wir haben bei der Anleihe 2015 gezeigt, dass wir das Thema frühzeitig und professionell angehen. Darauf können Anleger auch in diesem Fall vertrauen: Wir bereiten uns schon seit Herbst 2015 darauf vor.  

BondGuide: Wie viel Vorlauf muss man einplanen, 3, 6 oder mehr Monate?
Hofreiter: 3 bis 6 Monate halte ich für fahrlässig. Wir starten gute 20 Monate vor Fälligkeit, um in Ruhe alle Optionen zu prüfen und die für uns passenden auszuwählen. Unser Ziel ist es, bereits im Herbst dieses Jahres – also rund 9 Monate vor Fälligkeit – die Refinanzierung finalisiert zu haben.

BondGuide: Welche Optionen ziehen Sie dazu in Betracht, vielleicht ein Mix aus verschiedenen Varianten dieses Mal?
Hofreiter: Uns stehen mehrere Optionen zur Verfügung, die wir intensiv prüfen und verhandeln, angefangen bei klassischen Bankdarlehen bis hin zum Heben von stillen Reserven. Es wird oft unterschätzt, dass ab einem Volumen von 100 Mio. Euro großes Interesse von internationalen Investoren gezeigt wird, damit nehmen die Optionen nochmals zu.

BondGuide: …vielleicht auch ein eigenkapitalnahes Instrument, wie einen Genussschein oder eine Kombination?
Hofreiter: KTG ist seit 2007 am Kapitalmarkt und hat stets gehalten, was versprochen wurde. Schon während unserer massiven Investitionsphase sind wir profitabel gewachsen – der Umsatz legte in nur fünf Jahren von 32 Mio. EUR um über 600% auf 234 Mio. EUR zu und das EBITDA kletterte von 12 auf 54 Mio. EUR. Wir haben pünktlich unsere Zinsen gezahlt, die erste Anleihe getilgt und das in diesem Zeitraum in uns gesetzte Vertrauen stets voll erfüllt. Als verlässlicher Emittent halte ich ein eigenkapitalnahes Instrument als Teil der Refinanzierung ebenfalls gut vorstellbar, aber dazu gibt es noch keine Entscheidung.

Vom Acker bis zum Endkunden

Vom Acker bis zum Endkunden

 BondGuide: Es wurde ja einige Male durchaus Kritik laut, KTG führe mit seiner Bilanzstruktur einen ‚heißen Reifen‘ – Sie verweisen auf stille Reserven, bisher ungehoben. Wie sieht das aktuell aus?

Hofreiter: KTG Agrar ist mit Landwirtschaft, erneuerbarer Energie und Nahrungsmittelproduktion in drei kapitalintensiven Branchen aktiv. Auf der anderen Seite sind es auch sehr spannende Bereiche mit viel Potenzial. Wir haben konsequent investiert, damit jeder Bereich für sich genommen eine führende Position in seinem Markt erreicht. Dies ist uns gelungen. Dabei haben wir echte Sachwerte geschaffen: Ackerland, Agrarimmobilien, starke Lebensmittelmarken mit entsprechenden Produktionskapazitäten und Biogasanlagen. Alles steht gemäß HGB zu Anschaffungskosten in unserer Bilanz. Ein Beispiel: Während die Aktie der KTG Energie an der Börse bei über 11 EUR notiert, ist sie bei uns weiter zu je 1 EUR bilanziert. Dies entspricht einer stillen Reserve von mehr als 30 Mio. EUR oder über 5 EUR pro Aktie der KTG Agrar.

BondGuide: Können Sie uns schon etwas zum Jahresabschluss 2015 sagen?
Hofreiter: Der Jahresabschluss 2015 wird derzeit erstellt. Die hervorragende Entwicklung unserer Tochter KTG Energie zeigt jedoch schon, wohin die Reise geht: Die Gesamtleistung der KTG Energie legte im Geschäftsjahr 2014/15 von 73 auf 92 Mio. EUR zu und das EBITDA stieg um 15% auf 25 Mio. EUR. Damit sind wir in der KTG Gruppe auf einem guten Weg, unser 2014-Konzern-EBITDA von 54 Mio. EUR deutlich zu übertreffen und die Umsatzmarke von einer Viertelmilliarde Euro erfolgreich zu knacken.

BondGuide: Und wie geht es weiter?
Hofreiter: Die Investitionsphase haben wir abgeschlossen und neue, klare Ziele formuliert: Optimierung und Ertragssteigerung. Jetzt gilt es, Synergiepotenziale zu heben und unsere Kapazitäten auszulasten. Innerhalb unserer Gruppe ergeben sich dazu nach den massiven Investitionen erhebliche Potenziale. Ein Beispiel: Wir bewegen pro Jahr weit über 1 Mio. Tonnen Agrarrohstoffe. Lagerung und Logistik sowie Precision Farming und Big Data eröffnen hier erhebliches Effizienzsteigerungspotenzial. Sie merken: KTG Agrar ist gerade erst am Anfang der Erntephase. Für die kommenden Jahre haben wir die Umsatzmarke von einer halben Milliarde Euro fest im Visier – bei steigenden Margen.

KTG neues Bild Frau im Supermarkt

BondGuide: Herr Hofreiter, danke wie gewohnt, dass Sie uns kurzfristig Rede und Antwort lieferten.

Das Interview führte Falko Bozicevic.

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