DAX 10.000 Punkte – wie geht es weiter? Die Kolumne von Vermögensverwalter Wolfgang Juds

Quelle: Panthermedia/Petrus Bodenstaff Bodenstaff
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Der 5. Juni 2014 wird vermutlich in die Geschichte eingehen. Zum ersten Mal durchbricht der deutsche Aktienindex DAX die historische Marke von 10.00 Punkten. Kurz zuvor hat die EZB die den Leitzins auf ein Rekordtief von 0,15% gesenkt: Was bedeutet die nun für Sie als Anleger und wie wird sich die CREDO Vermögensmanagement GmbH jetzt positionieren?

Der EZB-Rat hat in ihrer heutigen Sitzung am Donnerstag, den 06. Juni 2014 beschlossen, den Leitzins auf ein Rekordtief von 0,15% zu senken. Die Zinsen für Banken, die ihre Geldreserve bei der EZB parken, sind auf den negativen Wert von -0,1%  gesenkt worden. Die Banken müssen nunmehr etwas zahlen, wenn sie etwas bei der Zentralbank anlegen. Gleichzeitig wurde eine weitere Lockerung der Geldpolitik beschlossen. Käufe von verbrieften Krediten, den sogenannten ABS-Papieren und langlaufende Notenbankkredite im Volumen von 400 Mio. Euro sollen den Markt mit zusätzlicher Liquidität fluten. Ziel dieser Maßnahmen ist die Stärkung der Wirtschaft in den südeuropäischen Krisenländern, die noch immer unter schwachem Wirtschaftswachstum und einer hohen Arbeitslosigkeit leiden.

Die Europäische Zentralbank möchte erreichen, dass die Banken wieder Kredite an kleine und mittlere Unternehmen vergeben. Gerade in den Ländern mit einem schwachen Wachstum stockt die Kreditvergabe bislang. Die Banken legen ihr Geld lieber am Kapitalmarkt an als an die mittelständischen Firmen zu vergeben. In Deutschland ist dies nicht zu spüren, denn bei uns läuft die Wirtschaft ziemlich rund. Aber die Europäische Zentralbank muss versuchen, eine erfolgreiche Geldpolitik für die gesamte Eurozone zu gestalten. Außerdem möchte EZB-Chef Draghi erreichen, dass die Preise in der Eurozone im Schnitt um etwa 2% steigen. Zuletzt lag die Inflation in der Eurozone gerade einmal bei 0,5%.

Was bedeutet dies für Sie als Anleger?

Es gibt praktisch keine Zinsen mehr. Diese Wahrheit wird den meisten Bürgern in diesen Tagen schmerzlich bewusst. Viele Analysten haben zu Beginn des Jahres bereits mit steigenden Zinsen gerechnet, weil die Wirtschaft inzwischen wieder in Schwung kommt. In den USA sind die Anzeichen für eine Erholung deutlich zu spüren. Auch in Deutschland ist das Bruttoinlandsprodukt im 1. Quartal 2014 um 0,8% gegenüber dem Vorquartal gewachsen. Das reicht allerdings für die gesamte Eurozone nicht aus. Unser Nachbar Frankreich stagniert und in Italien und in den Niederlanden gibt es ebenfalls noch Steigerungspotenzial.

Aktien sind auch nicht mehr billig. Der DAX hat heute zum ersten Mal in seiner Geschichte die Marke von 10.000 Punkten erreicht, ist dann aber wieder deutlich zurückgefallen. Gemessen am langfristen Durchschnitt sind europäische Aktien leicht überbewertet. US-Aktien hingegen sind noch einmal erheblich teuer, weil die Märkte eine deutliche Erholung der US-Wirtschaft einpreisen.

Was ist nun zu tun?

Wir müssen akzeptieren, dass es aktuell kaum preiswerte Anlagen gibt. Auf der anderen Seite gibt es immer wieder einmal günstige Opportunitäten aufgrund von Sondersituationen. In diesen Phasen ist ein aktives Management gefragt. In Zeiten, wo das Chance-Risiko-Verhältnis offensichtlich ungünstig ausfällt, braucht es meiner Meinung nach ein Management, dass sich stärker am gesunden Menschenverstand orientiert als an komplexen Value-at-Risk-Modellen oder an einer vergangenheitsbezogenen Markowitz-Optimierung. Niemand sollte sich vom Anlagedruck leiten lassen. Keine Angst, es gibt immer wieder günstige Einstiegsmöglichkeiten. Im Jahr 2008, als viele andere Investoren Probleme hatten, war es der Altmeister Warren Buffet, der genügend Liquidität besaß, um die Schnäppchen einsammeln zu können. Es gibt manchmal Phasen, wo es besser ist, abzuwarten und nicht wie die Lemminge hinterher zu laufen. Geduld und Ausdauer sind in diesen Zeiten gefragt. Bleiben Sie gelassen, ich bin es auch!

Wolfgang Juds; CREDO Vermögensmanagement

Wolfgang Juds
CREDO Vermögensmanagement GmbH